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Inuit früher Leben, Glauben und Musik der Eskimos

Eskimos leben hoch im Norden: auf der Insel Grönland, in Alaska, in Nordkanada und einige auch in Sibirien. Woher sie ihren Namen haben und viel mehr über dieses Volk verraten wir euch auf dieser Seite!

Von: Isabelle Auerbach, Kristina Dumas und Bernhard Schulz

Stand: 30.01.2018

Nunavut | Bild: picture-alliance/dpa

Eskimos leben hoch im Norden: auf der Insel Grönland, in Alaska, in Nordkanada und einige auch in Sibirien. Als "Eskimos" wurden sie von ihren indianischen Nachbarn bezeichnet, von denen wir den Namen übernommen haben. Die genaue Bedeutung des indianischen Namens ist unklar: Es heißt entweder "Die, die rohes Fleisch essen" oder "Die, die Schneeschuhe tragen". Ganz einig sind sich die Sprachforscher da nicht. Einige Eskimovölker nennen sich selbst "Inuit". Das heißt in ihrer Sprache einfach nur Mensch.

So lebten die Eskimos früher

Früher trugen die Eskimos Kleider und Mäntel aus Rentierfellen. Die waren besonders warm. Die Fellkleider und Jacken wurden von den Eskimofrauen im Iglu genäht. Weil das Iglu recht eng war und es darin keinen Platz für Tische und Stühle gab, saßen die Frauen auf kleinen Eisbänken, auf denen Tierfelle lagen. Das Tierfell für die Kleider schnitten sie auf dem Boden zu und nähten dort auch.

So ein Iglu war wirklich kein Palast. Viel mehr als vier Leute hatten dort kaum Platz ... In diesen Schneehäusern waren die Menschen nur, um zu essen und um zu schlafen. Wenn man sich unterhalten wollte, ging man einfach vor das Iglu und quatschte im Freien in der Kälte! So ein Iglu war natürlich nicht besonders kuschelig. Kälter als im Kühlschrank war es dort. Es war dort auch sehr dunkel.

Wie die Menschen gekocht haben? Der Eskimofrau gehörte eine kleine Lampe aus Stein. Auf dieser Lampe waren etwas Fett und ein Docht. Wenn man diese Lampe anzündete, gab es ein kleines Licht, das ungefähr die Stärke einer Kerze hatte. Mit dieser kleinen Flamme haben die Eskimos gelebt. Die Kerze war Licht, Heizung und Herd. Es hat natürlich Stunden gedauert, bis da endlich etwas gekocht war. Die Mutter musste den ganzen Tag schauen, dass diese kleine Flamme nicht ausging, denn wenn die Männer hungrig von der Jagd zurückkamen, wollten sie etwas essen. Dann musste sie darauf achten, dass es im Iglu nicht zu warm wurde, denn sonst wäre es unangenehm nass geworden. Wenn die Temperatur im Iglu zu hoch wurde, dann hieß es, kleine Löcher in die Iglus bohren, damit wieder genügend kalte Luft von außen reinkam.

So feierten die Eskimos früher

Für besondere Feste wie etwa Hochzeiten, Totenfeiern und den Wechsel der Jahreszeiten bauten sich die Inuit extra große Iglus. Bis zu 100 Inuit passten dort hinein. In der Mitte musste genug Platz für den Trommeltanz freibleiben, der bei keinem Fest fehlen durfte. Ein Mann trommelte, sang und tanzte dabei gleichzeitig mit einer Rahmentrommel und einem Schlägel in der Hand. Das Besondere an dem Instrument war: Der Schlägel, oft mit Fellresten überzogen, wurde gegen den Rahmen der Trommel geschlagen, nicht gegen das Trommelfell. Die Lieder handelten von der Jagd, von gefährlichem Wetter, von Hungerzeiten, von Familien und von Kämpfen.

Auch das alte Inuit-Gesangsspiel "Katajjaq" fand früher in allen Dörfern statt. Zwei unterschiedlich große Frauen standen sich dabei so dicht gegenüber, dass ihre Lippen sich fast berührten. So bildeten ihre Körper eine Art Instrument und die Töne konnten besser schwingen. Blitzschnell, wie Pingpong-Bälle, spielten sich die Frauen die Töne gegenseitig zu. Helle und tiefe Kehlkopfklänge wechselten sich ab. Gewonnen hatte diejenige, die am längsten im richtigen Rhythmus blieb – ohne zu lachen.

