BAYERN 3 - Kino & DVD

Anti-Romantik Young Adult

Mavis Gary (Charlize Theron) hat es geschafft: Sie lebt in New York als erfolgreiche Schriftstellerin und führt das Leben, das sie sich als Mädchen vom Lande immer gewünscht hat. So sieht es zumindest aus.

Autor: Julia Binder Stand: 20.02.2012
Young Adult - Filmszene | Bild: Paramount Pictures

In Wirklichkeit ist Mavis frisch geschieden, alkoholabhängig, depressiv und die Jugendbuchreihe, die sie als Ghostwriterin verfasst, soll eingestellt werden. Als die 37-Jährige in dieser schwierigen Situation erfährt, dass ihre Jugendliebe Buddy Slade (Patrick Wilson) Vater geworden ist, fasst sie einen Plan. Sie will Buddy aus seinem spießigen Familienleben befreien und mit ihm zusammen das perfekte Leben führen. Bei der Rückkehr in ihr Heimatdorf tut Mavis alles, um ihr Vorhaben umzusetzen. Damit macht sie sich aber nicht unbedingt beliebt.  

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: vier von fünf Filmklappen | Bild: BR

"Bedrückend!"

Mit "Juno" und "Up in the Air" feierte Regisseur Jason Reitman große Erfolge. Für sein neues Projekt arbeitete er wieder mit der Drehbuchschreiberin von "Juno" zusammen und besetzte die Hauptrolle mit Charlize Theron - was sollte da noch schief gehen? "Young Adult" ist in der Tat ein großartiger Film geworden, der fern ab von Schönheitsidealen und vorgefertigten Schablonen das völlig entgleiste Leben einer an sich großartigen Frau zeigt.

Facettenreiches Biest

Charlize Theron beweist einmal mehr, welch hervorragende Schauspielerin sie ist. Theron stellt die depressive, verbitterte Mavis mit solch einer Eindringlichkeit dar, dass man sich schwer tut, nicht in ihren Bann gezogen zu werden. Es gibt nichts, was man an Mavis sympathisch finden könnte, doch Therons facettenreiches Spiel verleiht selbst diesem fiesen Biest so viel Charakter, dass man sich dabei ertappt, doch ein bisschen fasziniert zu sein von dieser kranken Frau. Trotz ihrer bemerkenswerten Präsenz und Ausstrahlung lässt Theron auch Andere neben sich wirken. Vor allem Patton Oswalt als ehemaliger Mitschüler von Mavis, der bis heute unter seinem Außenseiter-Dasein leidet, steht Theron schauspielerisch in Nichts nach.

Peinlich bis Mitleid erregend

Die Story ist durch und durch bedrückend. Sie ist nachvollziehbar, frei von Klischees und die Intensität steigert sich unablässig, ohne vorhersehbar auf ein Happy End zuzusteuern. Als Zuschauer befindet man sich in einem Wechselbad der Gefühle: Von peinlichen Aktionen, bei denen man sich fremdschämend in den Kinosessel duckt über ein abschreckend arrogantes Auftreten bis hin zu Mitleid erregenden Hilfeschreien bietet Theron als Mavis in diesem Drama alles. Dies macht es nicht unbedingt leicht und vergnüglich, "Young Adult" anzusehen.

Fazit: Dieses Drama ist definitiv kein Kandidat für einen heiteren Kinoabend, es lässt einen als Zuschauer mit einem komischen Gefühl zurück. Doch "Young Adult" ist in jedem Falle ein guter, sehenswerter Film. Empfehlenswert für Anti-Romantiker und die, die selbst gern nochmal jung wären.

Infos:

  • Originaltitel: Young Adult
  • Genre: Drama 
  • Regie: Jason Reitman
  • Drehbuch: Diablo Cody
  • Darsteller: Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson, Elizabeth Reaser, Jill Eikenberry, Richard Bekins
  • Kamera: Eric Steelberg
  • Musik: -
  • Kinostart: 23.02.2012
  • FSK-Freigabe: Ab 12 Jahren