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Juri Gagarin Der erste Mensch im All

Sein Flug dauerte nur 108 Minuten, doch er machte Juri Gagarin für immer zur Legende: Am 12. April 1961 flog der Kosmonaut als erster Mensch in den Weltraum. Zwei Stunden, die Weltraumgeschichte schrieben.

Stand: 08.03.2016

Am 12. April des Jahres 1961 treffen Anna Tachtarowa und ihre sechsjährige Enkelin Rita in der Nähe des Dorfes Smelowka, unweit der Stadt Engels, auf einen Außerirdischen. Er trägt einen orangefarbenen Raumanzug, sein Kopf steckt in einem klobigen weißen Helm. Langsam und etwas unbeholfen kommt er auf sie zu. Die beiden wollen schon weglaufen, da nimmt die Gestalt den Helm ab und ruft: "Ich bin ein Freund, Genossen, ich bin ein Freund!" Wenige Sekunden später kommen Raumfahrt-Techniker angerannt. Sie begrüßen den Mann, der als erster in den Weltraum geflogen war: Juri Alexejewitsch Gagarin.

"Nicht entfernen!"

108 Minuten hatte Gagarins Flug um die Erde gedauert. Der erste Mensch im All sollte aber bei seiner Rückkehr eigentlich nicht vor einer Waldarbeiterin landen. Doch die sowjetischen Ingenieure hatten sich beim vorgesehenen Landeplatz gründlich verrechnet. Gagarin hatte zudem beim Landeanflug aus Sicherheitsgründen in sieben Kilometer Höhe den Schleudersitz betätigt und war an einem Fallschirm zur Erde geflogen. Die Kapsel landete hingegen - ziemlich hart - vier Kilometer weit von Gagarins Landeplatz. An diesem wurde sofort ein Schild aufgestellt. Darauf stand nur: "Nicht entfernen! 12.4.1969 10:55 Uhr". Die Behörden wollten sicher gehen, dass ein späteres Denkmal auch wirklich an der echten Landestelle errichtet wird.

Steile Karriere

Gagarin nach einem Trainingsflug

Sein Flug machte Gagarin zum sozialistischen Vorzeigehelden und zum "ersten Popstar des Ostblocks". Anfangs hatte aber nichts darauf hingedeutet, dass Gagarin der erste Mensch im Weltraum werden könnte. Am 9. März 1934 kam er in dem Dorf Kluschino zur Welt, rund 180 Kilometer westlich von Moskau. Im Jahr 1951 ging er in die Hauptstadt und macht dort eine Ausbildung zum Gießer. 1955 musste Gagarin zur Armee. Fünf Jahre später war er Kampfjetflieger und damit ein idealer Kandidat für das ehrgeizige Raumfahrtprogramm des Landes.

"Botschafter des Friedens" bei der Queen

Gagarin reiste nach seinem historischen Flug als "Botschafter des Friedens" um die Welt. Für die Staatspropaganda erwies er sich als Glücksgriff. Sein Charme und seine Spontaneität zeigten selbst bei der Königin von England Wirkung. "Ich kann zwar um die Erde fliegen, aber mit dem Besteck kenne ich mich nicht aus", sagte er beim Empfang der Queen. Diese raunte ihm zu: " Ich bin in diesem Palast geboren worden. Und sogar ich komme immer noch durcheinander."

Kosmonaut fällt mit Chruschtschow

Chruschtschow, Gagarin und Breschnew

1964 kam es in der Sowjetunion zum Machtwechsel: Gagarins Förderer Chruschtschow wurde abgesetzt. Mit einem Schlag verlor Gagarin alle seine politischen Kontakte. Chruschtschow hatte seinen ersten Kosmonauten immer als Friedensbotschafter inszeniert. Unter Breschnew dagegen fing das Wettrüsten wieder an. Für Gagarin hatte dieser keine Verwendung.

Gagarin will erneut ins All

Gagarin wollte es nun noch einmal allen zeigen. Er bewarb sich für neue Weltraummissionen. Daraus wurde zwar nichts, aber er hatte Erfolg als Kosmonautenausbilder. Am 27. März 1968 jedoch stürzte der Mann, der im All mit Blick auf die Erde den Begriff vom "Blauen Planeten" prägte, beim Test eines Jagdflugzeugs bei Moskau ab.

Gerüchte um Absturz

Gagarins Grab an der Kremlmauer.

War es ein Pilotenfehler, eine technische Panne oder gar Sabotage? Um die Ursache des Absturzes ranken sich noch immer Gerüchte. Gagarins Urne wurde bei einem Staatsbegräbnis in der Kremlmauer beigesetzt. Sein früher Unfalltod machte ihn endgültig zur Legende. So wurde beispielsweise seine Heimatstadt Gschatsk in Gagarin umbenannt und auf dem Mond trägt heute ein riesiger Krater seinen Namen.

Die ersten im All


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