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Glück im Gehirn Happy, hyggelig, herzerfrischend

Wenn es einen Weltglückstag, einen Glücksatlas, Glücksschulungen und eine Glücksministerin gibt, dann ist es Zeit, sich über das Glück Gedanken zu machen: Was macht eigentlich glücklich? Und was passiert dann in unserem Gehirn?

Stand: 20.03.2017

Am 20. März ist Weltglückstag!

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat den 20. März zum "Internationalen Tag des Glücks" erklärt. Er soll daran erinnern, dass zum Glück mehr gehört als Wirtschaftswachstum und Umsatz - nämlich Mitgefühl, Gemeinwohl und nachhaltige Entwicklung.

Der Duden definiert Glück als eine "angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat". Es sei ein "Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung". Glücksforscher sprechen von einem subjektiven Wohlbefinden, das für jeden etwas anderes bedeuten kann. Für Psychologen ist es gekennzeichnet vom häufigen Auftreten positiver Gefühle und seltenem Auftreten negativer Emotionen.

Zu viel des Guten

James Olds, Psychologe an der University of Michigan, hat Ende der 1950er-Jahre das Lustzentrum im Gehirn entdeckt. Bei Versuchen mit Laborratten war ihm aufgefallen, dass sie die elektrische Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mochten. Als sie diese Region per Knopfdruck selbst stimulieren konnten, drückten sie den Knopf so lange, bis sie vor Durst, Hunger und Erschöpfung fast am Glücksrausch gestorben wären.

Die Chemie des Glücks

Wenn etwas geschieht, das besser ist als erwartet, werden die Neuronen im Mittelhirn aktiv: Sie stoßen den Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn ins untere Vorderhirn sowie ins Frontalhirn weiter. Im Vorderhin treibt das Dopamin die dortigen Neuronen dazu an, opiumähnliche Stoffe zu produzieren - die machen uns euphorisch. Im Frontalhirn führt das Dopamin dazu, dass unser Gehirn besser funktioniert und auch gleich zum Empfinden von Glück geschärft wird: Es steigert unsere Aufmerksamkeit, wir merken uns dieses glücklichmachende Ereignis. So lernen wir, was uns gut tut. Eigentlich ist das Glücksgefühl also nur ein Nebenprodukt unseres Lernvermögens. Das Glücksempfinden flaut auch wieder ab - mit einer Überdosis Euphorie würde uns das gleiche Schicksal wie den Ratten im Glück-per-Knopfdruck-Versuch ereilen.

"Unser Gehirn ist nicht dafür gebaut, dauernd glücklich zu sein, aber es ist süchtig danach, nach Glück zu streben."

Manfred Spitzer

Unseres Glückes Schmied

Internationalen Studien zufolge wird die Veranlagung zum Glücklichsein zu etwa 50 Prozent von unseren Genen bestimmt. Die Lebensumstände machen rund 10 Prozent aus. Die restlichen 40 Prozent haben wir selbst in der Hand. Was können wir also zu unserem eigenen Glück beitragen?

Was uns glücklich macht

Die UNO hat Glücks-Grundbedingungen aufgestellt:

  • mindestens 2.500 Kalorien pro Tag
  • einen Wasserverbrauch von 100 Litern am Tag
  • mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum
  • einen Platz zum Kochen
  • eine sechsjährige Schulbildung

Glücksforscher haben ganz bestimmte Faktoren erhoben, die uns glücklich machen:

  • eine stabile Beziehung
  • Freundschaft
  • Geselligkeit
  • Gesundheit
  • einen den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Beruf
  • Kinder
  • ausreichend Geld zur Erfüllung der Grundbedürfnisse

"Glück besteht aus einem hübschen Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung."

Jean Jacques Rousseau

Mehr Zeit fürs Glück

Mehr Zeit für sich und andere macht glücklich und beugt Stress vor

Johannes Hirata, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Osnabrück, hat noch eine weitere Idee: "Ich bin der Überzeugung, dass es uns gut tun würde, wenn wir in Vollzeitjobs weniger arbeiten würden, vielleicht 30 Stunden pro Woche. Wir hätten mehr Zeit füreinander, für unsere Kinder und für uns selbst, könnten die vielen Anforderungen besser unter einen Hut bringen und hätten so weniger Stress."

