Reicher junger Schnösel Cosmopolis
Eigentlich will er nur schnell zum Frisör. Doch als Jung-Milliardär Eric Pecker (Robert Pattinson) an diesem Tag in seine Strech-Limousine steigt, um sich die 47. Straße lang quer durch Manhattan chauffieren zu lassen, geht alles schief.
Der US-Präsident ist in der Stadt, und die Sicherheitsvorkehrungen legen den gesamten Verkehr lahm. Auf Eric soll es ebenfalls ein Attentäter abgesehen haben. Der Arzt, der ihn in der Limo untersucht, stellt eine "asymmetrische Prostata" fest, und dann entpuppt sich auch noch seine waghalsige Spekulation auf den chinesischen Yuan als Total-Flop. Der steinreiche New Economy-Schnösel erlebt in seiner abgeschotteten Luxus-Limousine an diesem einen Tag den tiefstmöglichen Fall …
Kritik:
Bewertung
"Nervtötend!!"
Ein Roman in ein Film-Drehbuch umzustricken, ist oft nicht leicht. Und die komplexen Werke des amerikanischen Autors Don DeLillo (geboren 1936) stellen Filmemacher vor eine ganz besondere Herausforderung. David Cronenberg führt nun vor, wie man's ganz sicher NICHT machen kann. In nur sechs Tagen habe er, so brüstet er sich auch noch, das Drehbuch zu diesem Film verfasst. Die ersten drei davon habe er lediglich die Original-Dialoge aus dem Buch übertragen und so stehen lassen, die restliche Zeit dann noch die Lücken dazwischen geschlossen. Genau so schaut der fertige Film dann auch aus: Von den Schauspielern kunstfertig rezitierte Roman-Dialoge, die einen schnell nur noch anöden.
Action-Kitsch mit Patriotismus-Soße
Dabei steckt in den Texten viel Kluges, witzig Absurdes und Philosophisches drin! Don DeLillo gilt als Meister virtuoser Roman-Dialoge. Aber beim Lesen kann man sich die nötige Zeit dafür lassen, die geschliffenen Worte und Sätze überdenken. Ein Film lässt dem Publikum diese Zeit nicht. Und so labern die Figuren hier ihre völlig verquast wirkenden Sprechblasen komplett über die Köpfe der ZuschauerInnen hinweg. Schnell ist man da genervt und tödlich gelangweilt.
Eine Kinoversion von "Counter-Strike"
Obwohl der Film in New York spielt, sieht man von der Stadt praktisch nichts. Haupt-Schauplatz ist nämlich das Innere einer Strech-Limousine, mit der sich der unsympathische Held durch die Gegend kutschieren lässt. Wobei er ständig neue Gäste in seinem Auto begrüßt – vom Geschäftspartner bis zur Sex-Gespielin. Zwischendurch steigt er nur kurz mal aus, um mit der Ehefrau essen zu gehen. Oder mit seinem Sicherheitsmann nach dem Attentäter Ausschau zu halten, der scheinbar hinter ihm her ist. Letztlich ein dröge geratenes Kammerspiel.
Fazit: Was ein brandaktueller Film über einen skrupellosen Kapitalismus-Absahner und in seiner obszönen Gier nicht zu stoppenden Finanzhai hätte werden können, sieht aus wie der stümperhafte Versuch, absurdes Theater im Kino aufzuführen. Der Film ist Regie-Meister Cronenberg gnadenlos daneben gegangen.
Infos:
- Originaltitel: Cosmopolis
- Genre: Drama
- Regie: David Cronenberg nach einem Roman von Don DeLillo
- Drehbuch: David Cronenberg
- Darsteller: Robert Pattinson, Juliette Binoche, Sarah Gadon, Mathieu Amalric, Jay Baruchel, Paul Giamatti, Samantha Morton, Kevin Durand, K'Naan, Emily Hampshire
- Kamera:SPeter Suschitzky
- Musik: Howard Shore
- Kinostart: 05.07.2012
- FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

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