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Meteore im Dezember Sternschnuppen der Geminiden und Ursiden flitzen

Jetzt in der staden Zeit lohnt der Blick in die Nacht: Sternschnuppen flitzen! Mehrere Schwärme streifen über den Himmel, darunter einer der schönsten des Jahres. Wir zeigen Ihnen, wann und wo Sie die meisten Schnuppen finden.

Von: Heike Westram

Stand: 29.11.2019

Im Dezember gibt es - neben ein paar schwachen Strömen - zwei bemerkenswerte Sternschnuppen-Schwärme: die Geminiden und die Ursiden. Erstere werden uns leider in diesem Jahr vom Mond gründlich verdorben. Aber die Ursiden können Sie genießen - und in diesem Jahr bringt der Sternschnuppenregen sogar einen Extra-Schauer!

Die Geminiden, einer der schönsten Meteorströme

eine Geminiden-Sternschnuppe

Zwei Wochen lang funkelt der wohl schönste Sternschnuppen-Schauer des Jahres am Dezemberhimmel: Die Geminiden kommen. Vom 4. bis zum 17. Dezember ist dieser Meteorstrom aktiv, mit täglich steigenden Fallraten. Zum Höhepunkt in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember flitzen 120 Sternschnuppen pro Stunde über den Himmel. In manchen Jahren wurden auch schon rund 200 Geminiden pro Stunde gezählt, wie zuletzt 2011.

Höhepunkt vom Mond verdorben

In diesem Jahr werden Sie allerdings zum Höhepunkt kaum eine Sternschnuppe sehen können, denn der fast noch volle Mond steht die ganze Nacht am Himmel und überstrahlt alles mit seinem hellen Licht. Besser, Sie nutzen die ersten Tage vom 4. bis zum 10. Dezember, wenn die Morgenstunden mondfrei sind.

Geminiden-Sternschnuppen aus den Zwillingen

Denn die Geminiden sind ein sehr bequemer Schauer: Sie müssen nicht wie bei anderen Schwärmen den exakten Zeitpunkt des Maximums erwischen. Auch in den Nächten vor dem Höhepunkt ist schon ordentlich was los am Himmel.

Wann und wo Sie die meisten Zwillings-Sternschnuppen sehen

Wo die Geminiden herkommen

Der Radiant des Schwarms, der scheinbare Ausstrahlungspunkt der Meteore, liegt nah an Kastor, dem hellsten Stern im Sternbild Zwillinge. Von hier ziehen die Sternschnuppen über den ganzen Himmel. Günstig für uns in Bayern, denn jetzt im Dezember erscheinen die Zwillinge schon vor sieben Uhr abends im Nordosten und steigen dann steil den Himmel empor.

Je später am Abend, umso günstiger steht der Geminiden-Radiant. Nach zehn Uhr flitzen die Sternschnuppen schon hoch aus dem Südosten daher. Seinen höchsten Punkt im Süden erreicht der Ausstrahlungspunkt der Sternschnuppen etwa um zwei Uhr. Dann steht er fast im Zenit, senkrecht über Ihnen, und Sie können die meisten der Sternschnuppen auch wirklich sehen, die zu dem Zeitpunkt unterwegs sind. Und erst morgens um sechs Uhr setzt die erste Morgendämmerung ein - viel Zeit zum Sternschnuppen-Zählen. Wer bis in den frühen Morgen ausharrt, wird doppelt belohnt: Je später in der Nacht, umso hellere Geminiden sind unterwegs. Je heller die Sternschnuppen, umso besser sind sie zu fotografieren.

Von Jahr zu Jahr prächtiger

Seit die Geminiden 1880 zum ersten Mal als unscheinbarer Meteorschwarm auftauchten, hat sich die Zahl ihrer Sternschnuppen immer weiter gesteigert. Inzwischen gehört der Strom zu den spektakulärsten des ganzen Jahres - und zu den verlässlichsten. Mit einer Geschwindigkeit von 35 Kilometern pro Sekunde sind die Sternschnuppen eher langsam - da kann man sich seine Wünsche gut überlegen. Lange Schweifspuren sind bei den Geminiden selten, die Meteore wirken eher wie kurze Funken.

