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Wirtschaftsnobelpreis 2019 Wirtschaftsnobelpreis geht an Armutsforscher

Die drei Ökonomen Esther Duflo, Abhijit Banarjee und Michael Kremer erhalten 2019 den Nobelpreis in der Kategorie Wirtschaft. Deren Arbeit habe die Möglichkeiten erheblich verbessert, weltweit Armut zu bekämpfen heißt es.

Stand: 14.10.2019 | Archiv

Der Wirtschaftsnobelpreis 2019 ging an Abhijit Banarjee, Esther Duflo und Michael Kremer. Ihre Arbeit habe die Möglichkeiten erheblich verbessert, weltweit Armut zu bekämpfen. | Bild: BR/dpa

Der Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an die drei Ökonomen Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt. Weiter heißt es, die Ökonomen würden "für ihren experimentellen Ansatz" geehrt, "globale Armut zu lindern."

Entwicklungsökonomie entscheidend vorangebracht

Das Trio habe in den vergangenen beiden Jahrzehnten die Entwicklungsökonomie mit ihrem auf Experimenten beruhenden Forschungsansatz wesentlich vorangebracht. Ihre Methoden dominieren inzwischen die Entwicklungsökonomie.

Mitte der 1990er-Jahre forschte Kremer laut Nobel-Jury an Mitteln, um Lernergebnisse bei Schülern im Westen Kenias zu verbessern. Sie betrieben Feldstudien, bildeten in den Dörfern verschiedene Gruppen, die unterschiedliche Hilfen erhielten und beobachteten was passiert. Dadurch konnten sie herausfiltern, welche Art von Hilfen tatsächlich wirken und wo finanzielle Maßnahmen nicht sinnvoll sind.

Fokus der Forschungen liegt auf Entwicklungsländern

Der aus Kalkutta stammende Abhijit Banerjee und die französischstämmige Esther Duflo forschten oftmals an der Seite von Michael Kremer an ähnlichen Fragen und in anderen Ländern. Zu den Ergebnissen zählten Verbesserungen für mehr als fünf Millionen indischer Schulkinder sowie Fortschritte in der Gesundheitsversorgung in vielen Ländern.

Damit rücken die Entwicklungsländer wieder mehr in den Fokus und vor allem die Frage, wie man ihnen wirklich helfen kann. Die Bemühungen der Entwicklungshilfe waren in den letzten Jahrzehnten nicht immer sehr erfolgreich. Immer noch ist die Kluft zwischen den armen und den reichen Staaten enorm.

Duflo bekommt als jüngste Person überhaupt den Wirtschaftsnobelpreis

Mit Esther Duflo bekommt erst zum zweiten Mal eine Frau den Wirtschaftsnobelpreis. Zugleich ist sie die jüngste jemals ausgezeichnete Person. Erste Preisträgerin war im Jahr 2009 Elinor Ostrom.

Die Auszeichnung ehre sie unglaublich, erklärte Duflo in einer ersten Reaktion am Montag. Nach eigener Aussage habe sie nicht damit gerechnet, bereits in ihrem Alter den Wirtschaftsnobelpreis zu erhalten, so die 46-Jährige. Sie hätte gedacht, dass man viel älter sein müsse, um sich den Preis zu verdienen. Die Auszeichnung erfülle sie mit Demut, sagte Duflo.

Doch alle Preisträger sind ungewöhnlich jung. Ester Duflo bekommt den Preis zusammen mit ihrem Ehemann, Abhijit Banerjee (58) mit dem sie gemeinsam am MIT in den USA forscht. Michael Kremer (54), hat einen Lehrstuhl in Harvard, der von der Gates-Stiftung gespendet wurde. Erfahrungsgemäß werden Wissenschaftlern aus den USA alljährlich die besten Chancen eingeräumt.

