Wissen - Sternenhimmel


65

Komet ISON Der Sonne zu nah

So spannend hat es noch kein Komet gemacht: Als ISON dicht bei der Sonne war, verschwand er fast und wurde für tot erklärt. Doch einige Stunden darauf kehrte er strahlend zurück. Aber das war's dann für den Jahrhundertkometen.

Von: Heike Westram

Stand: 17.07.2014 | Archiv

Er hätte eigentlich das Highlight im Dezember werden sollen: Komet ISON. Als Jahrhundertkomet war er uns monatelang angekündigt worden, als heller Weihnachtsstern mit langem Schweif. Und vermutlich hatte noch nie ein kleiner Dreckklumpen so viel Aufmerksamkeit bei seiner einsamen Runde um die Sonne. Doch ISON hat sich die Flügel verbrannt: Am 28. November um 19.38 Uhr unserer Zeit zog der Komet mit nur rund einer Million Kilometern Abstand an der Sonne vorbei - extrem dicht. Zu dicht für ISON: Der Kometenkern hat die große Sonnennähe nicht überstanden.

Komet ISON unter Beobachtung

Das ISON-Fieber

5.000 Kilometer Koma und 90.000 Kilometer Schweif

Schon erste Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble im April 2013 zeigten, dass ISON unglaublich rege war: Um den Kern hatte sich bereits damals eine Koma von 5.000 Kilometern Durchmesser gebildet, der Schweif war 90.000 Kilometer lang. In mehr als 600 Millionen Kilometern Abstand zur Sonne verlor ISON schon rund eine Million Kilogramm an Gasen - täglich. Die ersten Prognosen waren entsprechend euphorisch: -11 mag, -16 mag scheinbare Helligkeit, weitaus heller als der Vollmond, am Taghimmel zu sehen.

Schwächer als erhofft: ISON am 6. September

Doch bald folgte die Ernüchterung: Im Sommer zeigte sich, dass ISON weit hinter allen Vorhersagen zurückblieb. Im September war er noch immer nur 12 mag hell, Ende Oktober gerade mal 8 mag, viel dunkler als erwartet. Ab dem 13. November war ISON am Himmel mit bloßem Auge zu sehen, frühmorgens für wenige Minuten über dem Horizont im Sternbild Jungfrau.

Endlich "angeknipst"

ISON legt los

Mitte November gab es einen plötzlichen Ausbruch: Die Aktivität von ISONs Kern vervielfachte sich über Nacht. Und der Komet wurde schlagartig heller: Bis zu 5 mag schätzten Beobachter - endlich sichtbar fürs bloße Auge. Allerdings nur für ein paar Tage: Ab dem 26. November war ISON schon zu dicht bei der Sonne, um noch von der Erde aus gesehen werden zu können. Ab da übernahmen die Sonnen-Sonden Stereo und SOHO die Verfolgung.

Wie Ikarus auf dem Weg zur Sonne

In extremer Sonnennähe wurde ISON dann richtig hell: -2 mag scheinbare Helligkeit erreichte er in der Nacht auf den 28. November, rund 8,5 Stunden vor seinem Perihel. Zu diesem Zeitpunkt stieg die Staubproduktion des Kometen schlagartig an. Etwa 11.500 Tonnen emittierte ISON, zusammengeballt ergäbe das eine Kugel von 280 Metern Durchmesser, der Schweif war zu diesem Zeitpunkt mindestens 240.000 Kilometer lang. Dann verschwand der Komet buchstäblich von den Bildern der Sonnen-Sonde SOHO, die ihn beobachtete. Das war's, dachten die Experten zunächst. Aber ISON war noch einmal für eine Überraschung gut: Etliche Stunden nach seinem sonnennächsten Punkt tauchte der Komet plötzlich wieder auf und wurde immer heller.

Von ISON zu ISOFF

Ein Hauch von ISON

Doch die Euphorie fand bald ein Ende: Gut einen Tag nach seinem Perihel wurde ISON wieder dunkler und dunkler. Am Morgen des 30. November war nur noch ein verwaschener Fleck auf den SOHO-Aufnahmen zu sehen. Der Kern des Kometen hatte die Sonnenähe offenkundig nicht überlebt und war nicht mehr aktiv. Möglicherweise sind von ihm noch einzelne inaktive, "tote" Brocken übriggeblieben, die vielleicht irgendwann als Sternschnuppen enden könnten.

Was ISON so besonders machte

Am 21. September 2012 wurde der Komet auf einem Bild des Teleskops ISON (International Scientific Optical Network) entdeckt. Damals war ISON C/2012 S1 noch ein winziges, lichtschwaches Pünktchen mit nur 18,8 mag scheinbarer Helligkeit. Schon bald zeigte sich jedoch, dass ISON ein besonderer Komet ist. Er stammt vom äußersten Rand des Sonnensystems. So weit entfernt, dass er nur selten in Sonnennähe kommt. Ihr vielleicht noch überhaupt nie nahe war. Das nährte die Hoffnung, dass ISON zu seinem Perihel am 28. November 2013 ein ganz besonders schöner Komet werden könnte. Denn er brachte ja all seine ursprüngliche Masse mit - bereit zu einem strahlenden Abschmelzen im hellen Sonnenlicht. Das hat er ja auch getan.

"Sonnenstreifer" ISON - der Sonne so nah

ISON kam der Sonne besonders nahe: Er zog mit nur etwa 1,7 Millionen Kilometer (0,01245 AE) Abstand an ihr vorbei, gemessen vom Sonnenmittelpunkt. Von ihrer mehr als 5.000 Grad heißen Oberfläche war er nur rund eine Million Kilometer entfernt. Das ist weniger, als die Sonne selbst an Durchmesser hat. Diese große Nähe war die große Gefahr für den Eisklumpen:

Umlaufbahn von Komet ISON

Die starken Sonnenwinde und die große Anziehungskraft unseres zentralen Sterns hätten ISON zerbersten lassen können. Das wäre noch einmal ein Spektakel gewesen: ISON hätte hell aufgeleuchtet. Zerbrochen ist der Komet nicht. Doch ISON hatte nicht genug Substanz für den Sonnenritt: Der Komet ist ausgebrannt, nur noch ein Häuflein Schutt.

Der letzte Komet: Panstarrs im Frühjahr 2013


65