BAYERN 3 - Kino & DVD

Liebenswerte Komödie Mein liebster Alptraum

Agathe (Isabelle Huppert), erfolgsverwöhnte Galeristin, lebt mit ihrem Mann (André Dussollier) und dem gemeinsamen Sohn in einem schicken Appartement in Paris. Ihr Leben ist geprägt von intellektuellen Gesprächen, die Liebe längst einem routinierten Alltag gewichen.

Autor: Julia Binder Stand: 16.01.2012
Filmszene "Mein liebster Alptraum" | Bild: Concord

Patrick (Benoît Poelvoorde) schlägt sich als Gelegenheitsarbeiter ohne festen Wohnsitz durch, seine Highlights sind Alkohol und Sex mit diversen Damen.

Agathe und Patrick haben nichts miteinander zu tun und sie wollen auch nichts miteinander zu tun haben. Doch: ihre Söhne sind beste Freunde. Und so kommen sich die kühle Akademikerin und der derbe Lebenskünstler wohl oder übel näher als es ihnen lieb ist. 

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: vier von fünf Filmklappen | Bild: BR

"Très bien!"

Regisseurin Anne Fontaine ist sich bewusst, dass sich ihr Film um eine Liebe dreht, "die im echten Leben wahrscheinlich chancenlos wäre". Deshalb ist es umso schöner, die Annäherung der beiden Menschen aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen auf der Leinwand miterleben zu dürfen. "Mein liebster Alptraum" lässt einen träumen von einer besseren Welt - wo kann man das stilvoller, als im Kino bei einer französischen Komödie?

Derbe Dialoge - fabelhafte Leistung

Wer Eleganz und tiefe Gefühle erwartet, wird nicht vollkommen enttäuscht, doch dieser Film punktet durch andere Dinge. So sind es vor allem die derben, knallharten Dialoge, die am meisten Spaß machen. Witzig ist, wie mit der Sprache der Protagonisten gespielt wird. Die Zuschreibung eines gewissen Sprachvermögens an Mitglieder bestimmter gesellschaftlicher Schichten wird gut herausgearbeitet und gleichzeitig aufs Korn genommen.

"Mein liebster Alptraum" wäre ohne die drei genialen Hauptdarsteller nicht möglich. Isabelle Huppert beweist einmal mehr, dass sie zu den ganz Großen des französischen Films zählt. Ihre Agathe ist kühl und distanziert, brodelt aber innerlich. Es ist wunderbar mitanzusehen, welch große Erleichterung es für sie bedeutet, endlich das starre Korsett sprengen zu dürfen. Benoît Poelvoorde spielt seinen Patrick rüpelhaft, rücksichtslos und doch unglaublich liebenswert. Er gestaltet diesen Charakter so vielschichtig, dass man keine Chance hat, ihn durch platte Klischees zu verurteilen. Und zwischen diesen beiden Personen, die gegensätzlicher nicht sein könnten, fungiert André Dussollier - der lässige, charmante Strahlemann - als Puffer, der das Aufeinandertreffen ein bisschen abfedern kann.

Überspitzte Charaktere

Natürlich sind all die Figuren deutlich überzogen und auf die Spitze getrieben, doch dank dem ausgewogenen, bedachten Spiel der drei Darsteller rutscht dies nicht ab ins Lächerliche. Allein die Story, die vielen überraschenden Wendungen und Verwicklungen, wirken zu konstruiert und zu dick aufgetragen. Etwas Straffung und ein bisschen mehr Klarheit im Erzählstrang hätten nicht geschadet.

Fazit: "Mein liebster Alptraum" ist eine wunderbare französische Komödie, die von drei herausragenden Schauspielern getragen wird. Witzig, tiefgründig, schlagfertig und mit einer rührenden Geschichte bietet sie alles, was ein guter Film braucht. Nicht nur für Liebhaber des französischen Films.

Infos:

  • Originaltitel: Mon pire cauchemar
  • Genre: Komödie
  • Regie: Anne Fontaine
  • Drehbuch: Anne Fontaine, Nicolas Mercier
  • Darsteller: Isabelle Huppert, Benoît Poelvoorde, André Dussollier u.a.
  • Kamera: Jean-Marc Fabre
  • Musik: Bruno Coulais
  • Kinostart: 19.01.2012
  • FSK-Freigabe: ab 12 Jahren