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Bär Wenn Bären als Besucher nach Bayern kommen

Nur einmal hat der Braunbär bislang versucht, seine alte Heimat Bayern wieder zu erobern. Für Bruno, alias JJ1, endete der Besuch tödlich. Im Jahr 2006 wurde das Tier erschossen. Wann kommt der nächste Bär nach Bayern?

Stand: 24.09.2019

Bären hatten es schon immer schwer bei uns. Die Angst des Menschen vor dem imposanten Wildtier war größer als die Verehrung, die sich zum Beispiel in Wappen widerspiegelt. Diese Angst, aber auch die Jagdleidenschaft des Menschen, führten zu einer erbarmungslosen Verfolgungsjagd. Erschwerend kam für den Bären hinzu, dass durch Zersiedlung und Kultivierung in unserer Landschaft immer weniger Platz für ihn war. Im Jahr 1835 wurde dann im oberbayerischen Ruhpolding der letzte Bär in Deutschland erschossen. Rund 50 Jahre später ging es übrigens auch den Wölfen an den Kragen. Bis zum Jahr 2006 war Bayern bärenfrei, dann kam Bruno:

Braunbär Bruno sorgt 2006 für Aufruhr

2006 tauchte zum ersten Mal wieder ein Bär in Bayern auf, gut 170 Jahre nach dem Abschuss des letzten Bären. Bruno alias JJ1 tappte aus Italien herüber - und sorgte gleich für viel Aufregung: Am 20. Mai 2006 wurde der Braunbär erstmals in Bayern gesichtet und zeigte wenig Menschenscheu. Was dann folgte, zeigt, dass Bayern nicht auf einen Bären-Besuch eingerichtet war. Nach vergeblichen Fangversuchen wurde Braunbär Bruno am 26. Juni 2006 abgeschossen. Seither gilt der Braunbär in Deutschland wieder als ausgestorben.

Brunos kurzer Besuch in Bayern

Bruno taucht auf

Braunbär Bruno

Im Mai 2006 taucht Bruno erstmals auf. Noch nicht persönlich, doch mit markanten Spuren: Zwei tote Schafe im österreichischen Vorarlberg sind der erste Hinweis auf den Braunbären. Am 17. Mai wird er erstmals gesichtet - im Tiroler Lechtal unweit der deutschen Grenze. Zu dem Zeitpunkt ist der damalige bayerische Umweltminister Werner Schnappauf noch zuversichtlich: "Der Bär ist in Bayern willkommen", erklärt er.

Erster Bär wieder in Bayern

Am 20. Mai 2006 überschreitet Bruno Bayerns Grenzen und hinterlässt eine blutige Spur: Zwei Schafe reißt er am 20. Mai, drei am folgenden Tag, zwei weitere plus ein paar Hühner am dritten Tag in Bayern.

"Der normal verhaltende Bär lebt im Wald, geht niemals raus und reißt vielleicht ein bis zwei Schafe im Jahr ... Wir haben dann einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden Bär, dem Schadbär und dem Problembär. Und es ist ganz klar, dass dieser Bär ein Problembär ist." Edmund Stoiber (CSU), damaliger Ministerpräsident Bayerns

Zu wenig scheu

Ein Opfer Brunos

Auch wenn "Problembär" nicht der offiziellen Kategorisierung im Landesumweltamt entspricht, Bruno macht Probleme. Dabei geht es aber nicht nur um ein paar Schafe. Was den bayerischen Behörden viel mehr Sorge macht, ist Brunos offenkundig fehlende Scheu: Das Wildtier zögert nicht, menschlichen Siedlungen nahe zu kommen, und zeigt damit ein für Braunbären auffallendes Verhalten. Das bayerische Umweltministerium gibt Bruno zum Abschuss frei.

Schlaubär oder gefährlicher Sonderling?

Bärenmama Jurka

In den folgenden Wochen streift Bruno auf weiten Wegen durch das bayerisch-österreichische Grenzgebiet, vernascht Bienenstöcke und reißt weitere Schafe. Finnische Bärenhunde werden eingesetzt, um den Streuner zu finden. Mittels Genanalyse von Haarbüscheln kann der Braunbär identifiziert werden: Der zwei Jahre alte "JJ1" stammt offenbar aus einer "Problemfamilie" in Südtirol: Seine Mutter Jurka wird 2007 als zu wenig menschenscheu gefangen und in einen Wildpark im Schwarzwald gebracht.

Wochenlange Jagd auf Bruno

Finnische Hunde auf der Suche nach Bruno

Garmisch-Partenkirchen, Lautersee, Scharnitz, Innsbruck, Imst und ab ins Karwendel - wochenlang jagen bayerische und österreichische Behörden, Jäger und finnische Hunde hinter Bruno her. Anfangs stecken in einigen Gewehrläufen noch Betäubungsmittel. Der WWF versucht, den Braunbären mit einer Lebendfalle zu fangen.

Bär beim Stadtbummel

Auf Kaninchenjagd

Mitte Juni spaziert Bruno mitten durch Kochel am See und bricht dort einen Kaninchenstall auf, ein paar Tage später marschiert der Bär durch Maurach am Achensee. Immer wieder bekommen Spaziergänger und Radfahrer das Wildtier zu Gesicht. Allen Protesten von Umweltschützern zum Trotz erteilt Bayern am 23. Juni 2006 erneut eine Abschussgenehmigung, Österreich ein paar Tage darauf.

