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Astro-Alex auf der ISS

Alexander Gerst und die Mission Horizons Astro-Alex auf der ISS

Stand: 11.06.2018

Seit dem 8. Juni ist Alexander Gerst an Bord der Internationalen Raumstation. Um 15:01 Uhr dockte die Sojus-Raumkapsel an der ISS an. Zwei Stunden später, um 17:17 Uhr, öffnete sich die Einstiegsluke. Die Besatzung der ISS begrüßte die Neuankömmlinge - in Hawaiihemden.

Zwei Tage dauerte die Reise von Alexander Gerst zur Internationale Raumstation ISS. Dann stiegen Gerst und seine Begleiter von der Sojus-Kapel in die Raumstation um. Bald darauf nahm Gerst über der Erde die Arbeit an seinen Experimente auf - die Mission Horizons konnte beginnen.

Bild für Bild mit Alexander Gerst zur ISS

34-mal um die Erde zur Raumstation

Bei ihrem Flug zur ISS kreiste die Sojus-Raumkapsel mit einer Geschwindigkeit von knapp acht Kilometern pro Sekunde um die Erde. Bei jeder der insgesamt 34 Erdumrundungen gewann die Kapsel an Höhe, bis sie die Umlaufbahn der ISS in etwa 400 Kilometer Höhe erreicht hatte.

So funktioniert das Andockmanöver

Die Sojus-Kapsel im Anflug auf die ISS

Das Andockmanöver der Raumkapsel an die ISS läuft automatisch ab, wird aber von der Sojus-Besatzung mit Hilfe eines Monitors überwacht. Je näher die Raumstation heranrückt, desto stärker verringert die Sojus ihre Geschwindigkeit. Aus dem Raumschiff gleitet schließlich ein Drehstab in das Dockingmodul der ISS und zieht die Sojus immer näher heran. Bolzen und Haken sorgen für die sichere, endgültige Verbindung. Erst nachdem der Druckausgleich zwischen Sojus und ISS hergestellt ist, können die Astronauten die Luke zur Raumstation öffnen und zu den dort wartenden Kollegen an Bord schweben. Allein der Druckausgleich nimmt ein bis zwei Stunden in Anspruch.

Bilderbuchstart in Baikonur

Pünktlich um 13:12 Uhr MESZ startete Alexander Gerst am 6. Juni vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur ins All. Der deutsche Astronaut flog an Bord einer Sojus-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation (ISS), zusammen mit der US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor und dem russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew. Am 8. Juni um 15.01 Uhr dockte die Raumkapsel an die ISS an. Dort erwarteteten sie die US-Astronauten Andrew Feustel und Richard Arnold sowie der Kosmonaut Oleg Artjemjew.

Astro-Alex strahlt und winkt

Am Morgen des Starttages strahlte "Astro-Alex" beim Verlassen des Kosmonautenhotels und winkte in seinem blauen Overall in die Menge. Nach dem Wecken konnte er ein letztes Mal alltägliche Dinge auf der Erde genießen: "Eben aufgestanden und zum letzten Mal in 6 Monaten geduscht", twitterte er. Zum Frühstück gab es demnach Kascha, eine Art Grütze zum Beispiel mit Buchweizen oder Haferflocken. Vom Hotel fuhren die Astronauten zum Weltraumbahnhof. Dort schlüpften sie in ihre Reise-Raumanzüge und sahen - getrennt durch eine Glasscheibe - noch einmal ihre Familien. Danach ging es im Bus zur Startrampe. Um kurz vor elf Uhr MESZ zwängten sich die drei in die Sojus-Kapsel auf der Rakete. Bis zum Start folgten Sicherheits-Checks.

Quarantäne in Baikonur

Gersts Musikwahl für die Rampe

Das sind die Musiktitel, die sich Alexander Gerst für den Start gewünscht hatte:

  • Captain Future Theme
  • Castle in the snow (The Avener)
  • Die Mensch-Maschine (Kraftwerk)
  • When You Go Forward (Triangle Sun)
  • Astronaut (Sido / Andreas Bourani)
  • Five Minutes (Her)
  • This morning there (Hannes Wader)
  • Destiny (Zero 7)
  • Sunny Road (Emiliana Torrini)

Die Astronauten waren, seit sie das Training im Sternenstädtchen bei Moskau Mitte Mai abgeschlossen hatten, in Baikonur, wo sich der russische Weltraumbahnhof befindet. Wie alle Astronauten und Kosmonauten verbrachten sie die letzten Tage vor dem Start in Quarantäne, damit sie keine Infektionen mit auf die Station nehmen. Bis zum Start hatten die Astronauten noch alle Hände voll zu tun: Training in der Raumkapsel, ein Fitnessprogramm, tägliche medizinische Tests, Kontrollen der Raketensysteme und andere Vorbereitungen für den Start. Und natürlich: einen Baum pflanzen und die jeweilige Landesfahne hissen, das ist Tradition in Baikonur.

