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Roter Planet Mars ExoMars-Mission planmäßig gestartet

Gibt es Leben auf dem Mars? Um das herauszufinden, untersuchen Europas Raumfahrtagentur ESA und ihr russischer Partner Roskosmos gemeinsam den Roten Planeten. Eine mit High-Tech vollgepackte Rakete ist nun auf den Weg dorthin.

Stand: 02.05.2016

ExoMars-Mission: Schiaparelli-Modul wird vom TGO abgetrennt (Darstellung) | Bild: ESA/ATG medialab

Die von Europa und Russland ins All geschickte Sonde ist erfolgreich gestartet. Zwölf Stunden nach dem Start am 14. März haben Kontrolleure am gleichen Abend das erste Signal des Satelliten empfangen. "Wir sind auf dem Weg zum Mars", sagte der Chef der europäischen Raumfahrtagentur ESA, Jan Wörner. Bei dem Projekt ExoMars wollen ESA und die russische Raumfahrtagentur Roskosmos nach Spuren von Leben auf dem Nachbarplaneten suchen. Unterstützt wird das Projekt auch vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der NASA. Die Proton-M-Rakete des mehrere Milliarden Euro teuren Projekts ExoMars ist vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet.

"Wenn es jemals eine Mission gegeben hat, die eine echte Chance hatte, Hinweise auf Leben auf dem Mars zu finden, dann ist das ExoMars."

Jorge Vago, ESA-Wissenschaftler

Roskosmos als Nachfolger der NASA

Erste Überlegungen zur unbemannten Reise zum Mars machte die ESA bereits 2002. Russland war erst 2013 in das Projekt eingestiegen, nachdem sich die US-Raumfahrtbehörde NASA daraus 2011 wegen Finanzproblemen zurückgezogen hatte. Einzelne Instrumente wird die NASA trotzdem beisteuern.

ExoMars: Mars-Erkundung in zwei Etappen

Die Sonde Trace Gas Orbiter (TGO) soll um den Mars kreisen und Spurengase in seiner Atmosphäre aufspüren.

Die Mars-Mission besteht aus zwei Teilen. Insgesamt sollen zwei Proton-M-Raketen vollgepackt mit Hightech zum Nachbarplaneten starten. Nach einem ersten siebenmonatigen Flug soll der 3,5 Meter große, rund vier Tonnen schwere Trace Gas Orbiter (TGO) bis mindestens 2022 als Wissenschaftssatellit um den Mars kreisen. Die Sonde soll die Mars-Atmosphäre auf Spuren von Methan untersuchen, das der ESA-Satellit Mars Express 2004 entdeckt hatte. Erforscht werden soll, woher das Spurengas stammt, ob biologische Organismen dafür infrage kämen.

"Ich erwarte, dass wir Methan nachweisen und besser verstehen, wie es entsteht."

Jorge Vago, ESA-Wissenschaftler

Verschiedene Instrumente zeigen uns den Mars

Die ExoMars-Mission will uns Neues über den Mars verraten.

Um die Marsoberfläche genauer unter die Lupe zu nehmen, hat der TGO zum Beispiel das Stereokamera-System CaSSIS (Colour and Stereo Surface Imaging System) an Bord. Es hat eine Auflösung von fünf Metern pro Pixel und wird Farb- und 3D-Aufnahmen machen. Mit dem NOMAD-Spektrometer (Nadir and Occultation for Mars Discovery) und dem Infrarotinstrument ACS (Atmospheric Chemistry Suite) können Spurengase wie Methan in der Atmosphäre ausfindig gemacht werden. Der Neutronendetektor FREND (Fine Resolution Epithermal Neutron Detector) kann Wasserstoff auch unter der Marsoberfläche aufspüren. Mit seiner Hilfe soll eine Wassereis-Karte vom Mars entstehen.

Landemodul Schiaparelli soll auf den Mars segeln

Das Schiaparelli-Modul soll vom Trace Gas Orbiter (TGO) abkoppeln und zur Marsoberfläche fliegen.

Am 19. Oktober 2016 soll vom TGO-Satelliten das Modul "Schiaparelli" abkoppeln. Es wurde nach dem italienischen Astronom Giovanni Schiaparelli (1835-1910) benannt und soll dann per Fallschirm zur Marsoberfläche hinabsegeln. Das Modul ist mit verschiedenen Messsensoren ausgestattet: Drei sogenannte COMARS-Sensoren (Combined Aerothermal and Radiometer Sensor) messen zum Beispiel die Temperaturverteilung im Luftstrom an verschiedenen Stellen des Raumfahrzeugs und den Druck während des Eintritts in die Marsatmosphäre. Schiaparelli soll während seiner Reise zum Boden Daten und wertvolle Erfahrungswerte sammeln für die zweite Etappe von ExoMars: Voraussichtlich 2020 soll mit der zweiten Proton-M-Rakete ein Rover zum Mars geschickt werden. Er ist das Herzstück des Projekts. "Wir müssen nicht nur auf der Oberfläche nach Leben suchen, sondern dafür sehr tief gehen", erklärt Jorge Vago. Dazu ist der Rover mit einem Bohrer ausgestattet, der bis zu zwei Meter tief bohren kann. Der US-Rover Curiosity, der seit 2012 auf dem Mars im Einsatz ist, kommt nur einige Zentimeter tief.

"Vielleicht haben wir total Glück und finden so tolle organische Proben, dass wir beweisen können, dass es Leben gab. Aber das halte ich für nicht sehr wahrscheinlich."

Jorge Vago, ESA-Wissenschaftler

Roter Planet Mars

  • Farbe: Eisenoxid färbt den Planeten rot
  • Name: Wegen seines roten Schimmers benannten ihn die Römer nach ihrem Kriegsgott Mars
  • Durchmesser: 6.794 Kilometer - etwa die Hälfte des Erddurchmessers
  • Schwerkraft: rund 3,7m/s² - etwa ein Drittel der Erdanziehung
  • Dauer eines Marstages: 24 Stunden und 37 Minuten
  • Dauer eines Marsjahres: 669 Marstage oder 687 Erdentage
  • Durchschnittstemperatur: minus 55 Grad Celsius
  • Marsatmosphäre: hauptsächlich Kohlendioxid (95 Prozent), Sauerstoff nur 0,13 Prozent
  • Distanz Erde-Mars: zwischen rund 56 Millionen und mehr als 400 Millionen Kilometern aufgrund untersch. Geschwindigkeiten auf ihren Bahnen um die Sonne

Knackpunkte Start und Landung

Jorge Vago beschäftigt sich seit 2002 mit der Marsforschung bei der ESA. Jetzt ist er als Wissenschaftler am ExoMars-Programm beteiligt.

Das Projekt ExoMars soll auch zur Vorbereitung von späteren Missionen dienen. Die Raumfahrtbehörden wollen herausfinden, welche Gefahren es bei einer bemannten Landung auf dem Mars geben könnte. Allein die ESA hat rund 1,3 Milliarden Euro in das Projekt ExoMars investiert. Nochmal so viel hat wahrscheinlich auch Roskosmos beigesteuert. Schon beim Start könnte ein großer Teil davon in der Luft verpuffen: Proton-Raketen gelten als anfällig und können explodieren. Auch die Landung auf dem Mars ist heikel und bereitet Jorge Vago etwas Bauchschmerzen: "Auch wenn wir alles gut vorbereitet haben, wir werden auf unseren Stuhlkanten sitzen, bis wir wissen, dass Schiaparelli auf dem Mars gelandet ist."


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