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Fühler zur Welt Die aufregende Welt des Hörens

Der Hörsinn ist der differenzierteste unserer Sinne. Bereits vor der Geburt ist er so ausgebildet, dass der Embryo Stimmen wahrnehmen kann. Später kann ein Mensch bis zu zwanzig einzelne akustische Signale pro Sekunde unterscheiden.

Stand: 08.12.2017

Das Hören ist der erste Sinn, mit dem der ungeborene Mensch seine Umwelt wahrnimmt. Bereits eine Woche nach der Befruchtung der weiblichen Eizelle können mithilfe eines Mikroskops kleine Ansätze der Ohrenbildung am Embryo festgestellt werden.

Die erste Sinneswahrnehmung

Bereits vor der Geburt hört der Mensch.

Etwa ab der 22. Schwangerschaftswoche funktioniert der Hörsinn, nimmt Töne auf und unterscheidet Stimmen. Etwas Besonderes ist die Stimme der Mutter: Sie wirkt beruhigend auf das Kind. Die Fähigkeit, musikalische Grundstrukturen wie Tonhöhe, Rhythmus und Klangfarbe zu erkennen, bringen Babys bei der Geburt ins Leben mit.

Was im Ohr passiert

3. März: Welttag des Hörens

Am 3. März findet jedes Jahr der Welttag des Hörens statt. Er soll weltweit auf die Bedeutung des guten Hörens und den Schutz des Hörsinns hinweisen. Bundesweit finden zum Welttag des Hörens zahlreiche Aktionen statt.

Vom leisen Rascheln, wenn der Wind mit den Blättern spielt, bis zum Violinkonzert von Mozart - damit wir Schall als Geräusch wahrnehmen können, müssen feinste Knöchelchen, Haar- und Nervenzellen reibungslos zusammenarbeiten.

Hören mit Hammer und Amboss

Grafik des menschlichen Ohrs

Aufgenommen werden die Schallwellen durch die Ohrmuschel, die sie bis zum Mittelohr leitet. Dort stoßen sie auf das Trommelfell, das die Schwingung an Hammer, Amboss und Steigbügel überträgt. Von dort geht der Impuls in die mit Flüssigkeit gefüllte Gehörschnecke. Wasser leitet Schall viel klarer als Luft. Die Flüssigkeit wird zusammengepresst und wandert als Welle bis in die Schneckenspitze. Dort erregt sie Tausende kleiner Härchen, die sich etwa 20.000 Mal pro Sekunde bewegen. Die Haarzellen wandeln die Wellen in elektrische Impulse um und geben sie an den Hörnerv und schließlich ans Gehirn weiter.

Die Verarbeitung im Gehirn

Das Gehirn identifiziert und interpretiert diese Sinneseindrücke. Es vergleicht mit bereits gehörten Geräuschen und deren Bedeutung. Im Laufe des Lebens lernen wir ständig, Gehörtes einzuordnen und dessen Bedeutung zu begreifen. Durch Schall können wir zum Beispiel Entfernungen abschätzen, uns in unserer Umwelt orientieren. Nicht alle Schall-Informationen dringen in unser Bewusstsein, denn das Gehirn filtert Geräusche heraus, die es für unwichtig hält.

Rechtes Ohr hört besser als das Linke

Wenn viele Höreindrucke auf einmal auf uns einprasseln, dann hören wir mit dem rechten Ohr überraschenderweise besser als mit dem linken. Das liegt laut Forschern aus den USA daran, dass alles, was vom rechten Ohr in unser Gehirn geleitet wird, in der linken Hirnhälfte landet. Dort sind unter anderem die Zentren für Sprache und Erinnerungsvermögen untergebracht. So können die Impulse besser verarbeitet werden. Besonders auffällig ist dieses Phänomen bei Kindern bis 13 Jahren, aber auch Erwachsene fällt das in sehr schwierigen Hörsituationen mit dem rechten Ohr leichter.

Zum Sprechen lernen braucht man Ohren

Nur wenn Eltern mit ihrem Kind reden, kann es sprechen lernen.

Für das Sprechen brauchen wir auch die Ohren, um uns und die anderen hören zu können - und um das Sprechen zu erlernen. Taub geborene Menschen verständigen sich aus diesem Grund mit der Gebärdensprache. Doch das hochsensible und stets aufnahmebereite Gehör wird durch zu viel Lärm und Dauerbelastung überstrapaziert. Das führt häufig schon zu Hörverlusten auch bei jungen Menschen.

Was ist wie laut?

Mit dem menschlichen Ohr können wir Lautstärken von 10 bis 140 Dezibel wahrnehmen. Eine Kreissäge liegt bei 100 Dezibel. Bereits ab 120 Dezibel tut es in den Ohren weh. Ein Flugzeugstart erzeugt rund 130 Dezibel. Ein Raketenstart aus unmittelbarer Nähe kommt auf 180 Dezibel und würde das Ohr schädigen.

Ohren sind verletzlich

Dauerhafter Lärm richtet auch bei jungen Menschen Schaden an.

Hörschäden sind heute deshalb keine Seltenheit mehr. Bei einem Drittel aller 20-Jährigen diagnostizieren Mediziner bereits erhebliche Hörminderungen im Frequenzbereich der Sprache und der Musik. Oft wären diese Schäden vermeidbar gewesen. Denn was viele ihren Ohren zumuten, können diese auf Dauer nicht verkraften. Nicht selten kommt die Lautstärke in Clubs nahe an die Schmerzgrenze von 120 Dezibel heran. Aber auch die Geräuschkulisse durch den Alltagslärm, die sich nicht einfach ausschalten lässt, kann uns krank machen. Mediziner machen ständige Lärmbelastung, etwa durch Straßen- oder Schienenlärm, für Konzentrationsstörungen, Nervosität, Schlafstörungen und letztlich auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich.

  • "Das Ohr - Wie Hören unser Leben prägt": am 26. Mai 2017, um 9.05 Uhr, in radioWissen, Bayern2

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