Tradition in Baikonur: der vorerst letzte Austritt

Eine weitere Tradition ist ein vorerst letzter Austritt vor dem Start: Auf dem Weg zur Startrampe ist es Brauch, an einen der Reifen des Busses zu urinieren. Angeblich geht dies auf Raumfahrtpionier Juri Gagarin zurück, der bei seinem historischen Flug 1961 keinen Harndrang riskieren wollte. Heute wäre dies nicht mehr nötig, denn die Raumfahrer tragen Windeln unter ihrem Anzug.

Was liegt hinter dem Horizont?

Ein gut gelaunter Alexander Gerst bei der Pressekonferenz in Moskau

Horizons (Horizonte) ist der Name der zweiten Mission von Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation. Er reiste an Bord einer Raumkapsel vom Typ Sojus MS-09 dorthin. Das Kommando auf dem Flug zur ISS hatte der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew, Gerst war Copilot. Drittes Crew-Mitglied war die US-amerikanische NASA-Astronautin Serena Auñón-Chancellor.

"Horizonte stehen für mich für das Unbekannte. Wenn ich einen Horizont sehe, frage ich mich als Erstes: Was liegt dahinter? Deshalb betreiben wir Wissenschaft auf der ISS. Wir wollen unseren Horizont erweitern."

Alexander Gerst

Essens-Auswahl für die ISS

Weil Alexander Gerst im Jahr 2014 schon einmal auf der ISS war, hat der Astronaut wichtige Erfahrungen im Gepäck, die ihm für die zweite Reise von Vorteil sind. Und nicht immer sind sie rein technischer Natur:

"Die Frage des Essens wird wirklich unterschätzt, solange man noch am Boden ist. Aber nach einem Monat auf der ISS ist es Dir nicht mehr egal - und wenn Du die falschen Entscheidungen getroffen hast, dann werden die verbleibenden fünf Monate hart!"

Alexander Gerst

Kosmonauten-Training im Sternenstädtchen

Erster deutscher ISS-Kommandant

Das Logo der zweiten ISS-Mission von Alexander Gerst: Horizons

Die Horizons-Mission von Alexander Gerst soll bis Ende Oktober 2018 dauern. Während der zweiten Hälfte seines Aufenthalts wird er das Kommando an Bord der Internationalen Raumstation übernehmen. Damit wird er der erste deutsche und der zweite europäische Kommandant der ISS sein. Gerst wird aber auch in den ersten drei Monaten seiner Mission auf der ISS genug zu tun haben.

Deutsche Universitäten, Forschungseinrichtungen und Firmen sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR steuern rund 40 Experimente zur Mission Horizons bei. Die Versuche sollen Fragen aus Biologie und Medizin beantworten. Weitere Wissenschaftsgebiete sind (Astro-)Physik, Materialwissenschaft und Technologie. Darüber hinaus soll es auch ein Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche geben.

Experimente während des zweiten ISS-Aufenthalts von Alexander Gerst

Myotones - Müde Muskeln im All

Im Rahmen des Experiments Myotones wollen Wissenschaftler der Berliner Charité und der Universität von Southampton an Alexander Gerst die biomechanischen Eigenschaften des ruhenden menschlichen Muskels untersuchen. Die Ergebnisse sollen für die astronautische Raumfahrt genutzt werden und künftig auch in die Rehabilitation nach Knochenbrüchen einfließen.

Metabolicspace - Kabelsalat ade

Metabolicspace heißt das Expermient des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden. Dabei analysiert ein Gurt, den die Astronauten am Körper tragen, ihre Körper- und Stoffwechselfunktionen. Es soll die Überwachung und Auswertung des Trainings der ISS-Astronauten deutlich erleichtern und verbessern. Im Gegensatz zu bisherigen Messsystemen kommt Metabolicspace ohne hinderlichen Kabelsalat aus.

Flumias - Echtzeitmikroskop in 3D

Das Gerät Flumias ist nur so klein wie ein Schuhkarton. Es macht es aber möglich, feinsten Strukturen und schnelle Vorgänge in lebenden Zellen und Organismen in der Schwerelosigkeit zu bebachten. An Bord der ISS soll zum Bespiel die Entwicklung menschlicher Immunzellen in 3D und hoher Auflösung verfolgt werden.

Spacetex 2 - Schöner schwitzen

Das Experiment Spacetex 2 soll den Komfort von Astronauten während des Trainings verbessern. Die Astronauten tragen eine speziell für die ISS hergestellte Funktionskleidung, die von einem Forschungsverbund aus den Hohenstein-Instituten, der Charité Berlin und dem DLR entwickelt wurde. Die neuen Hightechstoffe sind für den Wärmeaustausch optimiert.

Asim - Gewitterstürmen auf der Spur

Mit Asim will die europäische Weitraumagentur ESA mehr über Gewitterstürme in der oberen Erdatmosphäre erfahren. Asim soll auf die untere Außenplattform des europäischen Columbus-Labors an der ISS montiert werden und von dort mindestens zwei Jahre lang die Wechselwirkung zwischen Gammastrahlung, Blitzen und Entladungen in der Hochatmosphäre beobachten.