Von einem Steinklumpen stammend

Komet mit langem Schweif

Anders als viele Sternschnuppen, die von Kometen stammen, werden die Geminiden wohl von einem Asteroid verursacht: 3200 Phaethon. Dieses kosmische Steinklümpchen weckt seit Jahren bei Astronomen viel Interesse, denn normalerweise lösen Asteroiden keine Sternschnuppenschwärme aus.

Auch 3200 Phaeton ist ein Körper mit fester, steinerner Oberfläche - kein gutes Sternschnuppen-Material. Doch dieser Asteroid kreist extrem nahe um die Sonne, zeitweise weit näher als unser innerster Planet Merkur. Von den massiven Anziehungskräften der Sonne wird der kleine Steinklumpen stark durchgewalkt und förmlich geschreddert: Er zieht eine bröselige Spur aus kleinsten Materialteilchen hinter sich her - zukünftige Geminiden-Sternschnuppen an unserem Himmel.

Tipps zum Fotografieren von Sternschnuppen

Zeit, Geduld & Übung

Sternschnuppen sind mit 35 bis 70 km/s ausgesprochen schnelle Objekte und daher schwer zu fotografieren. Bringen Sie Zeit und Geduld mit, um sich mit der Kamera erst einmal auf die Nachtfotografie "einzuschießen". Hier ein paar Tipps, falls Sie die Jagd mit der Kamera versuchen wollen.

Ausrüstung

Nachtfotografien müssen Sie so lange belichten, dass Sie die Bilder nicht mehr aus der Hand machen können.

  • Verwenden Sie Stativ und Fernauslöser (oder den Selbstauslöser), um die Bilder nicht zu verwackeln.
  • Sie benötigen eine Kamera, bei der Sie den Blitz ausschalten und Belichtungszeiten manuell einstellen können.
  • Benutzen Sie ein Objektiv mit möglichst kurzer Brennweite (Weitwinkel).

... und dann Licht, Licht, Licht

Sternschnuppen sind ausgesprochen lichtschwach. Um sie überhaupt abzulichten, hilft nur eins: So viel Licht wie möglich muss auf den Film! Die übrigen Objekte wie Bäume, Sterne etc. werden Sie damit überbelichten, allerdings sollte der Himmel dabei nicht allzu hell werden.

  • lange Belichtungszeiten wählen (bis zu 3 Minuten und mehr!)
  • Blende weit öffnen (kleine Blendenzahl)
  • hohe ISO-Werte einstellen

Ursiden: Besuch vom Kleinen Bären

Ausstrahlungspunkt der Ursiden

Sobald die Geminiden ihren Besuch beenden, lösen die Ursiden sie ab. Dieser Sternschnuppenschwarm ist vom 17. bis zum 26. Dezember zu sehen und scheint aus dem Sternbild Kleiner Bär (auch Kleiner Wagen) beim Polarstern am nördlichen Himmel zu kommen. Damit liegt der Radiant für uns günstig, denn der Kleine Bär ist bei uns die ganze Nacht lang sichtbar.

In diesem Jahr doppeltes Vergnügen

Scheinbarer Ausstrahlungspunkt

Mit nur zehn Meteoren pro Stunde zum Maximum in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember sind die Ursiden eher ruhig. In manchen Jahren überraschen sie jedoch mit Fallraten von bis zu fünfzig Sternschnuppen in der Stunde. Allerdings empfiehlt es sich bei diesem Meteorschauer genau auf die Uhr zu schauen, denn der Höhepunkt der Ursiden ist kurz und spitz und ist für den Morgen des 23. Dezember um vier Uhr vorhergesagt. In diesem Jahr könnte es sogar ein doppeltes Vergnügen geben, denn die Erde könnte einem zweiten Filament begegnen, das uns dreißig Sternschnuppen pro Stunde bringt, am Abend des 22. Dezember um 22.40 Uhr.
Beide Zeitpunkte sind in diesem Jahr völlig ungestört vom Mond, der erst gegen halb fünf Uhr morgens am 23. Dezember aufgeht.

Die Ursiden stammen vom Schweif des Kometen "8P/Tuttle", der alle 13,5 Jahre die Sonne umkreist. Im Januar 2008 war der Komet zuletzt der Sonne nah, deshalb gab es von 2006 bis 2008 erhöhte Fallraten des Ursidenschwarms. Aber auch 2011 und 2014 waren mehr Ursiden-Sternschnuppen als sonst unterwegs.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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