So könnte es vor 65 Millionen Jahren gewesen sein.
Die Illustration veranschaulicht den katastrophalen Asteroideneinschlag auf der Erde vor 65 Millionen Jahren: Er könnte zu einem gewaltigen Klimawandel geführt haben, der schuld am Aussterben der Dinosaurier war.
Asteroidenabwehr Die Erde vor knallharten Feinden schützen
Vor 65 Millionen Jahren verursachte ein Asteroid einen Klimawandel. 1908 entwurzelte eine Asteroidenexplosion in Sibirien Millionen Bäume. In Bayern hinterließ ein Einschlag einen riesigen Krater. Ein Projekt unter deutscher Leitung soll solche Katastrophen künftig verhindern.
Im Jahr 2029 wird uns erneut ein großer Asteroid gefährlich nahe kommen: Der 300-Meter-Klumpen Apophis, benannt nach dem altägyptischen Gott der Finsternis und des Chaos, soll uns nur um rund 30.000 Kilometer verfehlen. Was wäre, wenn er seinen Kurs bis dahin doch noch minimal ändert? Oder wenn ein anderes Geschoss wie aus dem Nichts auftaucht und auf die Erde zurast? Für solche Szenarien will eine internationale Kooperation in Zukunft gerüstet sein: Das Projekt "NeoShield", das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geleitet wird, erforscht Methoden, mit denen Einschläge von Kometen und Asteroiden verhindert werden können.
"Wir wollen möglichst viel über unseren Feind herausfinden, der Kurs auf die Erde nehmen könnte."
Alan Harris, Asteroidenforscher am DLR und Projektleiter von NeoShield
Mehr als 8.000 Asteroiden und Kometen verzeichnet
Asteroiden
Asteroiden gelten als Urmaterie unseres Systems, die bei der Entstehung der Planeten und Monde übrigblieb.
In den vergangenen zwanzig Jahren wurden Tausende von Asteroiden und Kometen in der Nähe der Erde entdeckt: Rund 8.000 NEOs (= Near Earth Objects) sind bislang verzeichnet, jeden Monat kommen 70 weitere hinzu. "Eine gefährliche Kollision mit der Erde ist etwa alle paar hundert Jahre wahrscheinlich", schätzt Asteroidenforscher und Projektleiter Alan Harris. Mit einer Geschwindigkeit von fünf bis 30 Kilometern pro Sekunde rasen die kosmischen Geschosse durchs All. "Um ihre Umlaufbahn zu ändern und eine Kollision zu verhindern, muss man eine Kraft auf sie ausüben. Und zwar rechtzeitig", warnt Harris.
Daten aus Sicht der Asteroidenforscher neu aufrollen
Hierfür müssen die Wissenschaftler zuerst die physikalischen Eigenschaften von Kometen und Asteroiden kennen: Die Planetenforscher des DLR bringen deshalb ihr Wissen über die Zusammensetzung, Struktur und Oberflächenbeschaffenheit von Asteroiden und Kometen ein. Außerdem analysiert das Team um Harris Beobachtungsdaten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten: "Die Daten wurden bisher noch nicht genügend aus der Sicht der Asteroidenabwehr untersucht", erklärt Harris. Die Asteroidenforscher wollen klären, wie bedrohliche Asteroiden vom Boden aus beobachtet werden können und welche Missionen im Weltall nötig sind, um mehr über ihre Eigenschaften zu erfahren. Abhängig von der Größe eines Asteroiden sowie von der Zeit, die zwischen seiner Entdeckung und einem möglichen Eintritt in die Erdatmosphäre liegt, könnten dann verschiedene Methoden zum Einsatz kommen, die die Wissenschaftler ebenfalls noch im Detail erforschen wollen.
Mögliche Abwehrmethoden
Sanfte Ablenkung durch Raumsonde
Wird ein Asteroid auf Kollisionskurs Jahre vor einem möglichen Zusammenstoß entdeckt, wäre eine schmerzfreie Abwehrmethode denkbar: Wenn man eine Raumsonde nah an den Asteroiden lenkt, könnte sich ihre Gravitation auf ihn auswirken und ihn - wie von einem Seil gezogen - ablenken. Allerdings würde es mehrere Jahre dauern, bis man eine ausreichende Veränderung seiner Umlaufbahn erreicht hat.