EML - Neue Kamera für heißen Ofen

Den Elektromagnetischen Levitator (EML) installierte Gerst bereits 2014 auf der Raumstation. Im Zuge der Mission Horizons bekommt der Hightech-Schmelzofen nun eine Highspeed-Kamera. Mit dem EML werden materialwissenschaftliche Fragen untersucht. Die entsprechenden Daten sind zum Beispiel wichtig für die Optimierung von industriellen Gießprozessen, etwa von Motorgehäusen oder Flugzeugturbinenschaufeln.

DESIS - Ökosysteme unter Beobachtung

Das Spektrometer DESIS (DLR Earth Sensing Imaging Spectrometer) beobachtet die Erdoberfläche im Spektrum des sichtbaren Lichts und der Infrarotstrahlung, und zwar aus verschiedenen Blickwinkeln. An den gesammelten DESIS-Daten sollen sich Veränderungen im Ökosystem der Erdoberfläche ablesen lassen. Sie könnten beispielsweise dazu dienen, den Gesundheitszustand von Wäldern oder landwirtschaftlichen Flächen zu beurteilen und Ertragsprognosen zu treffen.

Gene Control Prime - Genregulation von Immunzellen

Beeinflusst die Schwerkraft Immunzellen und ihre Gene? Eine Serie von Experimenten in der Schwerelosigkeit soll klären, ob Immunschwäche möglicherweise genetische Ursachen hat. Die Erforschung der molekularen Mechanismen, die das Immunsystem regulieren, ist laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR nicht nur für zukünftige Langzeitmissionen von Astronauten von Bedeutung. Die Forschungsergebnisse sollen auch dazu beitragen, die generellen Ursachen von Immunschwäche zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

CompGran - Dynamik von Granulaten

Ein Granulat ist Materie, die aus Körnern oder Pulver besteht, zum Beispiel Sand oder Getreide. Je nach Zustand verhält sich ein Granulat unterschiedlich: Wenn man es verdichtet, wird es fest. Unverdichtet lässt es sich wie eine Flüssigkeit schütten. In der Schwerelosigkeit lassen sich die Dynamik und die physikalischen Eigenschaften von Granulaten leichter untersuchen. Daher kann das Volumen der ISS-Experimentzellen durch einen Kolben verändert und damit die Kompaktheit der Granulate variiert werden. Mittel- bis langfristig sollen die Forschungsergebnisse helfen, industrielle Prozesse von Schüttgütern wie Kohlenstaub, Mehl oder Getreide zu verbessern.

CAL - Minilabor für große Kälte

CAL (Cold Atoms Lab) ist ein Minilabor zur Erforschung ultrakalter Atome. Deutsche und US-Wissenschaftler werden bei diesem Experiment auf der Raumstation zusammenarbeiten. Im CAL werden Atomwolken fast auf den absoluten Temperaturnullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius herabgekühlt. Das soll unter anderem bei der Messung von Gravitationswellen und der Entwicklung von Quantencomputern helfen.

Zeitkapsel - Wünsche von Schülern

Alexander Gerst wird sich auf der ISS auch mit einer Zeitkapsel befassen. Diese Aluminiumkugel ist allerdings kein Instrument für wissenschaftliche Experimente: Sie enthält, auf einem Datenträger gespeichert, die Zukunftsvorstellungen von Schülern. Gerst wird die Zeitkapsel auf der ISS versiegeln und nach seiner Rückkehr dem Bonner Haus der Geschichte übergeben. Das zeitgeschichtliche Museum soll sie dann 50 Jahre lang verschlossen aufbewahren.

Weitere Experimente auf der ISS

Roboter als Reisebegleiter

Mit an Bord der ISS ist Cimon, ein fliegender Roboter. Er soll Alexander Gerst assistieren und bei Laune halten. Cimon kann sprechen, Witze erzählen, auf Sprachbefehle reagieren sowie Videos und Audios abspielen. Der etwa fünf Kilogramm schwere Roboter ist rund, damit er nichts beschädigt oder aus Versehen Knöpfe drückt, wenn er durch die Raumstation fliegt. Mit seinem eigenen Antrieb kann sich Cimon frei bewegen und dabei bis zu 0,36 Meter pro Sekunde zurücklegen. Im Durchmesser misst er 32 Zentimeter.

Mit einer Sojus-Rakete ins All


  • "Bereit für den Weltraumeinsatz - Gersts neue ISS-Mission": IQ - Wissenschaft und Forschung, 16.04.2018, 18.05 Uhr, Bayern 2
  • "Alexander Gerst - Astronaut": alpha-Forum, 20. April 2017, 20.15 Uhr, ARD-alpha

Vor dem Flug

Alexander Gerst zeigt das Logo seiner neuen Weltraummission "Horizons" | Bild:  picture alliance / Oliver Berg/d zum Artikel Astronaut im Training So bereitet sich Alexander Gerst auf seine zweite ISS-Mission vor

Am 6. Juni ist es soweit: Dann wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst mit einer "Sojus"-Rakete zur Internationalen Raumstation abheben. Auf seiner zweiten ISS-Mission wird der 41-Jährige an vielen Experimenten beteiligt sein und auch das Kommando übernehmen. Dafür trainiert er momentan hart. Von Stefan Geier [mehr]

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