Wissen - Klimawandel


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Deutsche Klimaschutzziele verfehlt Deutschland baut beim CO2-Abbau ab

Deutschland ist nicht mehr Vorreiter in Sachen Klimaschutz: Im europäischen Ranking landen wir nur noch auf dem 8. Platz. Und der Klimaschutzbericht der Bundesregierung geht davon aus, dass wir unsere eigenen Klimaschutzziele verfehlen werden.

Stand: 29.01.2019

Viele Jahre sonnte sich Deutschland in seiner Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz. Doch das ist Geschichte: Andere Länder sind inzwischen deutlich engagierter. Im Ranking des Umweltschutz-Verbandes Climate Action Network Europe (CAN Europe) vom Juni 2018 landete Deutschland nur noch auf Platz 8 innerhalb der 28 EU-Länder.

Der Umweltverband "Climate Action Network" platziert die Bundesrepublik nur auf Platz 8 der 28 EU-Länder bei den Klimaschutz-Bemühungen

Die ambitioniertesten Klimaschützer in Europa kommen der Rangliste zufolge aus Schweden. Auch Portugal und Frankreich rangieren vor Deutschland. Und keine Trendwende in Sicht, denn die deutsche Regierung schraubt die eigenen Klimaschutzziele immer weiter herunter.

Deutschland erreicht seine Ziele im Klimaschutz nicht



Vierzig Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1980 - so lautet seit vielen Jahren die deutsche Selbstverpflichtung im Klimaschutz. Bis 2015 betrug die Einsparung allerdings erst 27 Prozent. Deshalb wurde Ende 2014 ein Katalog mit mehr als hundert Maßnahmen beschlossen. Doch drei Jahre später korrigierte das Bundesumweltministerium seine Klimaschutz-Projektionen: Je nach Wirtschaftswachstum, Energiepreisen und Stromexport könnten mit dem Maßnahmenkatalaog vierzig oder nur 37 Prozent Reduktion erreicht werden, hieß es Ende 2017 plötzlich. Für die Umweltschutzorganisation Germanwatch war das ein Eingeständnis des Scheiterns:

"Deutschland [wird] sein Emissionsreduktionsziel für 2020 selbst bei vollständiger Umsetzung der bislang beschlossenen Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit verfehlen."

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch

Deutschland vergrößert die Klimaschutzlücke

Ein halbes Jahr später sanken die Zahlen weiter nach unten: Im am 18. Juni 2018 vom Kabinett verabschiedeten Klimaschutzbericht 2017 heißt es, dass in Deutschland die Treibhaus-Emissionen bis 2020 nur um 32 Prozent zurückgegangen sein werden - statt der vierzig Prozent, zu denen sich Deutschland verpflichtet hat. Das ergibt eine sogenannte Klimaschutzlücke von acht Prozent. Somit ist Deutschland derzeit beim Klimaschutz im Hintertreffen.

Die Klimaschutzziele Deutschlands

Deutschland hat sich verpflichtet, den Treibhausgas-Ausstoß massiv zu senken. Die Klimaschutzziele Deutschlands nach Jahren gestaffelt, jeweils im Vergleich zu 1990:

  • bis 2020 um 40 Prozent
  • bis 2030 um  55 Prozent
  • bis 2040 um 70 Prozent
  • bis 2050 um 80 bis 95 Prozent

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

"Das Gute ist, dass wir die Instrument kennen, die zum Ziel führen -  erneuerbare Energien oder Elektromobilität zum Beispiel."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Treibhausgas-Emissionen steigen teilweise wieder an

Die schädlichen CO2-Emissionen im Individualverkehr nehmen entgegen der Klimaschutzziele der Bundesregierung weiter zu.

Nicht nur die Einsparung an Klimagasen hinkt hinterher, teilweise steigt der Ausstoß an Treibhausgasen sogar: Daten der Europäischen Umweltagentur (EEA) zeigen, dass im Jahr 2017 zugelassene Pkw mehr Kohlendioxid ausstoßen als solche, die 2016 zugelassen wurden. Der Grund: Es kommen immer größere Autos mit höherem Kraftstoffverbrauch auf den Markt. Das wirkt sich negativ auf die Gesamtbilanz der Treibhausgas-Emissionen aus.   

Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum treiben Emissionen in die Höhe

Außerdem führen niedrige Preise für Öl, Kohle und Gas dazu, dass die Energiereduktion nicht im Zentrum der Bemühungen steht. Ein wichtiger Faktor ist auch die gute Konjunktur und das Wirtschaftswachstum, das in den Bereichen Industrie und Verkehr für mehr Emissionen sorgt.

"Die Bundesregierung bekräftigt deshalb die Notwendigkeit, die Handlungslücke zur Erreichung des Minderungszieles für das Jahr 2020 so schnell wie möglich zu schließen."

Klimaschutzbericht 2017 der Bundesregierung

Effiziente und erneuerbare Energien gewünscht

Kohlekraft gilt als einer der Hauptgründe für die hohen CO2-Emissionen in Deutschland. Das Treibhausgas entsteht bei der Verbrennung von Kohle.

Ein Massnahmenkatalog soll helfen, die Klimaschutzlücke wieder zu schließen. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört, die Energie effizienter als bisher zu nutzen. Das geht mit modernen Geräten, die weniger Strom verbrauchen. Außerdem mit der Förderung erneuerbarer Energien wie Sonne- oder Windkraft. Kohlekraftwerke sollen in Deutschland nach und nach stillgelegt werden.

Deutschland steigt aus der Kohle aus

Die Stilllegung von Kohlekraftwerken ist nötig, um die Klimaschutzziele einzuhalten. Doch dadurch kommt es im Energiesektor zu enormen Veränderungen. Nicht nur, weil Strom auf anderen Wegen produziert werden muss, sondern weil die Regionen, in den bisher Kohle abgebaut wird, stark von dem Wandel betroffen sind und wirtschaftlich gefördert werden sollen. Seit Juni 2018 rang die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission 'Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung' um eine Lösung, im Januar 2019 fiel die Entscheidung: 2038 soll in Deutschland das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen.

Europas Antwort: Mehr ist nicht viel genug

Doch selbst wenn es Deutschland gelingen sollte, bis 2020 wie ursprünglich geplant vierzig Prozent der Emissionen einzusparen, gehören wir damit zu den Klima-Schlusslichtern: Das europäische Parlament hat im Oktober 2018 beschlossen, weitaus mehr zu sparen: Bis 2020 sollen die Treibhausgase um 55 Prozent sinken.

  • Energiewende am Ende? Die halbherzige Klimapolitik in Deutschland. IQ - Wissenschaft und Forschung, 07.02.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Klimaschutz im Verkehr - Wie ehrgeizig können wir sein? IQ - Wissenschaft und Forschung, 15.11.2017 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Klimaschutz in der Schifffahrt - CO2-Ausstoß soll um die Hälfte sinken. IQ - Wissenschaft und Forschung, 16.04.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Klimawandel: Wie ist die Erderwärmung noch zu stoppen? 17.10.2017 um 06:30 Uhr, ARD-alpha

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