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Sonnenforschung Raumsonde Parker Solar Probe bricht Sonnen-Rekord

Am 12. August ist die Raumsonde Parker Solar Probe der NASA zur Sonne gestartet. Die Sonde kommt der Sonne näher als jede andere Mission zuvor - und versucht, trotz der Hitze cool zu bleiben.

Stand: 30.10.2018

Künstlerische Darstellung der Raumsonde Parker Solar Probe auf ihrem Weg zur Sonne | Bild: NASA/Johns Hopkins APL

Die NASA hat am 12. August 2018 die Mission Parker Solar Probe gestartet. Die Sonde hob an Bord einer "Delta IV Heavy"-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab. Jetzt kommt sie der Sonne näher als jede andere Raumsonde zuvor: Am 29. Oktober hat Parker Solar Probe den Rekord gebrochen, den die Sonde Helios 2 im Jahr 1976 aufgestellt hatte: Parker Solar Probe knackte die 43- Millionen-Kilometer-Marke. Laut NASA wird die Sonde in den nächsten sieben Jahren insgesamt 24 dichtere Annäherungsversuche zur Sonne unternehmen und sich ihr noch bis auf sechs Millionen Kilometer nähern.

Sonnenstürme, Polarlichter und Stromausfälle

Unsere Sonne ist ein mächtiger Stern, bei dem es ganz schön turbulent zugeht: Ab und zu speit sie einen Schwung hochenergetischer Teilchen aus. Die gelangen bis in die Erdatmosphäre, können uns Polarlichter an den Himmel malen, aber auch unser Stromnetz lahmlegen. Viele Vorgänge in und auf der Sonne geben Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf: Wie werden diese ausgespuckten Teilchen beschleunigt? Und wie kann es eigentlich sein, dass es in der äußeren Atmosphärenschicht der Sonne, in der sogenannten Korona, hunderte Male heißer ist als auf ihrer Oberfläche?

"Das ist ein bisschen so, als ob man von einem Lagerfeuer wegginge und dann würde es plötzlich wärmer."

Nicky Fox, Projekt-Wissenschaftlerin, Johns Hopkins University

Parker Solar Probe schaut sich die Sonne ganz genau an

Auch, um Sonnenstürme künftig besser vorhersagen zu können, will die NASA nun der Sonne näher kommen als mit jeder anderen Mission zuvor. Sie wird sich der Sonne bis auf rund sechs Millionen Kilometer nähern und muss dabei mehr als 1.300 Grad aushalten. In Sonnennähe erreicht Parker Solar Probe voraussichtlich eine Geschwindigkeit von rund 200 Kilometern pro Sekunde. Mit vier Instrumenten will die kleinwagengroße und rund 700 Kilogramm schwere Sonde die Sonne und ihr Drumherum inspizieren: FIELDS, SWEAP und ISʘIS messen elektrische und magnetische Felder und analyisieren die Geschwindigkeit, Temperatur sowie die Dichte der Teilchen. WISPR, ein Teleskop, beobachtet die Korona und kann Fotos machen.

"Die Parker Solar Probe wird Fragen über Solarphysik beantworten, die uns seit mehr als sechs Jahrzehnten umtreiben. Es ist ein Raumschiff, vollgeladen mit technologischen Neuerungen, die viele der größten Mysterien um unseren Stern herum lüften werden."

Nicky Fox, Projekt-Wissenschaftlerin, Johns Hopkins University

Eine heiße Kiste: Parker Solar Probe bleibt cool

Warum wird die Korona der Sonne so heiß? Die Raumsonde Parker Solar Probe soll darauf eine Antwort finden.

Dass Parker Solar Probe dabei möglichst cool bleibt, dafür sollen ein zweieinhalb Meter großes und zwölf Zentimeter dickes Hitzeschild aus Carbon samt reflektierender Keramikbeschichtung sowie ein flüssigkeitsbasiertes Kühlsystem sorgen. Egal, wie nah die Raumsonde der Sonne kommt und wie heiß es wird: Parker Solar Probe sollte sich damit auf nicht mehr als 30 Grad aufheizen. Ihre Energie erhält die Sonde von Solarzellenflügeln, die ebenfalls auf die extremen Anforderungen ausgelegt sind. Parker Solar Probe kann dank ihres Bordsystems selbstständig agieren, wenn es zum Beispiel schnell gehen muss oder die Sonde gerade nicht mit der Erde kommunizieren kann. Sieben Sonnensensoren halten im Schatten des Hitzeschilds Wache. Sollten sie plötzlich zuviel Sonnenlicht abbekommen, wird der Kurs von Parker Solar Probe automatisch korrigiert, damit die Instrumente nicht überhitzen.

"Parker Solar Probe fliegt in eine Gegend des Weltalls, die wir noch nie erkundet haben. Es ist sehr aufregend, dass wir da endlich hinschauen können. Ich hätte gerne detailliertere Messungen der Sonnenwinde. Ich bin mir sicher, es wird einige Überraschungen geben. Gibt es immer."

Eugene Parker, Astrophysiker, emeritierter Professor der University of Chicago, nach ihm ist die Sonde benannt

Venus hilft der Raumsonde beim Flug zur Sonne

Parker Solar Probe

Zum ersten Mal hat die NASA eine Mission nach einer noch lebenden Person benannt: Der Astrophysiker Eugene Parker hat sich bereits in den 1950er-Jahren mit dem Sonnenwind beschäftigt.

Um zur Sonne zu gelangen, ist 55-mal mehr Energie nötig als für einen Flug zum Mars. Das erste Ziel ist die Venus: Um die Sonne zu erreichen, nutzt die Raumsonde die Anziehungskraft der Venus, die sie abbremst. Sieben Swing-by-Manöver um die Venus sind geplant, wodurch sich die Raumsonde immer weiter der Sonne annähert. Voraussichtlich im Dezember 2024 wird Parker Solar Probe ihren sonnennächsten Punkt erreichen. Die Raumsonde soll dann 24 Mal um die Sonne kreisen und sie aus nächster Nähe untersuchen.

"Wir analysieren die Sonne seit Jahrzehnten - jetzt gehen wir direkt dahin, wo die ganze Action stattfindet."

Alex Young, Wissenschaftler, Goddard Space Flight Center

NASA-Video: Warum schmilzt die Raumsonde Parker Solar Probe nicht? (Englisch)

  • NASA startet Sonnen-Sonde Parker Solar Probe: 10.08.2018, 17.05 Uhr, radioWelt, Bayern 2.
  • Ist die Sonne etwas Besonderes? 10.08.2018, 19.15 Uhr, alpha-centauri, ARD-alpha.
  • Superstern Sonne: 25.07.2018, 21.00 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.

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