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Hintergrund Bayerns Wasser

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Unser großer Wasser-Fußabdruck Virtuelles Wasser fließt in Warenströmen

Das Wasser aus dem Hahn ist in unserem Verbrauch buchstäblich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das meiste Wasser verbrauchen wir, ohne je sein Rauschen zu hören: als virtuelles Wasser in Waren, die wir importieren.

Von: Heike Westram

Stand: 21.03.2018

Wasser sparen - wozu? Wo doch bei uns in Bayern das blaue Gold oft in Strömen rinnt? Richtig. Ob bei uns in Bayern Wassersparen nötig ist, darüber lässt sich streiten. Doch das meiste Wasser, das Sie verbrauchen, stammt gar nicht aus Bayern, sondern wird importiert: das virtuelle Wasser, das in jedem Produkt oder Lebensmittel steckt. Und diese kommen oft aus Ländern, in denen Wasser längst zum sehr kostbaren Gut geworden ist.

Virtuelles Wasser und der Wasser-Fußabdruck

Unter virtuellem Wasser versteht man das bei der Herstellung und dem Transport von Industriegütern und Lebensmitteln verbrauchte, verdunstete oder verschmutzte Wasser. Den Begriff prägte der britische Wissenschaftler John Anthony Allen vom Londoner King’s College in den 1990er-Jahren.

8.000 Liter Wasser in einem Paar Lederschuhe

Zu Beginn dieses Jahrhunderts entwickelte der Forscher Arjen Hoekstra, Professor für Wasser-Management an der niederländischen Universität in Twente, diese Studien für das Institute for Water Education der UNESCO (heute: IHE Delft Institute for Water Education) weiter: Aus der Menge an virtuellem Wasser, die in ein Produkt fließt, wurde der Wasser-Fußabdruck (Water-Footprint) des Konsumenten oder auch konsumierenden Staates, der dieses Produkt nutzt. So verbraucht man mit jedem Paar Lederschuhe auch 8.000 Liter virtuelles Wasser.

Wie kommt virtuelles Wasser in ein Produkt?

Beispiel Rindfleisch: Rindfleisch ist Spitzenreiter in Sachen versteckter Wasserverbrauch: In jedem Kilogramm Rindfleisch versickern 16.000 Liter virtuelles Wasser. Denn das Rind trinkt nicht nur, es frisst - und sein Futter muss angebaut und reichlich bewässert werden. 99 Prozent des virtuellen Wassers im Rindfleisch entfallen auf das Futtermittel für Rind. Das restliche Prozent: Die Ställe der Rinder müssen gereinigt, das Fleisch verarbeitet werden. Landet dazu noch ein argentinisches Steak auf dem deutschen Teller, schluckt der Transport weiteres virtuelles Wasser.

Unser großer Wasser-Fußabdruck

Was unseren Verbrauch an virtuellem Wasser angeht, leben wir Deutschen auf ziemlich großem Fuß: Zu der einen Badewanne voll Wasser, die jeder von uns täglich direkt aus der Wasserleitung holt, kommen Tag für Tag noch einmal 25 Badewannen voll hinzu, versteckt in Produkten.

Und obwohl Deutschland mit Wasser reichlich gesegnet ist, importieren wir den größten Teil des virtuell verbrauchten Wassers: 70 Prozent steckt in Produkten aus anderen Ländern. Auch aus Ländern, wo Wassermangel herrscht oder Gewässer verschmutzt werden. So exportieren wir Umweltprobleme in die Ursprungsländer der wasserintensiven Produkte.

Sollen wir Wasser sparen?

Ja, sagen Naturschutzorganisationen - aber vor allem virtuelles Wasser: Ausschlaggebend für den globalen Wasserhaushalt sei nicht unbedingt, ob man in deutschen Haushalten weitere zehn Liter Leitungswasser pro Tag einspare, so Martin Geiger, der Wasserexperte des WWF. Vielmehr lasse sich durch bewussten Konsum erheblich mehr Wasser sparen.

So sparen Sie virtuelles Wasser

35 Liter Wasser für eine Tasse Tee

Wollen Sie virtuelles Wasser sparen, sollten Sie darauf achten, saisonale und regionale Lebensmittel einzukaufen. Es müssen nicht unbedingt Erdbeeren aus Spanien sein - und gerade im Winter empfiehlt es sich, klassische Sommergemüse wie Tomaten oder Paprika zu meiden und zum Beispiel auf Kohl oder Pastinaken auszuweichen.

Wer weniger Fleisch isst, verbraucht auch automatisch weniger virtuelles Wasser. Eine einfache Rechnung, angesichts der Mengen, die bei der Mast von Geflügel, Schweinen und Rindern verbraucht werden. Das empfiehlt übrigens auch John Anthony Allan, der Erfinder des Wasser-Fußabdrucks.

6.000 Liter in jeder Jeans

Auch die Wegwerf-Mentalität bei Textilien sollte man überdenken. Viele Billigtextilien werden in trockenen Regionen produziert: Dabei werden Unmengen von Wasser verbraucht und verschmutzt. Rund 6.000 Liter virtuelles Wasser stecken in einer Jeanshose. Grund genug also, mit seiner Kleidung sorgfältig umzugehen.

"Wie viel virtuelles Wasser in einem Produkt steckt, sieht man diesem natürlich nicht auf den ersten Blick an. Als Faustregel kann aber gelten: regional und saisonal einkaufen, nur in Maßen Fleisch konsumieren. Allein dadurch lässt sich schon einiges an virtuellem Wasser einsparen."

Martin Geiger, Wasserexperte des WWF

Versteckter Wasserverbrauch kann nur geschätzt werden

Am Lehrstuhl für Wassermanagement in Twente entstehen fortlaufend weitere Studien über den Wasser-Fußabdruck einzelner Bereiche, etwa der Industrie, des Tourismus in Spanien oder auch von Banken. Zusammen mit der UNESCO-IHE, dem WWF und anderen Institutionen gründete Hoekstra auch das water footprint network, das regelmäßig Zahlen zum virtuellen Wasserverbrauch veröffentlicht.

Dieser virtuelle Wasserverbrauch wird natürlich von keiner Wasseruhr gezählt, sondern kann nur geschätzt werden - auf Basis einer mehr oder weniger guten Datenlage zu den einzelnen Produkten.

"Ich will ehrlich sein. Wenn Sie einem Bauern praktische Fragen stellen, zum Beispiel: 'Wie viel Wasser verwenden Sie?' oder 'wie viel Dünger nehmen Sie?', ist es nicht immer einfach, eine präzise Antwort zu bekommen. Für uns ist es ein Qualitätsmerkmal gute Schätzungen anzustellen. Wir arbeiten also mit den besten Schätzungen, die wir kriegen können und wir nutzen so viele Datenmengen."

Arjen Hoekstra, Lehrstuhl für Wasser-Management, Universität Twente

  • So viel Wasser steckt in ... unser virtueller Wasserverbrauch. Notizbuch, 22.03.2018, 10:05 Uhr, Bayern 2
  • Der ökologische Fußabdruck - Wir leben über unsere Verhältnisse. IQ - Wissenschaft und Forschung, 27.10.2016, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Virtuelles Wasser - die versteckte Wasserverschwendung. Faszination Wissen, 23.06.2014, 22:00 Uhr, BR Fernsehen

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