Kammerspiel Töte mich
Es ist ein Zufall, der die Fünfzehnjährige Adele (Maria Dragus) und den flüchtigen Mörder Timo (Roeland Wiesnekker) zusammenführt. Doch im Laufe der gemeinsamen Flucht nach Marseille finden die beiden allmählich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen.
Der Deal, den die lebensmüde Adele Timo anfangs vorgeschlagen hatte - sie bringt ihn in Sicherheit, und dafür stößt er sie von einer Klippe -, gerät im Verlauf der mühevollen Reise immer mehr ins Wanken. Zwischen dem verschlossenen Straftäter und dem verzweifelten Mädchen schwanken die Gefühle zwischen Misstrauen und Sehnsucht nach Geborgenheit.
Kritik:
Bewertung
"Wortlos vielsagend!"
Zwei völlig unterschiedliche Menschen auf dem Weg - via Marseille nach Afrika der eine, hin zur Erlösung von der irdischen Existenz die andere. Vor allem aber ist es auch eine Reise ins eigene Innere, das erst durch die Spiegelung im Anderen an Konturen gewinnt. Soweit die Versuchsanordnung, der die beiden Protagonisten von Regisseurin Emily Atef ("Das Fremde in mir") unterzogen werden.
Im Reich der stillen Zwischentöne
Viel passiert wahrlich nicht. Zwar werden Adele und Timo von der Polizei gesucht, weil diese von einem Entführungsfall ausgeht, doch wer auf halsbrecherische Verfolgungsjagden hofft, dürfte weitgehend hungrig bleiben. Und auch auf der Dialogebene ist Magerkost angesagt. Kaum hitzige Wortgefechte, kaum Seelenstriptease. Über beträchtliche Strecken kämpft sich das ungleiche Gespann mehr oder weniger schweigend durch unwegsames Gelände. Was in den Figuren vorgeht und arbeitet, soll absichtlich so offen wie möglich bleiben.
Bleischwere Worte
Umso schwerer wiegt da natürlich alles Gesagte. Und da entgeht das Drehbuch dann doch nicht einer gewissen Psychologisierung bzw. einer Rechtfertigungsdramaturgie. Das ungerechte, unerbittliche Schicksal muss einmal mehr herhalten, um im Zuschauer Sympathien für die beiden Hauptfiguren zu wecken. Angesichts der zahlreichen durchdachten Details, die Geschichte atmosphärisch aufladen und dabei ohne jede große Geste auskommen, wirken solche Erklärungen wie überproportionierte Zaunpfähle.
Fazit: Dass in diesem wortkargen Zwei-Personen-Drama, bei aller interpretatorischen Offenheit, nichts dem Zufall überlassen wurde, ist unübersehbar. Wer seine Augen auch für Nuancen öffnet, kann in der Gestaltung der filmischen Räume ebenso wie im Spiel der beiden Hauptdarsteller einiges entdecken. Umso ärgerlicher ist da manch allzu absehbares psychologisches Erklärungsmuster.
Infos:
- Originaltitel: Töte mich
- Genre: Drama
- Regie: Emily Atef
- Drehbuch: Emily Atef, Esther Bernstorff
- Darsteller: Maria Dragus, Roeland Wiesnekker, Wolfram Koch, Anne Bennent, Robert Hunger-Bühler
- Kamera: Stéphane Kuthy
- Musik: Cyril Atef
- Kinostart: 05.07.2012
- FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

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