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Gepanzerte Kriechtiere Schildkröten - besonders gefährdete Reptilien

Schildkröten sind Reptilien, die schon seit Urzeiten auf der Erde leben. Sie bewegen sich kriechend an Land oder im Wasser. Viele von ihnen sind jedoch gefährdet, akut vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Hier steht mehr über diese gepanzerten Kriechtiere.

Von: Simone Wichert

Stand: 06.10.2021

Eine Schildkröte sonnt sich in Huntley Meadows, einem Naturpark in Alexandria in den USA und öffnet dabei ihren Mund.  | Bild: dpa-Bildfunk/Carol Guzy

Vor 220 Millionen Jahren sollen sie bereits auf der Erde gewesen sein und sich in dieser langen Zeit gut an alle möglichen Lebensräume angepasst haben - an Land wie auch im Wasser:

Europäische Sumpfschildkröten kann man im Sommer an Seen in ganz Mitteleuropa beim Sonnen beobachten.

Schildkröten leben so gut wie auf allen Kontinenten sowohl in Wäldern oder Sümpfen als auch in Wüsten. Wasserschildkröten besiedeln alle Ozeane, man findet sie aber auch in bächen, Flüssen, Tümpeln oder Seen. Nur in den Polargebieten, also dort wo es ser kalt ist, gibt es keine Schildkröten. Die einzige Schildkrötenart, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommt, ist die Europäische Sumpfschildkröte.

Frisch geschlüpft wie aus dem Ei gepellt

Schildkröten legen Eier, aus denen irgendwann die Schildkrötenbabys schlüpfen. Die kleinste Landschildkrötenart Homopus signatus hat nur ein einziges Ei pro Gelege, bei Meeresschildkröten können es bis zu 200 Eier werden. Von Art zu Art sind auch die Eier sehr unterschiedlich: Manche haben harte Schalen aus Kalk wie Vogeleier. Die Eier der meisten Meeresschildkröten dagegen sind ganz weich, haben nur eine ledrige Haut und manche dazu noch eine Schleimschicht wie Froscheier. Natürlich dauert es auch unterschiedlich lang, bis die Schildkröten schlüpfen, von 50 Tagen bis zu 250 Tagen: Die schnellsten Schildkrötenbabys sind schon nach anderthalb Monaten geschlüpft, die langsamsten lassen sich über acht Monate Zeit.

Frisch geschlüpfte Schildkrötenbabys

Schildkrötes Streckbrief

Klasse: Reptilien (das bedeutet: Schildkröten legen Eier und sind wechselwarm)
Unterstamm: Wirbeltiere
Auf der Erde: seit über 220 Millionen Jahren - Schildkröten waren schon vor den Dinosauriern da!
Arten: rund 300 Arten mit rund 200 Unterarten - sowohl im Wasser als auch an Land
Vorkommen: auf allen Kontinenten - nur nicht in den Polarzonen
Wild lebende Arten in Deutschland/Österreich/Schweiz:
bei uns nur die Europäische Sumpfschildkröte (vom Aussterben bedroht), in ganz Europa sieben verschiedene wild lebende Arten
Besonderes Merkmal: Panzer. Er wiegt ein Drittel des Körpergewichts der Schildkröte.
Größte Schildkröten:
Wasserschildkröten: Die Lederschildkröte kann bis zu 600 Kilogramm schwer werden, ihre Vorderbeine können eine Spannweite von bis zu 2,7 Metern haben.
Landschildkröten: Der Panzer der Testudo atlas (ausgestorben) konnte bis zu 2,5 Meter lang werden.
Älteste bekannte Schildkröten: Die Riesenschildkröte "Adwaitya" lebte im Zoo von Kalkutta in Indien und wurde 256 Jahre alt! Und "Harriet" aus dem Australia-Zoo in Queensland in Australien starb mit stolzen 176 Jahren.

Eine Schildkröte als Haustier

Wie eine Schildkröte sich so als Haustier macht, hat Tierreporterin Anna für dich herausgefunden. Schon jetzt sei verraten: Dies ist ein eher gemütliches Haustier!

Besonders gefährdete Spezies

Obwohl Schildkröten überall auf der Welt leben, sind sie doch auch überall gefährdet, akut vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Auch die Europäische Sumpfschildkröte bei uns ist extrem gefährdet. Das liegt zum einen daran, dass sie viele tierische Feinde hat, zu denen immer noch neue hinzukommen: Der Waschbär zum Beispiel ist aus Nordamerika bei uns eingewandert und hat Sumpfschildkröten zum Fressen gern. Dagegen hat der Waschbär hier keine natürlichen Feinde - die Tiere hier kennen ihn ja nicht und haben ihn deswegen auch nicht auf ihrem Speiseplan.

Diese Wasserschildkröte wurde gerade aus einem Fischernetz gerettet.

Auch vielen Süßwasserschildkrötenarten geht es richtig schlecht: Mehr als die Hälfte davon ist vom Aussterben bedroht. Sie gehören damit zu den bedrohtesten Tieren auf der Erde. Schlimm für sie ist nicht nur, dass sie von den Menschen gegessen oder als Haustiere gehalten werden, ihre Lebensräume werden immer mehr zerstört, indem zum Beispiel Dämme in den Flüssen gebaut werden, in denen sie leben.

Die Meeresschildkrötenarten sind so gut wie alle vom Aussterben bedroht: Sie werden seit Jahrhunderten gejagt, weil die Menschen ihr Fleisch und ihre Eier essen und das Schildpatt aus ihrem Panzer als Glücksbringer gilt.

Die Lederschildkröte ist eine Meeresschildkröte. Auf dem Bild wirkt sie recht klein, aber das täuscht: Sie kann fast 600 Kilogramm schwer werden.

Außerdem sind die Meere verschmutzt und damit auch die Niststrände der Meeresschildkröten, so dass sie immer weniger Plätze finden, an denen sie ihre Eier ablegen können. Und auch die industrielle Fischerei wird ihnen zum Verhängnis: Sie verenden als sogenannter "Beifang" in den Treib-, Schlepp- und Fangnetzen der Fischer. Offiziell stehen die Meeresschildkröten dagegen unter Artenschutz. Mit Fleisch, Eiern und anderen Schildkrötenprodukten darf nicht gehandelt werden.

Das ist Jonathan, die älteste Landschildkröte. Er lebt auf St. Helena, einer Vulkaninsel im südlichen Atlantik westlich von Mittelafrika.

Tierschutzorganisationen bemühen sich zwar darum, dass möglichst viele Schildkrötenarten überleben können: Sie bauen Aufzuchtstationen und wildern die Schildkröten später wieder aus oder zäunen ihre Brutgebiete ein und bewachen diese. Inwiefern die Tierschützer damit Erfolg haben, werden wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehen.


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