Wissen - Sternenhimmel


20

Komet 46P/Wirtanen Schweifstern bald mit bloßem Auge zu sehen

Das gab's lange nicht mehr: Ein Komet ist im Anflug auf die Sonne und wird jetzt im Dezember so hell, dass Sie ihn vermutlich mit bloßem Auge sehen können! Tag für Tag wird der Schweifstern heller.

Von: Heike Westram

Stand: 06.12.2018

Kometen sind die eisigen Gesellen vom fernen Rand des Sonnensystems. Immer wieder kommen sie von dort zu Besuch, umkreisen die Sonne und werden manchmal für kurze Zeit am Firmament sichtbar. Doch nur selten ist ein solcher Schweifstern hell genug, um ohne Spezialausrüstung gesehen zu werden. Bald haben Sie dazu Gelegenheit, denn der Komet 46P/Wirtanen ist in Kürze der Erde und der Sonne ganz nah!

Der Schweifstern ist zugleich der Erde und der Sonne nah

Komet 46P/Wirtanen

Schon jetzt ist 46P/Wirtanen in Teleskopen zu sehen. Für's bloße Auge reicht seine scheinbare Helligkeit von derzeit etwa 5,1 mag (Stand: 1. Dezember) wohl noch nicht aus. Doch das ändert sich bald, denn der Komet eilt seinem sonnennächsten Punkt entgegen - und wird diesmal dabei zugleich der Erde ganz nah sein.

Die Umlaufbahn von 46P/Wirtanen

Das Perihel (die größte Sonnennähe) von 46P/Wirtanen ist am 13. Dezember 2018, drei Tage später erreicht er die größte Erdnähe (das Perigäum): Am 16. Dezember ist der Komet, der etwas mehr als einen Kilometer im Durchmesser groß ist, "nur" noch gut elf Millionen Kilometer von uns entfernt - etwa dreißigmal weiter als der Mond.

Die Koma von Komet 46P/Wirtanen Ende November

Durch die große Nähe zu Sonne und Erde wird der Komet viel heller: Die scheinbare Helligkeit von 46P/Wirtanen wird voraussichtlich auf 3 mag oder mehr steigen, damit könnte er ohne Hilfsmittel zu sehen sein. Anders als bei einem Stern, dessen punktförmiges Licht klarer zu sehen ist, verteilt sich aber die angegebene scheinbare Helligkeit bei dem Kometen auf seine Koma, die diffuse Wolke aus Staub und Gas, die den Kometenkern umgibt und von der Erde aus gesehen immer größer wird.

Komet 46P/Wirtanen am 10. November 2018

Mit anderen Worten: ein schimmernder Matschfleck, der nicht so gut zu sehen ist wie ein 3 mag heller Stern. Ich empfehle Ihnen daher zumindest ein Fernglas mit Stativ, um den diffusen Lichtfleck wirklich zu sehen. Mit entsprechender Vergrößerung ist dann auch der zarte Kometenschweif erkennbar.

Wann und wo? Tipps zur Beobachtung des Kometen

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

46P/Wirtanen wandert sehr schnell über den Sternenhimmel: Allabendlich ist der Komet ein bis zwei Fingerbreit weiter gezogen. Daher ändern sich die Beobachtungs-Bedingungen für Wirtanen täglich ein bisschen. Und der Komet wählt einen für uns günstigen Weg übers Firmament: Anfang Dezember ist er noch im tiefliegenden Sternbild Eridanus, mit dem er bei uns am späteren Abend im Südosten aufgeht und sich die ganze Nacht nicht weit vom Horizont entfernt.

Komet hoch am Firmament in finstrer Nacht

Doch dann zieht 46P/Wirtanen steil empor durch die Winter-Sternbilder Stier und Fuhrmann auf den Großen Wagen zu. Günstig, denn diese Sternbilder stehen in den Dezembernächten hoch am Himmel. Anfang Dezember geht der Komet um halb sechs Uhr abends auf und steht erst gegen acht Uhr hoch genug für eine wirklich lohnende Beobachtung. Kurz nach halb drei Uhr geht er unter.

