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Altpapier und Pappe Richtig sortiert hat Papier eine gute Umweltbilanz

Tageszeitungen, bedruckte Kataloge, handgeschriebene Einkaufszettel – es kommt täglich viel Altpapier zusammen. Aber manchmal gelangen dort auch Dinge hinein, die nicht zu recyceln sind. Worauf muss man achten?

Von: Hellmuth Nordwig

Stand: 24.08.2020

Die meisten Haushalte sammeln ihr Altpapier in einer separaten Kiste. Doch bei manchen Papieren oder Kartons sind sich Verbraucher unsicher:  Darf da wirklich alles rein, was nach Papier aussieht? Axel Fischer, Sprecher des Papierrecycler-Verbands INGEDE, gibt dazu einige Tipps weiter unten auf der Seite, denn die Industrie ist dringend auf Altpapier angewiesen. Es soll möglichst keine Papierfaser für den Kreislauf verloren gehen. Broschüren aus Altpapier sind beispielsweise der beste Rohstoff, denn von ihnen lassen sich die Druckfarben wieder problemlos entfernen.

Beim größten Papierhersteller Europas, der Firma UPM in Augsburg, sorgt Dr. Thomas Krauthauf dafür, dass aktuell drei Viertel des Rohstoffs Altpapier sind. Mehr sei technisch kaum machbar. Er bekräftigt: "Es gibt bestimmte Papiere, beispielsweise Hygienepapiere, die man zwangsläufig nicht wiedergewinnen kann. Das heißt: Um den Zielwert zu erreichen, muss möglichst alles, was an Papierprodukten im Haushalt anfällt, auch wieder in die Papierkette zurückgebracht werden."

Wie die Papierherstellung im Recycling-Prozess abläuft

800 bis 1.000 Tonnen Altpapier werden in der Firma täglich verarbeitet. In einer großen Halle landet alles, was die Verbraucher in den Altpapiercontainer werfen. Eine Art Riesen-Waschmaschine läuft im Dauerbetrieb. In diesem Gerät wird das Papier in Wasser eingeweicht, sodass eine breiige Masse entsteht. Der Kunststoff vom Kleber und den Fensterumschlägen schwimmt oben. Er wird ebenso abgetrennt wie Büro- und Heftklammern. Sie sind schwerer als der Brei, den die Fachleute Suspension nennen. Zu dieser kommt eine Art Waschmittel, die Waschmaschine knetet dann alles kräftig und holt die Farbteilchen von den Papierfasern herunter.

Das funktioniert auf folgende Weise: In die Suspension wird Luft zugegeben, wodurch Luftblasen entstehen. Die Luftblasen sind wasserabweisend, genauso wie die Druckfarben. Die beiden schließen sich zusammen, das heißt, die Druckfarben legen sich auf die Blasen und steigen mit den Blasen nach oben, während der gesäuberte Faserstoff unten abgezogen wird. Dafür ist viel warmes Wasser nötig, das im Kreislauf aber mehrfach genutzt werden kann.

Das Problem der Druckfarben bei der Papier-Wiederverwertung

Pappe und Papier quellen aus einer übervollen blauen Papier-Tonne heraus.

Manche Farben sind allerdings nicht wasserabweisend. Zum Beispiel die Druckfarben von Tintenstrahldruckern. Die lösen sich im Wasser, und das kann Probleme geben. Fachleute bei UPM sorgen dafür, dass der Anteil solcher Druckfarben bei der Wiederaufbereitung so gering ist, dass man sie im recycelten Papier nicht wahrnimmt. Abfälle aus dem heimischen Tintenstrahl-Drucker dürfen deshalb in den Papiercontainer.

Das darf nicht in die Papiertonne

Es gibt aber ein paar Papiersorten, die dort wirklich nichts zu suchen haben: Küchenpapier, Pizzakartons, Milchtüten, Thermopapier (z. B. Kassenbons) und laminiertes Papier. Axel Fischer hält einen einfachen Tipp für Verbraucher bereit: "Wenn Sie ganz sichergehen wollen, dass keine Folie drauf ist, dann immer einreißen. Wenn Sie es einreißen, merken Sie: Ist es mehrlagig? Ist da eine Plastikfolie drauf? Spätestens wenn Sie das sehen, bitte gleich in den Müll. Dann kann nämlich die Waschmaschine die Fasern nicht rauslösen."

Sieben Mal wird eine Papierfaser im Durchschnitt verwendet, dann ist Schluss. Einen kleinen Anteil an frischen Holzfasern braucht es bei der Papierherstellung immer. Trotzdem: Dank des intensiven Recyclings hat Papier eine sehr gute Umweltbilanz - vorausgesetzt, es landet wirklich im richtigen Container.

Acht Tipps fürs Papierrecycling

Das darf ins Altpapier:

  • Eierkartons können inklusive Papieraufkleber ins Altpapier
  • Büro- oder Heftklammern an Papierstapeln stören nicht
  • Fenster von Briefumschlägen oder Nudelverpackungen stören ebenfalls nicht
  • Druckfarben von Tintenstrahldruckern sind wasserlöslich, dürfen aber ins Altpapier


Das darf nicht hinein:

  • Küchenpapier zerfasert nicht
  • Pizzakartons und andere Verpackungen von Lebensmitteln sind unhygienisch
  • Fahrkarten und Kassenzettel aus Thermopapier enthalten Chemikalien
  • Fotos und laminiertes Papier, die aus Kunststoff- und Papierschichten bestehen

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