Wilder Rotschopf Merida - Legende der Highlands
Prinzessin Merida hat es im Mittelalter als Tochter des schottischen Königspaars Fergus und Elinor nicht leicht: Sie soll sticken lernen und übt sich doch viel lieber im Bogen schießen; sie soll sich wie eine feine Prinzessin benehmen und galoppiert doch viel lieber wild auf ihrem Pferd herum. Und schließlich soll sie auch noch verheiratet werden – mit einem grobschlächtigen Clan-Sohn!
Merida schaltet auf stur und reißt von zu Hause aus. Als Irrlichter sie zu einem Hexenhaus führen, sieht sie das als Wink des Schicksals. Sie lässt sich von der Hexe einen Kuchen zaubern, der ihre Mutter verändern soll. Sie ahnt ja nicht, was "Veränderung" in diesem Fall genau bedeutet. Vor ihren Augen verwandelt sich die Mutter in einen riesigen, Furcht erregenden Bären …
Kritik:
Bewertung
"Diesen Wildfang muss man einfach mögen!"
Von der kochenden Ratte in "Ratatouille" über den einsamen Roboter in "WALL-E" bis hin zum fliegenden Rentner in "Oben" - die Animationskünstler von Pixar sind die Könige der Trickfilm-Branche, weil sie nicht einfach nur "nette Kinderfilme" liefern, sondern komplexe kleine Dramen in liebevoll gestalteter Animations-Optik. Seit 2004 gab's (mit einer Unterbrechung) sechs Oscars am Stück! Da erwartet man natürlich weiter Großes – und ist dann etwas überrascht, dass es diesmal tatsächlich "nur" ein "netter Kinderfilm" geworden ist. "Merida" erinnert ein wenig an die Disney-Zeichentrick-Ära mit Heldinnen wie "Arielle" oder "Pocahontas". Und doch ist sie eine zeitgemäße Heldin. Denn der ungestüme kleine Wirbelwind eignet sich prima als Identifikationsfigur für Mädchen, denen das ewige rosa Lillifee-Getue allmählich zum Halse raushängt. Und wird auch Jungen gefallen, die Mädchen mögen, mit denen man auf Bäume klettern kann …
Wilde Weibsen und Bestien
Der Film erzählt die inzwischen schon klassisch moderne Geschichte einer weiblichen Heldin, die um ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben kämpft. Merida nämlich hat ihr Prinzessinnenleben samt privilegierter Mädchen-Erziehung gründlich satt und kann die alter Leier ihrer Mutter nicht mehr hören: "Eine Prinzessin tut dies nicht, eine Prinzessin tut das nicht…" Ein Reifungsprozess auf beiden Seiten - bei Mutter UND Tochter – ist nötig und wird angestoßen durch die Verwandlung der Mutter in einen Bären. Dieser ist so naturgetreu animiert in Sachen Bewegung, Fell und Gebiss, dass "Merida" für kleine Kinder ein Horrorfilm wäre. Deshalb wird der Streifen wohl erst ab 6 Jahren frei gegeben. Und bei den finalen Bärenkampfszenen sollte auf dem Schoß von Mama oder Papa Platz sein!
Grotesk überzeichnete Raufbolde
Wie immer bei Pixar gibt es aber auch viel zu lachen. Zum Beispiel über Meridas drollige und irgendwie auch trollige Drillings-Brüder, die nur Unsinn anstellen. Und überhaupt ist das männliche Personal in diesem archaischen Mittelalter-Ambiente grotesk überzeichnet. Meridas Papa ist ein Kerl nicht wie ein Schrank, sondern wie eine Schrankwand! Und seine Clan-Brüder: ein wüster Haufen wild behaarter, großnasiger, rauflüsterner Rüpel, die sich um Prinzessin Merida kloppen. Zum stimmungsvollen Soundtrack gehören – natürlich! – Dudelsäcke genauso wie ätherisch poppige Klänge. Eine krampfhafte Übersetzung der Songtexte ins Deutsche bleibt dem Publikum hier zum Glück erspart.
Fazit: Vielleicht nicht so originell wie viele der bisherigen Pixar-Werke, aber toll animiert (auch mit gelungener 3 D-Optik), kurzweilig und ganz schön spannend!
Infos:
- Originaltitel: Brave
- Genre: Animationsfilm
- Regie: Mark Andrews, Brenda Chapman
- Drehbuch: Mark Andrews, Brenda Chapman, Steve Purcell, Irene Mecchi
- Darsteller: RKelly Macdonald, Billy Connolly, Emma Thompson, Julie Walters, Robbie Coltrane
- Kamera:
- Musik: Patrick Doyle
- Kinostart: 02.08.2012
- FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

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