Hier finden Sie Komet 46P/Wirtanen im Dezember

Eine Woche später erscheint Wirtanen bereits eine Stunde eher und zum Perihel am 13. Dezember können Sie den Schweifstern schon sehen, sobald es um sechs Uhr wirklich dunkel geworden ist. Dieser Abend lohnt sich besonders, denn dann haben die Geminiden-Sternschnuppen gerade ihren Höhepunkt.

Die störenden Dunstschichten des Horizonts lässt Komet 46P/Wirtanen bald weit hinter sich und steht in den Stunden um Mitternacht senkrecht über uns. Das ist toll für Sternwarten, für viele kleinere Teleskope allerdings zu steil. Doch das zarte Licht des Kometen ist besser zu sehen, wenn er über uns im Zenit steht. Erst in den Morgenstunden versinkt er im Westen.

Am 16. Dezember, wenn Wirtanen der Erde am nächsten und dadurch am hellsten ist, finden Sie den Kometen zwei Fingerbreit unter dem schönen Sternhaufen der Plejaden im Stier.

Ab dem 21. Dezember geht 46P/Wirtanen überhaupt nicht mehr unter: Jetzt ist er im Sternbild Fuhrmann angelangt und damit dem Polarstern so nahe, dass er selbst zirkumpolar geworden ist: Tag und Nacht steht der Komet über dem Horizont.

Erste Dezemberhälfte mondfrei

Der Mond wird die Kometenbeobachtung im Dezember zunächst wenig stören: Zu Monatsbeginn erscheint seine abnehmende Sichel erst morgens am Firmament, nach Neumond am 7. Dezember taucht seine noch junge Sichel zunächst nur am frühen Abend auf. Doch je näher die beiden Stichtage des Kometen - Sonnennähe und Erdnähe - rücken, umso näher rückt leider auch der wachsende Mond. Zum Perihel am 13. Dezember geht dieser noch um Viertel nach zehn Uhr unter, zum Perigäum am 16. Dezember ist er dann leider nur einige Handbreit von 46P/Wirtanen entfernt und stört schon erheblich mit seinem Licht.

Schweifstern zur Weihnacht vom Mond gestört

Die folgenden Nächte werden noch schlechter, denn der Mond rückt immer näher und zieht vom 19. bis 21. Dezember mit fast voller Scheibe durch den Stier, unter dem Kometen hindurch. Zu Weihnachten steht der Schweifstern zwar hoch am Himmel, ist aber nicht ideal zu beobachten. Erst in der letzten Dezemberwoche nimmt die helle Mondscheibe wieder genügend Abstand. Doch dann wird auch der Komet 46P/Wirtanen schnell dunkler, weil er sich wieder von Erde und Sonne entfernt.

Schön und schwierig

Wird der Komet so hell wie erhofft, können Sie den Kometen mit bloßem Auge finden: ein verwaschenes Fleckchen von der Helligkeit hellerer Sterne. Doch dazu müssen Sie jede störende Lichtquelle meiden. In einem lichtstarken Fernglas (auf einem Stativ!) erscheint der Komet als grünlicher, etwas matschiger Fleck. Durch ein Teleskop betrachtet ist er richtig beeindruckend und zeigt auch einen zarten Schweif. Tipp: Fragen Sie in einer Sternwarte in Ihrer Nähe nach!

Der Kometenschweif

So entsteht der Kometenschweif

Ein solcher Schweif wächst, wenn sich ein Komet der Sonne nähert. Sie erhitzt den Eisball und sorgt dafür, dass Gase und Eispartikel aus dem Kometen austreten und den typischen Schweif bilden. Eigentlich sogar zwei Schweife: einen weißlichen Staubschweif und einen grünlichen Ionenschweif.

Ein Schweif fliegt auch mal voraus

Komet mit zwei entgegengesetzten Schweifen

Der größere Ionen- oder Plasma-Schweif zieht übrigens nicht hinter dem Kometen her, sondern weist immer von der Sonne weg, da die leichten Ionen vom Sonnenwind "davongeblasen" werden. Der Schweif kann also auch seitlich vom Kometen wegweisen oder fliegt ihm gar voraus, wenn der Komet sich von der Sonne wieder entfernt. Der kürzere, leicht gekrümmte Staubschweif, der sich bei manchen Kometen bemerkbar macht, zieht dem Kometen hinterher.