"Gott, was ist Glück? Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen, das ist schon viel."

Theodor Fontane

Dem Glück auf die Sprünge helfen

Die Botenstoffe, die die positiven Gefühle hervorrufen, werden auch bei einer Meditation oder beim Sport ausschüttet. Beim Meditieren geht der ganze Organismus in einen ausgeglicheneren Zustand über, den das Gehirn als angstfrei und entspannt deutet. Ähnlich ist es bei körperlicher Aktivität: Sie hebt die Laune, weil das Gehirn dann vermehrt Serotonin und Endorphin ausschüttet.

Das Glück trainieren

Öfter mal was Neues: mehr Abwechslung, mehr Glück

Glücksbotenstoffe werden auch ausgeschüttet, wenn wir einen abwechslungsreichen, aufregenden Alltag haben. So schreibt Stefan Klein in seinem Buch "Die Glücksformel", dass man das Glück wie eine Fremdsprache lernen und trainieren kann: Freude, Lust, Aufmerksamkeit, Neugier und Lernen seien untrennbar miteinander verbunden. Deshalb sei es wichtig, sich um menschliche Beziehungen zu bemühen, Kontraste und Herausforderungen zu suchen und einen aktiven Alltag zu leben.

Von Glücksministern, Glücksstaaten und Glücksrezepten

Glücksministerin

Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist 2012 als Kunstprojekt an der Mannheimer Hochschule für Gestaltung gestartet. Die aktuelle, selbsternannte Glücksministerin ist die 30-jährige Kommunikationsdesignerin Gina Schöler. Sie ist keine Wissenschaftlerin, sondern versteht sich als Glücksbotschafterin.

Staatsglück

Das asiatische Königreich Bhutan hat in den 1970er-Jahren das Glück seiner Bevölkerung zum Staatsziel erklärt und besitzt tatsächlich ein echtes Glücksministerium.

Glücksrecht

Das "Streben nach Glück" (pursuit of happiness) haben die Gründerväter der USA als eines der unveräußerlichen Rechte in die Unabhängigkeitserklärung mitaufgenommen.

Glücksatlas

Laut dem UN-World Happiness Report von 2017 sind die Menschen in Norwegen am glücklichsten. Sie haben die zweitplatzierten Dänen überholt, die zuvor Rang eins innehatten. In der vom Earth Institute der Columbia-Universität in New York erstellten Liste von 155 Staaten folgen Island und die Schweiz. Deutschland belegt wie im vergangenen Jahr Rang 16.

Glücksrezept

Hygge gilt oft als das Glücksrezept der Dänen, lässt sich jedoch nicht einfach ins Deutsche übersetzen. Es meint so viel wie Gemütlichkeit und Wärme. "Es ist eine subjektive Erfahrung, etwas, das uns gefällt und Sicherheit gibt. Hygge heißt auch, die Welt draußen zu lassen, sich abzuschotten", sagt der dänische Anthropologe Jeppe Linnet. "Etwas, das dir innere Wärme gibt", beschreibt die dänische Modedesign-Studentin Elisabeth Andersen.

Glückstraining

Der Psychologe Tobias Rahm entwickelt an der Technischen Universität Braunschweig ein spezielles Glückstraining für Lehrer. Es soll einem Burn-out vorbeugen und kreativer machen. In den Kursen sollen die Pädagogen mit speziellen Übungen lernen, ihre "Glücksanfälligkeit" zu erhöhen.

Glückliche Menschen sind aktiver und kreativer

Glückliche Menschen sind kreativ, selbstbewusst und mutig.

Professor Ruut Veenhoven sammelt seit mehr als zwanzig Jahren an der niederländischen Erasmus-Universität in Rotterdam alle weltweiten Glücksstudien in der "World Database of Happiness". Dabei hat er festgestellt, dass glückliche Menschen insgesamt aktivere Menschen sind, deren Selbstwertgefühl steigt, wenn sie sich gefordert fühlen. Das macht sie auch kreativer: "Glückliche Menschen sind weniger ängstlich. Weil sie sich glücklich fühlen, denken sie, 'ich kann das' – und dieses Selbstbewusstsein braucht man, um kreativ zu sein."

"Dein Glück hängt von den guten Gedanken ab, die du hast."

Marc Aurel


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