BAYERN 3 - Kino & DVD

Trauriger Märchenkönig Ludwig II.

Viel zu jung muss Ludwig II. (Sabin Tambrea) 1864 mit gerade mal 18 Jahren die Nachfolge seines verstorbenen Vaters antreten. Er hat sich noch nie begeistern können für Schießen, Schlachtpläne und politisches Taktieren. Sein ganzes Interesse gilt der Kunst und der Musik, allem voran den Opern von Richard Wagner (Edgar Selge).

Von: Walli Müller Stand: 26.12.2012
Filmszene aus "Ludwig II" | Bild: Bavaria Pictures, Dor Film, Warner Bros. Entertainment GmbH, Rolize, B.A. Production, ARRI Film & TV Services / Stefan Falke

So ist es auch eine seiner ersten Amtshandlungen, den als Revolutionär verschrieenen Wagner an seinen Hof zu holen. Ludwig bringt damit erst die Minister, dann auch das Volk gegen sich auf. Denn Gelder, die eigentlich für die Aufrüstung der bayerischen Armee gedacht waren, sollen nun in den Bau eines großen Opernhauses fließen. Sein Traum: Ein Volk, das durch die Musik zur Friedensliebe erzogen wird. Seine Überzeugung: "Wenn die Kunst die Welt bestimmt, dann wird sie die Politik ersetzen."

Doch Preußen marschiert unter Bismarck in den Krieg gegen Österreich. Und Bayern muss als Bruderland den Habsburgern zu Hilfe kommen – so sehr sich der junge König dagegen sträubt …

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: vier von fünf Sternen | Bild: BR

"Sehenswert!"

"So einfach ist das!" König Ludwig (1845 - 1886) hat dieses Machtwort seines Vaters zwar in seiner Regentschaft übernommen. Aber wenn es nur so einfach wäre für ihn! Mit glühenden Idealen ist er angetreten, vom "Weltfrieden" hat der junge König geträumt, und von der Macht der Kunst. Er hat Instrumente für die Schüler seines Königreichs gekauft, statt Waffen für die Soldaten. Und doch brechen Krieg und Unfrieden über sein Land herein. 10 000 Tote in der Schlacht gegen die Preußen bei Königgrätz – das verkraftet Ludwig, dem die Unterschrift unter die Mobilmachung abgerungen wurde, nicht. Und wer könnte es ihm nicht nachfühlen!

Im falschen Jahrhundert geboren

Für das Regie-Duo Peter Sehr und Marie Noelle ist Ludwig ganz klar eine tragische Figur: In Phantasiewelten und Wahnsinn entflohen, weil er im weltpolitischen Mahlwerk zerrieben wurde, sich seiner Aufgabe nicht mehr gewachsen sah. Andererseits denkt man sich: So irre war der doch gar nicht! Pazifist, schwul, Kunstliebhaber – Gut 100 Jahre später wäre das so was von normal gewesen! Im 19. Jahrhundert aber wollen die Bayern in erster Linie einen "starken Heerführer" zum König; seine Liebe zur Kunst wird ihm als Schwäche ausgelegt. "Ludwig II" ist also auch ein Film über einen, der in der falschen Zeit geboren wurde - grandios gespielt vom jungen, bis dato völlig unbekannten Schauspieler Sabin Tambrea. Bis hin zur exakt gleichen Körpergröße (stolze 1,93m) ähnelt er dem historischen Vorbild. Sein Ludwig driftet hin und her zwischen fortschrittlicher Weltanschauung und absolutistischen Allmachts-Allüren, zwischen Verantwortungsgefühl für sein Volk und krankhaftem Narzissmus. Er ist beides: Moderner Vordenker und weltfremder Phantast. In jedem Fall nicht wirklich fähig, die Amtsgeschäfte eines Königs zu versehen und am Ende vielleicht doch etwas größenwahnsinnig…

Nicht nur ein armer Irrer!

Aber was wäre das Tourismusland Bayern ohne Ludwigs Phantasie-Schlösser? Man wird diesem Visionär und Schöngeist nicht gerecht, wenn man ihn als Spinner verlacht. "Er war keineswegs ein Exzentriker, dem die Welt um ihn herum egal war" betont Peter Sehr. Und das unterstreicht auch der Film, der Ludwigs Handeln und auch seine Weltflucht glaubwürdig psychologisch begründet. Sehr und Noelle bieten eine interessante Interpretation seiner Persönlichkeit an und erzählen zugleich bayerische Geschichte opulent, spannend und unterhaltsam. In der Frage, über die am meisten spekuliert wird, lässt der Film übrigens keine Fragen offen: Der Tod des Märchenkönigs im Starnberger See ist hier eindeutig von ihm selbst gewählt. Und man gönnt es dieser armen gequälten Seele, dass diese letzte Flucht gelingt!

Fazit: Der "Kini" als tragische Figur im Welten-Schach. Peter Sehr und Marie Noelle gelingt es, sehr glaubwürdig Ludwigs Entwicklung vom idealistischen jungen König zum paranoiden Wrack nachzuverfolgen. Auch dank der phantastischen Ausstattung und des großartigen jungen Hauptdarstellers die gelungene Wiederauflage einer Ludwig-Film-Biographie!

Infos:

  • Originaltitel: Ludwig II.
  • Genre: Historienfilm
  • Regie: Peter Sehr, Marie Noelle
  • Drehbuch: Peter Sehr, Marie Noelle
  • Darsteller: Sabin Tambrea, Sebastian Schipper, Hannah Herzsprung, Edgar Selge, Friedrich Mücke, Justus von Dohnányi, Samuel Finzi, Tom Schilling, Paula Beer, Uwe Ochsenknecht, Peter Simonischek, Axel Milberg, Gedeon Burkhard, Katharina Thalbach, August Schmölzer
  • Kamera: Christian Berger
  • Musik: Bruno Coulais
  • Kinostart: 26.12.2012
  • FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

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