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Freundinnen fürs Leben Der Seidenfächer

Die Mädchen Lilie (Bingbing Li) und Schneerose (Gianna Jun) teilen im China des 19. Jahrhunderts dasselbe Schicksal: Mit 7 Jahren werden ihnen die Zehenknochen gebrochen und die Füße abgebunden, damit sie auf immer klein bleiben. "Lotusfüße" nennt man dieses unmenschliche Schönheitsideal.

Von: Walli Müller Stand: 22.06.2012
Filmszene aus "Der Seidenfächer" | Bild: Senator Film

Die Mädchen trösten sich mit ihrer Freundschaft, werden "Laotongs", Schwestern im Geiste. Eine Verbindung, die mit ihrer Unterschrift besiegelt wird und ein Leben lang halten soll. Doch als die beiden in ganz verschiedene soziale Milieus einheiraten, trennen sich ihre Wege, und es wird schwer, die Freundschaft zu erhalten. Ähnlich geht es den Freundinnen Nina (Bingbing Li) und Sophia (Gianna Jun) im Shanghai von heute. Auch sie sind als Kinder "Laotongs" geworden, haben sich ewige Freundschaft versprochen. Doch Karriere und Männergeschichten bringen sie im Erwachsenenalter auseinander.

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: drei von fünf Sternen | Bild: BR

"Nah am Kitsch!"

Was für ein unfassbar grausames Ritual! Zu Beginn des Films muss man mit ansehen, wie einem kleinen Mädchen systematisch die Zehenknochen gebrochen und die Füßchen abgebunden werden, um sie am weiteren Wachsen zu hindern. Als erwachsene Frau die "Lotusfüße" einer Siebenjährigen zu haben, das ist das perverse Schönheitsideal dieser historischen chinesischen Gesellschaft. Wie die Mädchen fortan jeden Schritt unter Schmerzen machen müssen, das ist natürlich sinnbildlich für ihr ganzes, fremdbestimmtes Frauen-Leben. Der Ehemann wird von einer Heiratsvermittlerin ausgesucht; im Haus der Schwiegereltern gilt es, "gehorsam" zu sein. Das einzige, was ein Mädchen in dieser Zeit freiwillig eingehen kann, ist der Schwesternbund mit einer Freundin, was diese Beziehung besonders wertvoll und tröstlich macht.

Freundschaft im 19. Jahrhundert und heute

Von der innigen freundschaftlichen Liebe, die Frauen füreinander empfinden können – damals wie heute -, erzählt Wayne Wang in seinem Film. Dabei verschachtelt er gekonnt einen historischen und einen zeitgenössischen Handlungsstrang. Die Parallelität der Ereignisse und Konflikte wird noch dadurch unterstrichen, dass die zwei Heldinnen jeweils von denselben Schauspielerinnen dargestellt werden. Die "Schneerose" des 19. Jahrhunderts wird im modernen Shanghai zu "Sophia", und "Lilie" zu "Nina". In beiden Beziehungskonstellationen geht es um das hohe Gut, aber auch das rechte Maß von Freundschaft: Wie viel gegenseitige Fürsorge tut gut, und wann schlägt sie in Bevormundung um? Wobei die zeitgenössische Shanghai-Geschichte wesentlich schwächer ist als die historische, die der Freundschaftsthematik den interessanten Aspekt einer vor-emanzipatorischen Gesellschaft hinzufügt. Wer eine Ehefrau mit verstümmelten Kinderfüßen begehrenswert findet, wird sie auch behandeln (und schlagen) wie ein unmündiges Kind.

Schwelgen in Weichzeichnerbildern

In seinem Bemühen, die zärtlichen Frauenfreundschaften ins rechte Bild zu rücken, schießt der chinesisch-amerikanische Regisseur Wayne Wang ("Smoke", "Manhattan Love Story") allerdings übers Ziel hinaus: Weich gezeichnete Frauenprofile im Gegenlicht, mit süßlichen Klängen untermalt – da darf man nicht allergisch gegen Schwulst sein.

Fazit: Chinesische Frauenschicksale, mit Hollywood-Schwulst und –Pathos erzählt. Das ist sicher nicht jederMANNS Sache. Frauen lassen sich schon eher davon rühren.

Infos:

  • Originaltitel: Snowflower and the secret fan
  • Genre: Historiendrama
  • Regie: Wayne Wang
  • Drehbuch: Angela Workman, Ron Bass, Michael K.Ray nach dem gleichnamigen Roman von Lisa See
  • Darsteller: Gianna Jun, Bingbing Li
  • Kamera: Richard Wong
  • Musik: Rachel Portman
  • Kinostart: 28.06.2012
  • FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

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