26. Juni 2006: Bruno wird erschossen

Am 24. Juni nimmt Bruno ein Bad im Soinsee im Mangfallgebirge bei Bayrischzell. Doch zwei Tage später ist der Braunbär tot: In der Nacht zum 26. Juni 2006 wird Braunbär Bruno in der Nähe des Spitzingsees von Jägern erschossen. Sein Kadaver wird danach zunächst eingefroren - und sorgt für neuen Streit: Italien fordert den toten Bruno zurück, schließlich stamme er ja aus dem Trentino.

Lebender Mensch, ausgestopfte Natur

Doch seine letzte Heimat bekommt Bruno dann doch in Bayern: Ausgestopft steht er im Münchner "Museum Mensch und Natur".

Wann kommt der nächste Bär nach Bayern?

Theoretisch kann jederzeit wieder ein Braunbär nach Bayern kommen. Erst im Juni 2019 tappte in Tirol nahe der deutschen Grenze wieder ein Bär in eine Fotofalle. Während Weibchen eher sesshaft sind, wandern vor allem junge Männchen weite Strecken. Einzelne Tiere kommen aus dem 120 Kilometer entfernten Trentino, Italien, oder Slowenien immer wieder in die Nähe unserer Grenzen. Im unmittelbaren Umfeld Bayerns leben derzeit aber keine Bären.

Verbreitungsgebiete des Braunbären in Europa

Bären in Österreich

Tatzenabdruck eines Bären

Österreich versucht seit Jahrzehnten, dem Braunbär wieder eine Heimat zu sein. 1972 wanderte ein Bär aus dem damaligen Jugoslawien ein und siedelte sich in der Ötscherregion an. 1989 wurde ihm ein Weibchen aus Kroatien zugesellt - mit Erfolg: Über mehrere Jahre hinweg entstand eine kleine heimische Bärenpopulation von etwa 25 bis 30 Tieren. Doch seit August 2010 ist der kleine Bärenbestand wieder verschwunden. In Kärnten werden lediglich pro Jahr zwei bis vier männliche nicht-heimische Bären nachgewiesen. Meist handelt es sich um wandernde Individuen aus Italien oder Slowenien.

Wo Bären Platz finden

Im italienischen Trentino lebt eine kleine Gruppe von etwa 50 Bären, eine weitere Bärenpopulation ist im Abruzzen-Nationalpark bekannt. In den französischen Pyrenäen kommen vereinzelte Braunbären vor, ebenso in Spanien. Einige hundert Tiere leben in den skandinavischen Ländern.

Im Osten Europas konnten die Bären Fuß fassen: Einige tausend Bären streifen durch Rumänien, und Russland bietet weit über 100.000 Braunbären Platz. Doch auch dort scheinen die Zahlen rückläufig zu sein. Weltweit gibt es so wenig Braunbären, dass die Art bedroht ist und unter strengem Schutz steht - auch bei uns.

Wildtiermanagement - Für den Bäreneinzug gewappnet

Bruno war wohl nicht der letzte Bär, der seine Tatze auf bayerischen Boden gesetzt hat. Platz genug gäbe es: Die Alpenregionen Bayerns, Österreichs, Italiens und der Schweiz bieten über tausend Braunbären Platz, zeigen Studien von Tierschützern. Jedoch nur, wenn auch die menschlichen Alpenbewohner mit dem neuen Nachbarn auskommen. Bruno sorgte zumindest für ein erstes Umdenken: Ein Wildtiermanagement soll seither dafür sorgen, dass der Bär - wie auch Wolf und Luchs - in Zukunft Bayern gefahrlos betreten kann. Gefahrlos für ihn und uns.

Für ein länderübergreifendes Wildtiermanagement gibt es die Alpenkonvention, der acht Länder beigetreten sind: Deutschland, Österreich, die Schweiz, Slowenien, Frankreich, Italien, Liechtenstein und Monaco.

Managementplan Braunbären in Bayern - Stufe 1

Der Bärenmanagementplan soll allen helfen: dem Bären und den Menschen

Der Bärenmanagementplan regelt den Umgang mit Bären in Bayern. Darin werden Bären nach ihren Verhaltensweisen in verschiedene Kategorien eingeteilt. Ein Stufenplan regelt den Umgang mit auffällig gewordenen Bären. Auch der Abschuss ist als letzte Maßnahme im Plan vorgesehen. Weitere Themen des Bärenmanagementplans sind die Gestaltung des Monitorings, die Einrichtung des "Wildtierfonds", Projekte der Öffentlichkeitsarbeit und die Verteilung von Zuständigkeiten sowie Verhaltensregeln bei Kontakt mit einem Bären.

Weitere Informationen zu Braunbären:

Im Nationalpark Bayerischer Wald kann man Braunbären aus der Nähe sehen.

Sie möchten Bären einmal aus der Nähe sehen? Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es regelmäßig Führungen im Tierfreigehege und geführte Touren durch einen abwechslungsreichen Bergmischwald - auf den Spuren des Bären.

Der Bund Naturschutz bietet Wildniscamps in verschiedenen Nationalparks an, unter anderem auch ein Bärencamp für Jugendliche.

  • "Der nächste Bär kommt bestimmt": am 25. Juni.2016 um 8.05 Uhr in "Bayerisches Feuilleton", Bayern 2
  • "10 Jahre Bruno - Problembär mit tragischem Ende": am 19. Juni 2016 um 17.45 Uhr in "Schwaben & Altbayern", BR Fernsehen

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