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Zurück ins All mit der Mission Horizons

Alexander Gerst Zurück ins All mit der Mission Horizons

Stand: 24.05.2018

Am 6. Juni 2018 fliegt Alexander Gerst erneut zur Internationalen Raumstation. Sechs Monate soll sein Aufenthalt im All dauern. Die Hälfte der Zeit wird er - als erster Deutscher - Kommandant der Raumstation sein.

Alexander Gerst hat das Training für seine Mission auf der Raumstation ISS beendet. Nach intensivem Training für seine zweite Weltraummission hofft er auf ein paar ruhige Tage vor dem Start zur Internationalen Raumstation (ISS).

Ein gut gelaunter Alexander Gerst bei der Pressekonferenz in Moskau

"Ehrlich gesagt freue ich mich auf die Quarantäne", sagte er am 14. Mai im Kosmonautenausbildungszentrum bei Moskau. "Wir hatten in den letzten drei Wochen sieben Prüfungen. Da ist einiges liegen geblieben." In Baikonur, wo sich der russische Weltraumbahnhof befindet, könne er - abgeschirmt von der Umwelt - sicher noch Dinge abarbeiten. Routinemäßig verbringen Raumfahrer die letzten Tage vor dem Start zur ISS in Quarantäne, damit sie keine Infektionen mit auf die Station nehmen.

Was liegt hinter dem Horizont?

Horizons (Horizonte) ist der Name der zweiten Mission von Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation. Er wird an Bord einer Raumkapsel vom Typ Sojus MS-09 dorthin reisen. Das Kommando auf dem Flug zur ISS hat der russische Kosmonaut Sergei Prokobjew, Gerst wird Copilot sein. Drittes Crew-Mitglied ist die US-amerikanische NASA-Astronautin Serena Auñón-Chancellor.

"Horizonte stehen für mich für das Unbekannte. Wenn ich einen Horizont sehe, frage ich mich als Erstes: Was liegt dahinter? Deshalb betreiben wir Wissenschaft auf der ISS. Wir wollen unseren Horizont erweitern."

Alexander Gerst

Kosmonauten-Training im Sternenstädtchen

Erster deutscher ISS-Kommandant

Das Logo der zweiten ISS-Mission von Alexander Gerst: Horizons

Die Horizons-Mission von Alexander Gerst soll bis Ende Oktober 2018 dauern. Während der zweiten Hälfte seines Aufenthalts wird er das Kommando an Bord der Internationalen Raumstation übernehmen. Damit wird er der erste deutsche und der zweite europäische Kommandant der ISS sein. Gerst wird aber auch in den ersten drei Monaten seiner Mission auf der ISS genug zu tun haben.

Deutsche Universitäten, Forschungseinrichtungen und Firmen sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR steuern rund 35 Experimente zur Mission Horizons bei. Die Versuche sollen Fragen aus Biologie und Medizin beantworten. Weitere Wissenschaftsgebiete sind (Astro-)Physik, Materialwissenschaft und Technologie. Darüber hinaus soll es auch ein Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche geben.

Geplante Experimente an Bord der ISS

Myotones - Müde Muskeln im All

Im Rahmen des Experiments Myotones wollen Wissenschaftler der Berliner Charité und der Universität von Southampton an Alexander Gerst die biomechanischen Eigenschaften des ruhenden menschlichen Muskels untersuchen. Die Ergebnisse sollen für die astronautische Raumfahrt genutzt werden und künftig auch in die Rehabilitation nach Knochenbrüchen einfließen.

Metabolicspace - Kabelsalat ade

Metabolicspace heißt das Expermient des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden. Dabei analysiert ein Gurt, den die Astronauten am Körper tragen, ihre Körper- und Stoffwechselfunktionen. Es soll die Überwachung und Auswertung des Trainings der ISS-Astronauten deutlich erleichtern und verbessern. Im Gegensatz zu bisherigen Messsystemen kommt Metabolicspace ohne hinderlichen Kabelsalat aus.