"Bislang existiert diese Methode nur auf dem Papier, aber sie könnte funktionieren", urteilt Asteroidenforscher Alan Harris.
Harte Ablenkung
Auch die zweite, dringlichere Abwehrmöglichkeit beinhaltet den Einsatz einer Raumsonde: Lenkt man sie gezielt auf den Asteroiden, kann ihn ihr Einschlag buchstäblich aus der Bahn werfen. Hierfür muss jedoch noch geklärt werden, wie die Raumsonde gesteuert werden soll, damit sie ihr Ziel sicher und im korrekten Winkel trifft. In Laborexperimenten wollen die Wissenschaftler noch herausfinden, wie sich ein Asteroid genau bei einer Kollision verhält.
"Das ist meiner Meinung nach eine sehr realistische Methode", meint Projektleiter Harris.
Nukleare Explosion
Nur wenn die Zeit drängt, käme für Alan Harris die ganz harte Methode in Betracht: "Würde man ein sehr großes gefährliches Objekt mit einem Durchmesser von einem Kilometer oder mehr entdecken, würden die beiden anderen Methoden das Problem wahrscheinlich nicht mehr lösen." Die größte Kraft, die man dann einsetzen könnte, wäre eine nukleare Explosion. Ebenfalls eine Lösung, die die Wissenschaftler untersuchen wollen - allerdings ohne eine konkrete Mission dafür zu planen. Erforscht werden soll, wie sich eine Explosion in unmittelbarer Nähe eines Asteroiden oder auf seiner Oberfläche im luftleeren Weltraum auswirkt.
"Diese Methode wird aber sehr kontrovers gesehen", sagt Alan Harris.
Fahrplan bei drohender Kollision
Die Ergebnisse der Asteroidenbeobachtungen und der Laborexperimente sollen kontinuierlich in Computersimulationen einfließen. Nach dreieinhalb Jahren sollen weitreichende Kenntnisse über Asteroiden und ihre mögliche Abwehr vorliegen. Und das Projekt soll noch einen Schritt weitergehen: "Wir planen auch internationale Raumfahrt-Missionen, mit denen man in einigen Jahren die erforschten Abwehrmethoden testen könnte." Am Ende soll ein Fahrplan stehen, der bei einer drohenden Asteroidenkollision in Aktion tritt. "Wir möchten dafür etwas vorschlagen, das Anfang der 20er-Jahre demonstriert werden kann", sagt Wolfram Lork, Leiter des Projekts beim Raumfahrtkonzern Astrium in Friedrichshafen. Er sei "zuversichtlich, dass das von der technischen Seite her bis dahin geht". 2029 wird man die Abwehrmechanismen hoffentlich nicht brauchen, wenn Apophis sich der Erde nähert.
NEOShield - Die Fakten
Im Januar 2012 wurde die internationale Kooperation NEOShield gegründet. Alan Harris, Asteroidenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, leitet das Projekt. Insgesamt 13 Institutionen aus Forschung und Industrie werden dreieinhalb Jahre lang gemeinsam erforschen, wie Einschläge von Asteroiden und Kometen verhindert werden können.
Beteiligt sind:
- Fraunhofer Ernst-Mach-Institut (Deutschland)
- Astrium GmbH (Deutschland)
- Observatoire de Paris (Frankreich)
- Centre Nationale de la Recherche Scientifique (Frankreich)
- Astrium S.A.S. (Frankreich)
- The Open University (Großbritannien)
- The Queen's University of Belfast (Großbritannien)
- Astrium Limited (Großbritannien)
- University of Surrey (Großbritannien)
- Deimos Space (Spanien)
- TsNIIMash (Russland)
- Carl Sagan Center (USA)
- SETI Institute Corporation (USA)
Die Europäische Union unterstützt das Projekt mit vier Millionen Euro. Weitere 1,8 Millionen Euro steuern die beteiligten Partner bei.

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