Komet im Banne von Jupiter

Kometen-Umlaufbahnen sind normalerweise stark elliptisch: Die Schweifsterne ziehen nahe an der Sonne vorbei und entfernen sich dann wieder bis an den Rand des Sonnensystems. Viele der Kometen sind periodisch, kommen also immer wieder mal in die Nähe der Sonne, wenn auch manchmal erst nach vielen Jahrtausenden.

46P/Wirtanen gehört allerdings zu einer ganz speziellen Sorte von Kometen, der sogenannten Jupiter-Familie: Zwar ist er wohl einst vom Rande des Sonnensystems gekommen, geriet dann aber unter den gewaltigen Gravitationseinfluss von Jupiter, dem größten Planeten. Der hat Wirtanen in seinen Bann geschlagen und die Bahn des Kometen so verändert, dass er sich nicht mehr weit entfernt: Der sonnennächste Punkt von Komet Wirtanen liegt nur ein kleines Stück außerhalb der Erdumlaufbahn, sein sonnenfernster Punkt befindet sich etwa auf der Höhe von Jupiters Umlaufbahn. Daher ist 46P/Wirtanen auch ein kurzperiodischer Komet, der die Sonne einmal alle 5,4 Jahre umkreist. Zum Vergleich: Jupiter braucht pro Runde um die Sonne fast zwölf Jahre, unser äußerer Nachbar Mars etwa zwei. Kometen vom Rande des Sonnensystems haben dagegen manchmal Umlaufperioden von Hunderten von Jahren.

Umlaufbahn von Wirtanen ähnelt der eines Planeten

Die Umlaufbahn des Kometen 46P/Wirtanen ähnelt auch in einem anderen Punkt den Bahnen der Planeten: Sie ist mit rund elf Grad nur geringfügig zur Planetenebene (Ekliptik) geneigt: Auch Merkurs Bahn liegt um 7 Grad schief, Plutos sogar gut 17 Grad. Die Inklination von Kometen ist häufig sehr viel größer, manche kreisen fast senkrecht zur Planetenebene um die Sonne. Auch das zeigt, wie stark Wirtanen unter Planeten-Einfluss geraten ist.

Seit der Komet 46P/Wirtanen im Jahre 1948 von dem US-Astronomen Carl Alvar Wirtanen entdeckt wurde, geriet er zweimal so nahe an Jupiter, dass der gigantische, massereiche Planet die Umlaufbahn des kleinen Kometen erneut veränderte: 1972 und 1984. Davor war Wirtanen etwas weiter weg und kreiste ein wenig langsamer als heute.

Mit seiner Umlaufzeit von 5,4 Jahren ist der Komet nur selten zugleich mit seinem nächten Punkt zur Sonne auch der Erde nah. Bei seinem vorausgehendem Perihel im Jahr 2013 war die Erde genau auf der anderen Seite der Sonne, bei der nächsten Annäherung wird es ebenso sein. Also: Nutzen Sie die Gelegenheit in diesem Jahr!

Ursprüngliches Ziel der Sonde Rosetta

46P/Wirtanen wäre fast berühmt geworden, denn ursprünglich war dieser Komet das Ziel der Kometensonde Rosetta. Doch die verpasste den rechtzeitigen Abflug, um Wirtanen noch zu erreichen. Stattdessen machte sie sich auf den Weg zu Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ("Tschuri"), den sie zwei Jahre lang umkreiste.

Am 4. Januar wird sich der Komet 46P/Wirtanen womöglich nochmals bemerkbar machen - mit einem Gruß aus der Vergangenheit: Da kommt die Erde einer alten Staubspur nahe, die der Komet im Jahr 1974 bei einer Runde um die Sonne hinterlassen hat. Wenn diese Staubteilchen auf die Erdatmosphäre treffen, blitzen Sternschnuppen an unserem Nachthimmel auf!

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.

  • Komet 46P/Wirtanen am Sternenhimmel im Dezember. IQ - Wissenschaft und Forschung, 03.12.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Komet im Dezember zu sehen. Bayern plus - Der Vormittag, 30.11.2018 ab 07:05 Uhr, Bayern plus

20