BAYERN 3 - Kino & DVD

Köstliche Sozialkomödie Ziemlich beste Freunde

Als sich der senegalesische Migrant Driss (Omar Sy) beim steinreichen, aber querschnittsgelähmten Pariser Aristokraten Philippe (Francois Cluzet) um den Job eines Pflegers bewirbt, ist es für ihn eigentlich reine Formsache. Mit ein paar kessen Sprüchen auf den Lippen will er sich möglichst schnell die Absage und die nötige Unterschrift fürs Arbeitsamt einhandeln, damit er weiter staatliche Hilfe kassieren kann.

Autor: Walli Müller Stand: 01.01.2012
Filmszene aus "Ziemlich beste Freunde" | Bild: Senator Film

Doch dann kommt alles anders. Philippe findet spontan Gefallen an der Direktheit des Burschen und engagiert ihn – erst mal für zwei Wochen Probezeit. Driss zieht staunend in die prunkvoll antiken Gemächer des Pariser Stadt-Palais‘ ein und versorgt erst widerstrebend, dann immer selbstverständlicher den reichen Patienten. Nach anfänglicher Skepsis müssen auch die übrigen - ausschließlich weißen – Hausangestellten einsehen, dass Driss seinem latent depressiven Arbeitgeber verdammt gut tut. Und umgekehrt ...

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: vier von fünf Filmklappen | Bild: BR

"Richtig nett!"

Diese zwei sind wirklich das netteste ungleiche Paar seit Richard Gere und "Pretty Woman"! Vielleicht ist die Freundschaft zwischen dem unvoreingenommenen Pariser Aristokraten und dem gutmütigen Ex-Knasti aus dem Brennpunktviertel auch genau so unrealistisch wie einst die Liaison zwischen steinreichem Geschäftsmann und reizend unverdorbener Prostituierter. Aber als Filmmärchen funktioniert’s ganz großartig!

Bloß kein Mitleid!

Wie hier kernige Bodenständigkeit auf großbürgerliche Attitüde, gesunder Menschenverstand auf bourgeoisen Kunstbegriff, Cool & the Gang auf Chopin und ein unverschämter Mutterwitz auf distinguierten Humor trifft, das ist ein großes Vergnügen. Nicht zuletzt, weil beide Darsteller – Routinier Francois Cluzet und Neuling Omar Sy – ihre Rollen mit so viel Herz und Charme spielen. Man kann gut nachvollziehen, warum der vermögende, noble, aber körperlich hilflose Herr sich ausgerechnet bei diesem kräftigen, ungehobelten schwarzen Riesen in guten Händen fühlt. "Er hat kein Mitleid mit mir" – und genau darauf kann der schwer Leidende gut verzichten!

Unverschämt witziger Kerl

Dass Driss sich kein bisschen zusammenreißt und dem Querschnittsgelähmten die bösesten Behinderten-Witze an den Kopf schmeißt; dass er ihm ständig das Telefon reicht, weil er vergisst, dass Philippe die Arme nicht bewegen kann – das gefällt dem Patienten, während seine Umwelt sorgenschwer den Kopf schüttelt. Man kann als ZuschauerIn ja selbst kaum glauben, dass ein schwarzer Junge aus der Pariser Vorstadt in einem Film mal grundanständig sein darf und wartet ständig darauf, dass er die Villa ausräumt oder von seiner kriminellen Vergangenheit eingeholt wird …

Kassenhit in Frankreich

Was Driss im Überfluss hat – wenn schon sonst nichts – ist Lebensfreude, Gefallen an schönen Frauen, Lust an grooviger Musik und ein unendliches Repertoire an coolen Sprüchen. Und all das beflügelt nicht nur den ganzkörpergelähmten Philippe, sondern auch das Publikum. In Frankreich war die Komödie mit rund 16 Millionen Zuschauern der Kassenhit des Jahres.

Fazit: Vielleicht zu schön, um wahr zu sein - aber die Freundschaft zwischen Underdog und Millionär ist herzerwärmend, glaubwürdig gespielt und ein ganz wunderbarer Kino-Spaß!

Infos:

  • Originaltitel: Intouchables
  • Genre: Komödie
  • Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache
  • Drehbuch: Eric Toledano, Olivier Nakache
  • Darsteller: Francois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Mollet, Alba Gaia Bellugi, Cyril Mendy, Christian Ameri, Marie-Laure Descoureuax, Grégoire Oestermann
  • Kamera: Mathieu Vadepied
  • Musik: Ludovico Einaudi
  • Kinostart: 05.01.2012
  • FSK-Freigabe: ab 6 Jahren