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Abwasserentsorgung Durch den Abfluss und dann?

Rund 150 Liter Abwasser spülen wir Bayern pro Kopf und Tag in die Kanalisation. Verschmutzt mit Klopapier, Fäkalien, Duschgel und anderem. Drinbleiben soll der Dreck im Wasser auf keinen Fall. Doch wie kriegt man ihn wieder heraus?

Stand: 19.07.2018

Wasser fließt in einen schmutzigen Abfluss | Bild: colourbox.com

Zwei Billionen Liter Abwasser fließen jährlich durch Bayern, fast die Hälfte davon aus privaten Haushalten. Klospülung, Waschmaschine, Geschirrspüler, da kommt einiges zusammen, vor allem an Schmutz. Ab durch die Spülung und aus den Augen, aus dem Sinn.

Nach der Kläranlage kommt der Fluss

Ganz am Ende landet alles Wasser in Bayerns Seen und Flüssen. Dass Sie dort nicht dem wiederbegegnen, was Sie runtergespült haben, dafür sorgt die Abwasserentsorgung. Rund 85.500 Kilometer öffentliche Misch- und Schmutzwasserkanäle leiten in Bayern das Abwasser in die kommunalen Kläranlagen, wo es gereinigt wird. Dort arbeitet ein hungriges Heer kleinster Helfer:

Eine Pflanzenkläranlage

Im Prinzip arbeiten Kläranlagen nicht anders als die Natur selbst: Auch bewachsener Boden filtert das Wasser, das ihn durchsickert, und reinigt es mithilfe von Kleinstlebewesen von Giftstoffen. Dadurch ist unser Grundwasser so sauber. Kleine, "naturnahe" Kläranlagen arbeiten nach dem gleichen Prinzip: In Pflanzenkläranlagen filtern Sumpfpflanzen das Abwasser und bieten mit ihren Wurzeln einen Lebensraum für die Bakterienkolonien, die sich auf die mikrobiologische Abwasserreinigung stürzen.

Mit der Menge an verschmutztem Wasser, die wir produzieren, wäre die Natur allerdings völlig überfordert. Und auch mit dem, was inzwischen in unserem Abwasser landet. Selbst Kläranlagen stoßen da an ihre Grenze.

Oft ungeklärt: Keime

Ultraviolettes Licht gegen Keime

Abwasser ist ein idealer Lebensraum für Bakterien und Viren. Die biologische Stufe der Klärwerke kann ihnen nichts anhaben, denn gerade im Belebungsbecken sollen sich Mikroorganismen ja wohl fühlen. Das führte lange Zeit zu einer regelrechten Verseuchung von Flüssen und Seen, in die das geklärte Wasser eingeleitet wurde.

Badende an und in der Isar

Heutzutage desinfizieren einzelne Klärwerke das Abwasser mit UV-Licht (ultraviolettem Licht), wodurch Keime in Sekunden effizient und umweltschonend abgetötet werden. Bad Tölz knipste als erstes Klärwerk in Bayern im Jahr 2000 die UV-Lampen an. Seither bestrahlen zahlreiche Kläranlagen an Isar und Loisach das Abwasser, zumindest in den Sommermonaten. Die Isar dankt's: Nach jahrelangem Badeverbot hat ihr Wasser jetzt wieder Badequalität.

Eine andere Methode effektiver Desinfektion wird am Klärwerk in Monheim genutzt: Dort filtert eine der drei Membrankläranlagen Bayerns alles Wasser quasi durch den Strohhalm. Bakterien und neunzig Prozent der Viren passen schlicht nicht durch die Hohlfasermembranen, durch die das Wasser muss. Was am anderen Ende der Halme ankommt, hat fast Trinkwasserqualität.

Noch ungeklärt: Medizin & Co.

Bei Stoffen, die noch kleiner sind, nützen allerdings auch Hohlfasermembranen nichts. Und gerade solche Mikrostoffe finden sich immer häufiger im Abwasser: Medikamentenrückstände, Nanopartikel und andere vom Menschen hergestellte Stoffe. Bislang scheitern Kläranlagen hier. Neue Technologien müssen erst noch entwickelt und erprobt werden, etwa die Behandlung des Wassers mit Aktivkohlefiltern.

Große Datenlücken bei Bayerns Kanalisation

Noch eine Schwachstelle gibt es in Bayerns Abwasserentsorgung: die Kanalisation. Denn die etwa 85.500 Kilometer öffentliche Kanäle, die all das verschmutzte Wasser zum Klären bringen sollen, sind eine ganze Weile völlig aus dem Blick geraten. So sehr, dass für die gesamte Kanalisation eine Erstinspektion angeordnet wurde, um überhaupt ihren Zustand festzustellen. Ende 2010 war diese bei einem Drittel der Kanäle noch nicht erfolgt. Im Juli 2018 gelten 14,5 Prozent der Abwasserkanäle als sanierungsbedürftig. Riskant, denn jeder undichte Abwasserkanal gefährdet unser Grundwasser.

Der private Kanalisationsanteil

Der eigentliche Knackpunkt in der Kanalisation ist da noch gar nicht mitgerechnet: der private Anteil. Zur öffentlichen Kanalisation kommen in Bayern noch Kanäle hinzu, für die Hauseigentümer verantwortlich sind. Für diese liegt bislang keine zentrale Zustandsbewertung vor. Nur 17 Prozent sind bisher erfasst. Oft wissen Hauseigentümer noch nicht einmal, dass sie auch für die Kanalisation zuständig sind. Denn nicht nur die Abwasserrohre im Haus, auch alle Leitungen, die unter dem Haus und im Erdreich verlaufen, müssen vom Hauseigentümer selbst kontrolliert und dicht gehalten werden. Mindestens bis zum Revisionsschacht, in manchen Kommunen aber sogar bis zum Anschluss an den Sammelkanal außerhalb des eigenen Grundstücks.


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