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Vorgestellt // Mason Dixon Line Sehnsucht, Wehmut, Karohemd

Ein Hauch von Texas weht durch Regensburg: Die Indie-Allstar-Band Mason Dixon Line spielt so lässig wie liebenswert die klassische Klaviatur des Country.

Stand: 15.11.2009 | Archiv

Mason Dixon Line | Bild: Mason Dixon Line

Diese Band macht es einem nicht leicht. Vor allem, wenn man sie mag. Und es ist wiederum schwer, diese Band nicht von Herzen zu mögen. Trotzdem muss sich die Welt jetzt schon jahrelang mit lächerlich wenigen Songs begnügen. Genauer gesagt nagt die Fanbase am Drei-Songs-Hungertuch. Mehr ist im Netz nicht zu hören. Schlimmer noch: Mehr ist einfach nicht zu haben! Es sei denn, man hat das verdammte Glück, Mason Dixon Line bei einem ihrer raren Live-Auftritte zu erleben.

Eine Supergroup aus der Oberpfalz

In Bands zu spielen, gehört in der Oberpfalz zum guten Ton. Und in Regensburg endet fast jeder Abend in der örtlichen Kinokneipe zwangsläufig im Gründungsmythos einer neuen Supergroup. Analog dazu sind Mason Dixon Line so was wie die Traveling Wilburys von Regensburg, eine Allstar-Band bestehend aus Martin Haygis (beige GT, Osthafen Duo, Tar Tar Fox), Andi Schuwirth (Seaside Stars, Plafagh, godspeed bugkiller), Gunther Schuller (Kraut of Order, Groß Grün und Grausig) und Sebastian Troll (Holy The Canyon).

Fink, Guz und Konsorten haben Countrymusik hierzulande auch für Indieheads zugänglich, verstehbar und liebenswert gemacht. Mason Dixon Line sind sozusagen die zweite Generation der Countrymacher, wieder deutlich näher dran am Original. Gesungen wird auf Englisch, aber statt eine billige Kopie, Roots- oder Coverband zu sein, kreuzen sie US-amerikanische Countrymusik mit Pop und ihren mannigfaltigen anderen musikalischen Einflüssen. Rum ums Eck kommt ein extrem lässiger Indie-Country-Bastard, der waschecht und vor allem ziemlich einmalig klingt.

Texas im Herzen

Das mag zum einen daran liegen, dass Sänger und Gitarrist Sebastian Troll sehr von der Zeit zehrt, die er mit seiner Familie in El Paso/Texas verbracht hat. Bei ihm ist das Karohemd keine Pose, sondern Haltung - also hundertprozentig ernst gemeint. Zum anderen liegt das an Faktotum Martin Haygis, denn der spielt das Banjo und die Slide Guitar so sehnsüchtig-wehmütig, als gäbe es tatsächlich kein Morgen.

"Und gerade, weil Mason Dixon Line keinen Druck haben, irgendwas erreichen zu wollen bzw. irgendwem gefallen zu müssen, machen sie Musik, die einem das Herz aufmacht. Ehrlich. Countrymusik."

(Säm Wagner, Zündfunk/Popmusik-Beauftragter Oberpfalz)

Kurz von der Debüt-Platte

Stressen lassen sich die durch und durch lässigen Hunde von Mason Dixon Line tatsächlich nicht. Dass es in der Oberpfälzer Bandszene mittlerweile (leider) auch zum guten Ton gehört, zwischen Regensburg und Berlin zu pendeln, befördert ebenfalls nicht gerade die schnelle Fertigstellung eines Albums. Die gute Nachricht aber ist: Das Mason Dixon Line-Debüt soll inzwischen tatsächlich so gut wie fertig sein.

"Was aus dieser Band einmal werden wird, ist unklar", ahnte Zündfunk-Kollege Säm Wagner schon 2006. Recht hatte er. Aber die Travelling Wilburys gab's insgesamt nur drei Jahre und zwei Studioalben lang. Das werden Mason Dixon Line auf jeden Fall toppen, jede Wette!


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