Daran glaubten die Eskimos früher

Die Inuit der "alten Zeit" sahen die Welt als eine große Gemeinschaft von beseelten Dingen. Sie selbst waren Teil dieser Gemeinschaft in der alle, egal ob Mensch oder Tier, gleich viel wert waren. Alle Seelen waren miteinander verwandt und einander ähnlich.

Dieser Glaube an die Gemeinschaft spiegelt sich auch in der besonderen Namensgebung der Eskimos wider: Während bei uns in der Regel die Eltern den Vornamen ihrer Sprösslinge aussuchen, wurde bei den Eskimos noch vor rund 100 Jahren der Name bereits vor der Geburt festgelegt.

Wenn bei den Eskimos ein Kind auf die Welt kam, dann waren es nicht die Eltern, die den Namen bestimmten, sondern zum Beispiel ein älterer Mann aus dem Jägervolk. Das klingt für unsere Ohren vielleicht komisch. Ein nicht verwandter Mensch, der den Namen des Babys bestimmte? Aber die Eskimos waren früher in der eisigen Kälte besonders auf die Hilfe der anderen angewiesen. Was zählte, war vor allem die Gemeinschaft. Jeder Einzelne war wichtig und so wanderten auch die Namen jedes Verstorbenen immer weiter.

Wenn jemand in der Gemeinschaft starb, dann wurde dieser Name sofort dem Neugeboren gegeben, denn kein Name durfte ohne Hülle bleiben. Die Eskimos glaubten nämlich, dass hüllenlose Namensgeister Unglück bringen konnten. Mit dem Namen gingen dann auch alle Eigenschaften des Verstorbenen auf das kleine Kind über. War der Verstorbene geschickt, klug und fröhlich gewesen, so wurde, so glaubten die Eskimos, auch das Baby so.

Im Laufe des Lebens bekam man dann viele weitere Namen dazu und zwar immer dann, wenn jemand aus der Gemeinschaft starb. Die Kinder durften sich aber auch weitere Namen selbst aussuchen, zum Beispiel wenn sie einen Menschen gerne mochten. Mit dem Tragen der Namen wurde man dann auch noch automatisch mit den Leuten verwandt. Man konnte also mehrere Mamas und Papas, Opas und Omas haben!

Göttliche Seelen

Das höchste Wesen hieß Sila. Sila war so etwas, wie die Gemeinsamkeit aller Seelen, nicht nur der menschlichen oder der der Tiere, auch Berge hatten in der Vorstellung der Inuit Seelen. Tief unten, in den kalten Fluten des Eismeeres, stand das Haus der Meerfrau Sedna. Sedna, halb Mensch, halb Wal, war die Seele des Meeres, sie hatte Macht über die Tiere in ihrem Reich und die Menschen, die von den Meerestieren lebten, waren auf ihren guten Willen angewiesen ...

Um die Meerfrau nicht zu verärgern, beachteten die Inuit viele Regeln und Verbote. Eine erlegte Robbe zum Beispiel durfte keinesfalls mit dem Körper eines toten Menschen in Berührung kommen. Außerdem mußte der Jäger seiner Beute etwas Wasser zu trinken geben. Das war wichtig, denn die Seele des getöteten Tieres brauchte einen Schluck Wasser zur Stärkung. Diese Seele nahm auch gerne auf dem Weg zurück zum Haus der Meerfrau ein paar kleine "Geschenke" mit. Einen Angelhaken zum Beispiel oder eine Pfeilspitze.

Auch die Luft und vor allem der Mond waren mit einer Seele ausgestattet. Die Seele des Mondes hieß Tatqeq oder Aninga. Der Mond war nicht nur der Herr über Ebbe und Flut, über die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier und über die Einhaltung der Verbote und Regeln, der Mond war bei den Inuit auch der Lehrer und Beschützer der Jäger.

Kontakt zum höchsten Wesen Sila und zu allen anderen Seelen der Welt hielten die Inuit über ihre Schamanen. Schamanen sind so etwas wie Priester, sie vollzogen die Rituale bei Geburt oder Tod eines Menschen und traten über Tänze und magische Riten in Verbindung zur Geisterwelt. Die Schamanen konnten nach dem Glauben der Iniut ihre Seelen wandern lassen, zum Beispiel zur Meerfrau, um diese freundlich zu stimmen und so eine gute Jagd zu ermöglichen.

Heute sind viele Inuit Christen. Der alte Glaube ist aber nicht ganz verschwunden, denn die Menschen wissen, dass ohne Respekt vor der Natur kein Leben möglich ist.


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