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Recycling Mehrweg- oder Einwegflasche?

Getränke im Supermarkt gibt es in der Mehrwegflasche zu kaufen und als Einwegverpackung. Auf beides gibt es Pfand. Was ist umweltfreundlicher? Das ist im Detail gar nicht so einfach zu beantworten.

Stand: 14.08.2020

Es gibt mehrere Varianten für Getränkeverpackungen in Deutschland: Mehrweg aus Glas oder Kunststoff oder Einweg aus Plastik. Auf alles wird Pfand bezahlt. Alle haben Vor- und Nachteile.

Mehrwegflaschen aus Glas

Der größte Vorteil der Glasflaschen: Sie können bis zu 50 Mal befüllt werden, haben eine lange Lebensdauer. Ihr größtes Problem: Sie sind verhältnismäßig schwer. Das bedeutet, dass Lkw-Transporte teurer werden und mehr CO2 entsteht.

Mehrwegflaschen aus Plastik

Plastikflaschen, die mehrfach gereinigt und wiederverwendet werden können, sind in der Ökobilanz etwa genausogut wie die aus Glas. Zwar können sie nur rund 25 Mal wiederbefüllt werden, aber sie sind leichter und das hilft in der Ökobilanz.

Am allerbesten schneiden beide Flaschenarten ab, wenn sie kurze Transportwege haben.

"Am umweltfreundlichsten fährt man tatsächlich, wenn man sagt, man nimmt Mehrwegflaschen aus der Region."

Sascha Roth, NABU Deutschland

Nicht ganz einfach: Dazu muss man ja wissen, wo die jeweilige Quelle oder Abfüllanlage von einem Mineralwasser ist. Nicht jeder weiß, dass zum Beispiel Gerolstein in der Vulkaneifel liegt und Adelholzen in Südbayern.

Einwegflaschen aus Plastik

Seit dem Jahr 2003 gibt es das Pfand auf Einwegflaschen. Damit sollte vor allem verhindert werden, dass Plastikflaschen oder Getränkedosen in der Landschaft landen. Darüber, ob und wie gut sie recycled werden können, sagt das Pfand nichts aus. Weil Einwegflaschen nicht direkt wiederverwendet werden können, muss man sie schreddern und dann weiterverarbeiten. Theoretisch eine gute Idee.

"Weil das technisch ganz gut möglich wäre. Aber es ist tatsächlich so: Rund ein Viertel des Recyclingmaterials wird zu neuen Flaschen. Ein weiteres Viertel geht in die sogenannte Folienproduktion, das sind Schalen oder andere Verpackungen. Ungefähr 20 Prozent gehen in die Textilindustrie, daraus werden also Polyester-Fäden. Aus dem Rest entstehen Banderolen für Paletten und andere Anwendungen."

Sascha Roth, NABU Deutschland

Downcycling statt Recycling

Das Material wird also tatsächlich noch mal benutzt, aber eben nicht für Flaschen. Das kann viele Gründe haben. Zum Beispiel, weil der Kunststoff farbig ist oder der Kleber vom Etikett nicht gut abgeht.

Vollständiges Recycling bei Einwegflaschen ist nur möglich, wenn ein Hersteller seine eigenen Flaschen sortiert einsammelt, schreddert und wieder zu neuen Flaschen verarbeitet. Solche Flaschen können zum Beispiel an Automaten separat gesammelt werden.

Recycletes Material in PET-Flaschen

Man darf sich von Hinweisen auf "recycletes Material" in PET-Flaschen übrigens nicht verwirren lassen. Dass der Kunststoff PET schon lange auch mit recycletem Kunststoff hergestellt wird, ist noch kein Beweis für eine gute Ökobilanz des Plastiks. Denn bei Getränkeflaschen wird eben nicht zu 100 Prozent recycleter Kunststoff verwendet, sondern nur rund ein Viertel.

Vermeiden und Wiederverwerten statt Recyclen

Ist es überhaupt sinnvoll, den Anteil an recycletem Material in Einwegflaschen zu erhöhen? Sascha Roth meint, das sei die falsche Frage:

"Beim Recycling handelt es sich ja um die dritte Stufe der Kreislaufwirtschaft. Davor kommt die Vermeidung und die Wiederverwendung. In Deutschland ist es so, dass wir von abnehmenden Mehrweganteilen sprechen. Aktuell sind es noch um die 43 Prozent."

Sascha Roth, NABU Deutschland

Mehrweg ist nicht für alles die Lösung

Technisch ist es nicht ganz einfach, die Mehrweg-Quote bei Plastikflaschen beliebig zu erhöhen. Getränke, die zum Beispiel empfindlich auf Luft reagieren, werden momentan in speziellen Einwegflaschen verkauft. Säfte zum Beispiel. Dabei werden im Einwegplastik verschiedene Kunststoffe kombiniert, so dass kein Sauerstoff durch die Flaschenwand dringen kann.

Solche Einwegflaschen sind übrigens, was ihre Ökobilanz angeht, am schlechtesten. Sie können nämlich gar nicht recycled werden.

Eine ähnliche Schutzschicht kann theoretisch auch in Mehrwegflaschen angebracht werden, zum Beispiel als dünne Glasschicht im Innern. Doch die nimmt Schaden, wenn die Plastik-Mehrwegflasche ausgespült wird. An der Ruhr-Universität wurde darum eine neue Möglichkeit entwickelt.

"Der Trick dabei ist einfach nur, dass man diese einfache Barriereschicht schützt mit einer weiteren Schicht, die genauso dünn ist, die auch mit dem gleichen Verfahren aufgebracht wird. So erreicht man, dass diese Schicht auch bis zu 20 Waschzyklen standhalten kann."

Prof. Rainer Dahlmann, RWTH Aachen

Und das entspricht schon fast der Wiederverwendungsquote, die Plastik-Mehrwegflaschen heute schon haben. Am allerbesten ist es aber weiterhin, Verpackungen, so weit es möglich ist, zu vermeiden. Zum Beispiel, indem man Leitungswasser trinkt. Das ist komplett verpackungslos und hat die beste Umweltbildanz, sagt Sascha Roth.

  • B5 aktuell, Aus Wissenschaft und Technik, 16.08.2020

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