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Eis und Schnee Glitzernder Zauber oder weiße Gefahr

Ohne Schnee - kein Winter, der Meinung sind in unseren Breiten viele. Dabei ist die weiße Pracht gar nicht wirklich weiß und Schnee auch nur ein Niederschlag wie Graupel. Zudem kann Schnee auch durchaus gefährlich werden.

Stand: 14.10.2016

Fernsicht bei Schnee auf dem Ochsenkopf | Bild: picture-alliance/dpa

Schnee kommt von ganz oben, denn er bildet sich in großer Höhe in den Wolken. Erst, wenn es in der Wolke wärmer als etwa -10° Celsius wird, verdichten sich die Wassertropfen und es bilden sich Schneekristalle, die immer weiter wachsen – bis sie so schwer sind, dass sie zu Boden fallen. Ob bei uns Schnee ankommt, hängt von den Temperaturen der Luftschichten ab, die die ursprüngliche Flocke durchqueren muss. Selbst im Sommer bilden die Wolken in unseren Breitengraden zunächst Schnee, der die Wolken verlässt. Auf seinem Weg Richtung Boden verwandelt er sich aber meistens in Regen, Graupel oder Hagel.

Niederschlagsarten

Niederschlag

Von Niederschlägen sprechen Meteorologen bei jeder Form von Wasser, egal ob flüssig (Regen) oder fest (Schnee), die aus der Atmosphäre kommt und auf dem Erdboden beobachtet und gemessen werden kann. Unterschieden wird dabei zwischen:


- fallenden Niederschlägen wie Schnee und
- aufgewirbelten wie Schneetreiben oder
- abgelagerten wie Schneedecken.
Fallende Niederschläge sind alle, die aus Wasser sind und aus Wolken stammen.

Regen

Tropfen, die einen Durchmesser von 0,5 Millimetern oder mehr haben, bezeichnet man als Regen. Er entsteht in Mischwolken, die sich zwischen -10° Celsius und -35° Celsius bilden. So bringen Nimbostratus- oder Altostratuswolken üblicherweise Dauerregen, bei Cumulus congestus oder Comulunimbus gibt es Regenschauer. Je nach Entstehung, Dauer und Wirkung wird zwischen verschiedenen Arten von Regen unterschieden: Sprühregen, Regen, Dauerregen und so weiter.

Niesel- oder Sprühregen

Gleichförmig, fein, dicht und flüssig - das sind die Eigenschaften von Niesel- oder Sprühregen. Seine Tropfen sind kleiner als bei "normalem" Regen: Sie haben einen Durchmesser der kleiner ist als 0,5 Millimeter.
Sprühregen entspringt den Stratuswolken und entwickelt sich auch bei Nebel. Und wie Nebel sorgt auch der feine Regen für eine eingeschränkte Sichtweite.

Schnee

Schneeflocken auf dem Ast

Schnee besteht aus verzweigten Eiskristallen, die alle einzigartig sind und normalerweise die Form von sechseckigen Plättchen, Säulen oder Sternchen haben. Welche Form entsteht, hängt von der Temperatur und vom Sättigungsgrad des Wasserdampfes in der Wolke ab. Schnee fällt normalerweise aus Nimbostratuswolken, aus Altostratus und Stratocumulus. Cumlonimbus-Wolken bringen Schneeschauer.
Bei Temperaturen um 0° Celsius fallen große, lockere Flocken aus zusammengeketteten Kristallen. Wird es kälter bilden sich Schneesternchen, Eisplättchen oder Eisnadeln.

Graupel

Als Graupel bezeichnet man einen festen Niederschlag aus kleinen, unregelmäßig geformten, gefrorenen Körnchen. Sie haben einen Durchmesser von zwei bis fünf Millimeter - sind sie größer, werden sie dem Hagel zugerechnet.
Graupel entsteht aus Eis- und Schneekristallen, beziehungsweise Schneeflocken, die in Aufwindzonen mit angefrorenen Regentropfen zu Körnchen verklumpen. Graupel entsteht in Cumulonimbuswolken.

Hagel

Beihnahe so groß wie ein Golfball. Hagelkörner, die im Juni 2012 in Baden-Württemberg zu bestaunen waren.

Setzt sich immer mehr gefrierendes Wasser an Graupelkörner ab, sodass sie einen Durchmesser von mindestens fünf Millimetern erreichen, werden sie zu Hagelkörnern gezählt. Damit sich Hagel bilden kann, sind in den Cumulonimbuswolken starke Auf- und Abwinde nötig. Durch diese werden unterkühltes Wasser und Eiskristalle durcheinander gewirbelt. Stoßen sie zusammen, verklumpen sie und lagern immer mehr Wasser und Eiskristalle an. So haben Hagelkörner auch verschieden gefrorene Schichten und fallen schließlich als Hagel aus den Wolken.

Schneeflocken - echte Unikate

Jede Flocke ­ ein Einzelstück

Faszinierend und filigran sind Schneeflocken, wenn man sie genau betrachtet. Jede Einzelne ist ein Unikat aus Schneesternen und Fragmenten von Schneekristallen - nur ihre Grundstruktur ist immer sechseckig. Je nach Wolkentemperatur entstehen aus Eiskeimen die Prismen, Säulen, Plättchen und Verästelungen, sogenannte Dendriten. Ab minus zwei Grad Celsius fallen kleine Flocken, ist es wärmer, entstehen größere.

Bizarre, vergängliche Kunst: Eisblumen

Kunstvolle Vergänglichkeit

Vor allem, wer noch keine gut isolierten Fenster hat, darf sich über sie bei frostigen Temperaturen freuen: die Eisblumen. Damit sie wachsen, müssen draußen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt (0° Celsius) herrschen und innen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Zudem braucht man schlecht gedämmte Fenster und Staubpartikel oder Kratzer an den Scheiben. Dann kann der Wasserdampf der Luft sich direkt in Eiskristalle umwandeln und die wundervollen, einzigartigen Eisgewächse können die Scheibe verzieren.

Wenn die weiße Pracht zur Gefahr wird

Schnee wird nach seinen jeweils spezifischen Eigenschaften eingeteilt: in Trockenschnee- und Nassschneearten. Zu Trockenschnee zählen zum Beispiel Pulverschnee, Mehlschnee oder Harsch. Nassschneearten sind Pappschnee oder Firn. Die Bergwacht beobachtet ab dem ersten Schneefall unter welchen meteorologischen Bedingungen, welcher Schnee fällt. Davon hängt ab, wie wahrscheinlich zum Beispiel Lawinenabgänge sind. Haben sich nach öfterem Schneefall mehrere Schneeschichten aufeinander gelegt, die nicht stabil miteinander verbunden sind, so erhöht sich diese Gefahr.

Die weiße Pracht - ein Trugschluss?

Wir erliegen übrigens nicht nur einem Trugschluss, wenn wir die Gefahren des Schnees unterschätzen. Wir liegen auch falsch, wenn wir glauben, der Schnee sei weiß. Denn, dass uns die Flockenpracht weiß erscheint, ist eine optische Täuschung. Die kleinen Kristalle aus Luft und Wasser sind schlichtweg durchsichtig. Da sie das Licht jedoch millionenfach reflektieren und brechen, erstrahlt der Schnee weiß. Dieser Trugschluss passt auch gut zu unserem Gefühl, dass Weihnachten immer weiß sein muss. Denn tatsächlich hat das typische Wetter um Weihnachten in unseren Gefilden einen eigenen Namen und der heißt: Weihnachtstauwetter.


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