Flumias - Echtzeitmikroskop in 3D

Das Gerät Flumias ist nur so klein wie ein Schuhkarton. Es macht es aber möglich, feinsten Strukturen und schnelle Vorgänge in lebenden Zellen und Organismen in der Schwerelosigkeit zu bebachten. An Bord der ISS soll zum Bespiel die Entwicklung menschlicher Immunzellen in 3D und hoher Auflösung verfolgt werden.

Spacetex 2 - Schöner schwitzen

Das Experiment Spacetex 2 soll den Komfort von Astronauten während des Trainings verbessern. Die Astronauten tragen eine speziell für die ISS hergestellte Funktionskleidung, die von einem Forschungsverbund aus den Hohenstein-Instituten, der Charité Berlin und dem DLR entwickelt wurde. Die neuen Hightechstoffe sind für den Wärmeaustausch optimiert.

Asim - Gewitterstürmen auf der Spur

Mit Asim will die europäische Weitraumagentur ESA mehr über Gewitterstürme in der oberen Erdatmosphäre erfahren. Asim soll auf die untere Außenplattform des europäischen Columbus-Labors an der ISS montiert werden und von dort mindestens zwei Jahre lang die Wechselwirkung zwischen Gammastrahlung, Blitzen und Entladungen in der Hochatmosphäre beobachten.

EML - Neue Kamera für heißen Ofen

Den Elektromagnetischen Levitator (EML) installierte Gerst bereits 2014 auf der Raumstation. Im Zuge der Mission Horizons bekommt der Hightech-Schmelzofen nun eine Highspeed-Kamera. Mit dem EML werden materialwissenschaftliche Fragen untersucht. Die entsprechenden Daten sind zum Beispiel wichtig für die Optimierung von industriellen Gießprozessen, etwa von Motorgehäusen oder Flugzeugturbinenschaufeln.

CAL - Minilabor für große Kälte

CAL (Cold Atoms Lab) ist ein Minilabor zur Erforschung ultrakalter Atome. Deutsche und US-Wissenschaftler werden bei diesem Experiment auf der Raumstation zusammenarbeiten. Im CAL werden Atomwolken fast auf den absoluten Temperaturnullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius herabgekühlt. Das soll unter anderem bei der Messung von Gravitationswellen und der Entwicklung von Quantencomputern helfen.

Zeitkapsel - Wünsche von Schülern

Alexander Gerst wird sich auf der ISS auch mit einer Zeitkapsel befassen. Diese Aluminiumkugel ist allerdings kein Instrument für wissenschaftliche Experimente: Sie enthält, auf einem Datenträger gespeichert, die Zukunftsvorstellungen von Schülern. Gerst wird die Zeitkapsel auf der ISS versiegeln und nach seiner Rückkehr dem Bonner Haus der Geschichte übergeben. Das zeitgeschichtliche Museum soll sie dann 50 Jahre lang verschlossen aufbewahren.

Roboter als Reisebegleiter

Mit an Bord der ISS ist Cimon, ein fliegender Roboter. Er soll Alexander Gerst assistieren und bei Laune halten. Cimon kann sprechen, Witze erzählen, auf Sprachbefehle reagieren sowie Videos und Audios abspielen. Der etwa fünf Kilogramm schwere Roboter ist rund, damit er nichts beschädigt oder aus Versehen Knöpfe drückt, wenn er durch die Raumstation fliegt. Mit seinem eigenen Antrieb kann sich Cimon frei bewegen und dabei bis zu 0,36 Meter pro Sekunde zurücklegen. Im Durchmesser misst er 32 Zentimeter.

Mit einer Sojus-Rakete ins All


  • "Bereit für den Weltraumeinsatz - Gersts neue ISS-Mission": IQ - Wissenschaft und Forschung, 16.04.2018, 18.05 Uhr, Bayern 2
  • "Alexander Gerst - Astronaut": alpha-Forum, 20. April 2017, 20.15 Uhr, ARD-alpha

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