Komischer Vogel Woody Allen: A Documentary
Geboren 1935, wuchs Woody Allen – bürgerlicher Name: Allan Stewart Konigsberg – in New York/Brooklyn auf. Schon als Kind verbrachte er seine Zeit lieber im Kino um die Ecke als in der Schule. Und während seinen Eltern für ihn eine Apotheker-Laufbahn vorschwebte, träumte Allen immer nur davon, ins Showgeschäft zu gehen.
Früh werden Agenten auf den begabten jungen Komiker aufmerksam, der sein Geld zunächst als Gag-Lieferant für renommierte Radio-Moderatoren verdient. Sie überzeugen ihn davon, selbst auf die Bühne zu gehen. So wird Woody Allen bald zum Kritikerliebling und gefeierten Star in New York. Der Beginn einer langen, bemerkenswert kreativen Karriere …
Kritik:
Bewertung
"Fast zwei Stunden über Woody Allen, die sich lohnen!"
"Ich habe 40 Filme gemacht. Aber nur wenige davon sind was wert." Die niedrigste Meinung von seinen Filmen hat Woody Allen selbst. Und das ist nicht nur Fishing for Compliments. Der Mann meint, was er sagt – was ihn einerseits irgendwie sympathisch macht (überheblich ist er nun wirklich nicht!), andererseits einen Großteil seines Werks erklärt. Wer zufrieden mit sich ist, ruht sich zwischendurch aus. Woody Allen aber dreht wie ein Besessener jedes Jahr einen neuen Film – immer in der Hoffnung, es diesmal endlich "richtig" zu machen. Und wer keine Krisen kennt, der stellt nicht immer wieder dieselben existenziellen Fragen: Nach Gott, dem Sinn des Lebens und der Sterblichkeit. Der könnte auch niemals so wahrhaftig erzählen von der Sehnsucht nach Liebe und dem Misslingen zwischenmenschlicher Beziehungen.
Ausschnitte aus dem Raritäten-Kabinett
Weil Woody Allen sein Leben lang so fleißig war, ist diese Dokumentation ziemlich umfangreich geraten. Besonders interessant und äußerst unterhaltsam ist das anfängliche Kapitel über seinen Karrierestart als Komiker. Schon als Schüler (der die Schule aus tiefstem Herzen hasst) verdient er sich mit Gag-Schreiben mehr als nur ein Taschengeld. Später ist er gern gesehener Gast in den Comedy- und Late-Night-Shows des US-Fernsehens und auf den angesagten New Yorker Bühnen. Hier bekommt man ein paar urkomische Ausschnitte aus dem Raritäten-Kabinett zu sehen. Vom späteren Werdegang des Regisseurs Woody Allen erzählen viele wunderbare Filmausschnitte – und natürlich auch Freunde und Wegbegleiter, seine Exfrauen und -Geliebten (u.a. Diane Keaton) und seine langjährigen Produzenten.
Schräge Arbeitsweise
Am allerschönsten ist es aber, wenn Woody Allen sich auf seine selbstironische Art persönlich analysiert. Man sieht auch, wie er arbeitet - mit einer vorsintflutlichen Zettel-Wirtschaft. Er tippt heute noch jedes Drehbuch auf der mechanischen Schreibmaschine, die er sich mit 16 gekauft hat! Statt "Cut and Paste" auf dem Computer kommen Schere, Kleber und Klammeraffe zum Einsatz, wenn er noch was umstellen muss. Auch die privaten Fehltritte werden im Film nicht verschwiegen. Nach der skandalösen Affäre mit seiner eigenen Adoptivtochter (mit der er heute verheiratet ist und selbst zwei Adoptivkinder hat) waren Anfang der 90er Jahre ja seine Ehe mit Mia Farrow und sein Ruf komplett ruiniert. Aber er hielt das aus, arbeitete unermüdlich weiter. Die Dokumentation zeichnet sehr genau Woody Allens Entwicklung nach - weg vom reinen Unterhalter hin zum nachdenklichen, tragikomischen, philosophischen Filmemacher, dessen SchauspielerInnen überdurchschnittlich oft zu Oscar-Ehren kommen.
Fazit: Stimmiges und kurzweiliges Porträt eines Künstlers, der lieber das Scheitern in Kauf nimmt, als immerzu Lorbeeren für das zu ernten, was er erwiesenermaßen gut kann. Die Doku macht Lust, sich einige seiner Filme noch mal oder endlich mal anzuschauen.
Infos:
- Originaltitel: Woody Allen: A Documentary
- Genre: Dokumentarfilm
- Regie: Robert B. Weide
- Drehbuch: Robert B. Weide
- Darsteller: Woody Allen, Diane Keaton, Louise Lasser, Martin Landau, Scarlett Johansson, Penélope Cruz, Josh Brolin, Dick Cavett, Larry David, Letty Aronson, Martin Scorsese
- Kamera: Neve Cunningham, Anthony Savini, Nancy Schreiber, Bill Sheehy, Buddy Squieres
- Musik: -
- Kinostart: 05.07.2012
- FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

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