BAYERN 3 - Kino & DVD

Literaturverfilmung Jane Eyre

Die Waise Jane Eyre (Mia Wasikowska), von ihren Verwandten in ein Internat abgeschoben, muss bereits in der Kindheit viel erleiden. Doch ihren Mut, ihre Kraft und ihren Lebenswillen lässt sich Jane auch von den härtesten Strafen und den bösartigsten Demütigungen nicht nehmen.

Autor: Julia Binder Stand: 18.10.2011
Mia Wasikowaska - Michael Fassbender | Bild: Tobis

Als sie nach ihrer Schulzeit als Gouvernante auf einem Anwesen angestellt wird, fühlt sie zum ersten Mal so etwas wie Sicherheit. In der Haushälterin (Judi Dench) findet Jane eine Vertraute und zum sonderbaren, ruppigen Hausbesitzer Edward Rochester (Michael Fassbender) fühlt sie sich hingezogen. Auch er scheint nicht abgeneigt, doch der Standesunterschied ist nicht zu überwinden und außerdem munkelt man, dass Rochester ein düsteres Geheimnis habe …  

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: vier von fünf Filmklappen | Bild: BR

"Eindringlich"

Regisseur Cary Fukunaga hat sich selbstbewusst des Klassikers von  Charlotte Brontë angenommen und mit seiner Version von Jane Eyre eine eindringliche, bedrückende und doch bemerkenswerte Literaturverfilmung geschaffen. Sieht man diesen Film, ist man froh, nicht im 19. Jahrhundert gelebt zu haben. All die Härte, das Leiden, die Demütigungen und die unüberwindbaren Standesdünkel sind für Frauen unseres Zeitalters schwer nachzuvollziehen. Dennoch wirkt diese Verfilmung von Jane Eyre nicht wie ein Märchen. Den Machern und vor allem den hervorragenden Darstellern gelingt es, die Botschaft nah an uns heranzubringen und uns verstehen zu lassen.

Düster und melancholisch

Still ist das Drama, in düsteren Farben gehalten, mit vielen Nebel- und Schattenspielen. So wird die ganze Zeit über eine leicht gruselige, belastende Grundeinstellung geschaffen. Die Bilder, die Fukunaga verwendet, sind schlicht und unglaublich aussagekräftig. Karge Landschaften, verlassene, einsame Häuser, Regen - all das spiegelt sich auch im Gefühlsleben der Protagonisten wider. Bemerkenswert ist, wieviel Zeit sich Regisseur und Schauspieler dafür nehmen, ihre Personen zu entwickeln, sie zu wahrhaften Menschen werden zu lassen und ihnen Tiefgang zu verleihen.

Faszinierendes Schauspiel

Das Spiel von Mia Wasikowska ist beeindruckend. Die so zerbrechlich wirkende junge Frau braucht nicht viele Worte, um Janes Gefühle, deren starken Willen auszudrücken. Oftmals sieht man ihr Gesicht in Großaufnahme und schon ist alles gesagt. Mit Michael Fassbender steht Wasikowska ein faszinierender Partner zur Seite. Sein Rochester ist so unberechenbar, aufbrausend, leidenschaftlich und doch zurückgezogen, dass man als Zuschauer nie genau weiß, ob man sich vor ihm fürchten oder sich in ihn verlieben soll. Judi Dench liefert ebenfalls eine großartige Leistung, als kühle, distanzierte, doch vertrauenswürdige Haushälterin.

Fazit: "Jane Eyre" von Cary Fukunaga ist eine gelungene Verfilmung eines großartigen Romans um wahre Liebe, Standesunterschiede, weibliche Unmündigkeit und eine bemerkenswerte Frau. Kein Popcorn-Filmchen, das man schon beim Verlassen des Kinosaals wieder vergisst, sondern ein tiefgründiges Drama, das im Gedächtnis bleibt.

Infos:

  • Originaltitel: Jane Eyre
  • Genre: Drama
  • Regie: Cary Fukunaga
  • Drehbuch: Moira Buffini
  • Darsteller: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Dame Judi Dench, Sally Hawkins, Jamie Bell
  • Kamera: Adriano Goldman
  • Musik: Dario Marianelli
  • Kinostart: 1.12.2011
  • FSK-Freigabe: ab 12 Jahre