Kein echter Nobelpreis

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften nimmt unter den Nobelpreisen eine Sonderstellung ein: Er wurde erst 1969 zum ersten Mal verliehen. 2009 erhielt erstmals eine Frau diesen Preis. Und bei den männlichen Preisträgern überwiegen deutlich Ökonomen, die an US-Universitäten oder in den Vereinigten Staaten gearbeitet haben. Der Wirtschafts-Nobelpreis ist streng genommen kein echter Nobelpreis, denn er geht nicht auf Alfred Nobels Testament zurück, sondern wurde erst nachträglich von der Schwedischen Reichsbank gestiftet - "in Gedenken an Alfred Nobel". Der Anlass war der 300. Geburtstag der Bank.

Preisträger am Rande und im Anhang

Dem Chemiker und Industriellen Alfred Nobel selbst sollen die Wirtschaftswissenschaften jedoch nie ganz geheuer und deshalb niemals preiswürdig gewesen sein. Jedoch werden die Preisträger wie bei den Nobelpreisen für Physik und Chemie von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften nominiert und auch im Rahmen der gesamten Preisverleihung überreicht. Doch ihre Namen tauchen im Verzeichnis der Nobelpreisträger nur in einem Anhang auf und werden statt auf die Flächen der Nobel-Medaille auf deren Rand eingraviert.

Wirtschafts-Preisträger der vergangenen Jahre

  • 2018: William D. Nordhaus und Paul M. Romer (beide USA) für ihre Theorien zum Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Umweltfolgen sowie technischen Innovationen
  • 2017: Richard H. Thaler (USA) für die Begründung der Verhaltensökonomie
  • 2016: Oliver Hart (Großbritannien) und Bengt Holmström (Finnland) für ihre Forschungsarbeiten zur Vertragstheorie im Wirtschaftsleben
  • 2015:Angus Deaton (Schottland) für seine bahnbrechenden Arbeiten über Konsum, Armut, Ungleichheit und Gesundheit
  • 2014: Jean Tirole (Frankreich) für seine Arbeiten zu den Themen Marktmacht und Regulierung, vom "Zähmen mächtiger Firmen"
  • 2013: Eugene F. Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller (alle USA) für ihre empirischen Analysen von Aktienkursen
  • 2012: Die Spieltheoretiker Alvin E. Roth (USA) und Lloyd S. Shapley (USA) für ihre grundlegenden Erkennisse, wie verschiedene wirtschaftliche Akteure optimal für alle zusammenkommen.
  • 2011: Thomas Sargent und Christopher Sims für ihre empirische Untersuchung von Ursache und Wirkung in der Makroökonomie
  • 2010: P. Diamond, D. Mortensen, C. Pissarides: für ihre Such-Theorie für Märkte wie den Arbeitsmarkt
  • 2009: Elinor Ostrom, Oliver Eaton Williamson, USA: für ihre Studien über eine konfliktfreie Organisation der Märkte
  • 2008: Paul Krugman, USA: für seine Studien als Handelstheoretiker
  • 2007: Leonid Hurwicz, Eric Maskin, Rober Myerson, alle USA: für die Entwicklung der Theorie des Mechanism Design
  • 2006: Edmund Phelps, USA: für die Erforschung des Zusammenhangs von Preisentwicklung und Arbeitsmarkt
  • 2005: Robert Aumann, Israel und USA, Thomas Schelling, USA: für die Weiterentwicklung der Spieltheorie auf Konfliktsituationen
  • 2004: Finn Kydland, Norwegen, Edward Prescott, USA: für ihren Beitrag zur dynamischen Makroökonomie
  • 2003: Robert Engle, USA, Clive Granger, Großbritannien: für Methoden zur Analyse ökonomischer Zeitreihen
  • 2002: Daniel Kahneman, USA und Israel, Vernon Smith, USA: für die Einführung psychologischer Herangehensweisen in die Wirtschaftswissenschaft
  • 2001: George Akerlof, Michal Spence, Joseph Stiglitz, alle USA: für ihre Analyse von Märkten asymmetrischer Information

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