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Größter Saurier entdeckt 40 Meter lang und 80 Tonnen schwer

So lang wie zwei Lkws mit Anhänger, schwer wie 14 afrikanische Elefanten und sieben Stockwerke hoch: In Argentinien wurde eine Dinosaurierart entdeckt, die nach Angaben der Forscher die größte bislang bekannte sein könnte.

Stand: 19.05.2014

In Argentinien haben Forscher möglicherweise die größte Dinosaurierart entdeckt, die je auf der Erde gelebt hat. 40 Meter lang und 80 Tonnen schwer könnte der Pflanzenfresser gewesen sein, der vor 95 Millionen Jahren durch Patagonien stapfte. Wenn er seinen Hals reckte, konnte er wahrscheinlich noch Blätter in 20 Metern Höhe abrupfen. Der Gigant gehört einer bislang unbekannten Art an und zählt zur Familie der Titanosaurier, die gegen Ende der Kreidezeit lebten und weltweit verbreitet waren.

Oberschenkelknochen misst 2,40 Meter

Um das Gewicht und die Größe des Sauriers zu kalkulieren, vermaßen die Forscher die gefundenen Knochen. Gerade auf dem Oberschenkelknochen lastete ein Großteil des tonnenschweren Körpers. Je größer der Umfang und je länger die gefundenen Knochen, desto schwerer und größer war der Dinosaurier. "Wir haben einen Knochen von einem weiblichen Exemplar gefunden, der 2,40 Meter misst", berichtet Rubén Cúneo, der Direktor des für die Ausgrabung zuständigen Paläontologischen Museums Egidio Feruglio in Trelew. Cúneo ist von dem Dinosaurier-Fund begeistert: "Das ist das größte bisher bekannte Exemplar. Und es gibt ganz selten solche Fälle, bei denen die Knochen so gut erhalten sind."

"Das ist ein wahrer paläontologischer Schatz."

José Luis Carballido, Grabungsleiter

Friedhof und Festplatz für Dinosaurier

Museumsdirektor Rubén Cúneo sitzt vor einem Dinosaurier-Knochen.

Rund 260 Kilometer südwestlich von Trelew, nahe des Ortes El Sombrero in der Provinz Chubut, wurden bislang rund 200 Knochen und Knochenreste entdeckt. Sie gehörten nicht nur einem einzelnen Dinosaurier, sondern mindestens sieben Tieren. "Wir haben keine Knochen von Jungsauriern gefunden, sondern nur von ausgewachsenen, älteren Exemplaren", erklärt Rubén Cúneo. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Dinosaurier an diese Stelle gekommen waren, um zu sterben. Oder, dass sie sich bei Dürre hier an einem Wasserloch sammelten. "Vielleicht sind einige verdurstet oder im Schlamm stecken geblieben." Egal, aus welchem Grund die Pflanzenfresser vor 95 Millionen Jahren hierher kamen, für die fleischfressenden Saurier der Gattung Tyrannotitan muss es ein Fest gewesen sein: Sie labten sich an deren Überresten, was die mehr als 60 ausgebissenen Zähne am Fundort belegen.

Erst ein Fünftel geborgen

Die gefundenen Dinosaurier-Knochen sind riesig: 2,40 Meter misst der längste.

Entdeckt wurde der Dinosaurierfriedhof 2011. Ein Arbeiter fand einen riesigen Knochen und informierte das Paläontologische Museum Egidio Feruglio. Bislang ist rund ein Fünftel der Fossilien geborgen. Die Grabungen werden vermutlich noch zwei Jahre dauern. "Dann wollen wir dort einen Park errichten", sagt Cúneo. Für die Region Patagonien könnte sich der Fund dann auch wirtschaftlich lohnen. Wie spektakulär die Entdeckung tatsächlich ist, das wird in einigen Monaten die wissenschaftliche Publikation des Ausgrabungsleiters José Luis Carballido zeigen. "Sie wird in zwei bis drei Monaten, ganz bestimmt aber noch in diesem Jahr an die Wissenschaftszeitschrift 'Nature' weitergeleitet", erzählt Cúneo. Darin wird der Fund dann genauer beschrieben und eingeordnet.

Deutscher Experte ist vorsichtig

Dinosaurier-Experte Oliver Wings warnt vor übertriebenen Spekulationen.

Oliver Wings ist Geologe und Paläontologe, er arbeitet am Berliner Museum für Naturkunde und am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover. Auf fünf Kontinenten hat er schon Dinosaurier-Reste ausgegraben, auch in Patagonien. Er bewertet die Funde mit Vorsicht: "Der Fund ist sehr schön, es sind viele Knochen da, aber die Länge ist geschätzt. Es ist problematisch, aus einzelnen, wissenschaftlich unbearbeiteten Knochen auf Größe und Gewicht einer Art zu schließen. Ich denke, 80 Tonnen ist eher hoch angesetzt. Ich halte 50 bis 60 Tonnen für das maximal mögliche Gewicht." In jedem Fall sei das in der obersten Liga, was die Größe bekannter Dinosaurier angeht. "Ob das jetzt der Allergrößte ist, muss sich durch gründliche Forschung herausstellen. Man muss abwarten, bis die Publikation in einer Fachzeitschrift erscheint."


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