Corona Maskenpflicht gegen Corona - ja oder nein?

#maskeauf trendet und unsere Timelines quellen über mit Maskenselfies. Wir alle wollen die Verbreitung des neuartigen Coronavirus stoppen. Aber könnte es in Bayern eine Maskenpflicht wie in Österreich geben? Und bringt die was?

Von: Ilka Knigge

Stand: 06.04.2020 | Archiv

Grafik: Gesicht ohne und mit Mundschutz | Bild: Christopher Roos von Rosen

Ari von der PULS Reportage macht’s, Luisa Neubauer von Fridays For Future macht’s, Jan Böhmermann, Charlotte Roche, dein*e beste Freund*in und wahrscheinlich sogar deine Mutter - eine Gesichtsmaske tragen. Das neuartige Coronavirus verbreitet sich über Tröpfeninfektion, das ist bei uns allen angekommen. Viele wollen sich und andere mit den Masken schützen.

Bisher läuft das freiwillig. Maske tragen trendet zwar auf Insta und Twitter, aber niemand kann einem einen Strafzettel verpassen, wenn man es nicht macht - noch nicht. 

In Österreich ändert sich das jetzt: In Supermärkten gibt es seit dem 6. April eine Maskenpflicht. Auch die Stadt Jena und der Landkreis Nordhausen in Thüringen haben ähnliche Regelungen beschlossen. Aber ist das sinnvoll, uns zum Tragen von Masken zu zwingen? Wir haben für euch die Pro- und Contra-Argumente gesammelt. 

PRO: Was spricht für eine Maskenpflicht?

1. Masken können helfen!

Nießen, Husten, eigentlich sogar nur Ausatmen - wir alle verteilen dabei Tröpfchen wild in der Luft und könnten so das neuartigen Corona-Virus verbreiten. Um das zu verhindern, bleiben wir zu Hause, halten Abstand und waschen Hände, bis die Knöchel bluten. Inwieweit eine Schutzmaske, egal ob eine medizinische oder selbstgenähte, tatsächlich einen Schutz vor Übertragung bietet, ist wissenschaftlich nach wie vor umstritten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) formuliert die Empfehlung auf seiner Website deshalb vorsichtig:  

"Es ist zu vermuten, dass auch Behelfsmasken das Risiko verringern können, andere anzustecken, weil sie die Geschwindigkeit der Tröpfchen, die durch Husten, Niesen oder Sprechen entstehen, reduzieren können."

Robert-Koch-Institut (RKI)

Mittlerweile empfiehlt aber auch das RKI selbstgemachte Masken zu tragen und der Virologe Christian Drosten, sagt: 

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

Christian Drosten - Freitag, 03. April 2020, 12:33 Uhr
Heute veröffentlicht: Einfache medizinische Gesichtsmasken reduzieren Abgabe von Coronavirus und Influenzavirus durch den infizierten Maskenträger. Weniger Virus in Tröpfchen und Aerosol. https://t.co/yYMBTjfMCs #maskeauf Übrigens: Stoffmasken kann man zur Reinigung auch bügeln.

Heißt: Schaden kann es nicht, eine Maske zu tragen. Warum also nicht einfach mal versuchen? Vor allem für die, die an den Folgen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sterben könnten. Und das sind v.a. unsere Omas und Opas, aber auch junge Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Menschen wie Jan Kampmann:

"Als Mensch in der Risikogruppe finde ich es immer gut, wenn sich Menschen in Solidarität üben. Dazu gehört auch das Masken tragen, deshalb: Go for it!"

Jan Kampmann, Initiator #Risikogruppe

Denn wenn wir eine Erkenntnis mitnehmen können aus den letzten Wochen, dann die: Ob verschiedene Schutzmaßnahmen wirklich etwas bringen, das weiß man erst nach ein paar Wochen. 

2. Freiwillig kriegen wir's wahrscheinlich nicht hin

Sind wir mal ehrlich: Selbst wenn eindeutig klar wäre, dass schon einfache Gesichtsmasken die Ansteckungsgefahr verringern, würde nicht plötzlich alle Welt nur noch mit Mund-Nase-Verhüllung vor die Tür gehen. 

Die Frage ist: Reichen hübsche Social Media-Bilder von Menschen, die Masken tragen und Aktionen wie #maskeauf, um Verschwörungstheoretiker*innen zu überzeugen, die die Corona-Pandemie immer noch für einen Witz halten? Oder ist das hier nicht eine Situation, in der strenge Regeln die meisten von uns vor der Sturheit Einzelner schützen sollten? Entscheiden werden über die Pflicht zur Gesichtsmaske am Ende Politiker*innen. Aktuell sieht es nicht danach aus, dass sich Bayern Österreich oder Tschechien anschließt. Aber falls es doch eine Maskenpflicht geben sollte, können wir uns sicher sein: Alle, die jetzt schon Masken aufsetzen, haben den Zwang eher verhindert als gepusht.

CONTRA: Was spricht gegen eine Maskenpflicht?

1. Woher sollen all die Masken kommen?

Bei einer Maskenpflicht bräuchten wir plötzlich alle Masken, logisch. Die müssen irgendwo herkommen. Und selbst wenn wir alle diszipliniert selbst nähen oder nur so viele Masken kaufen, wie wir brauchen, gibt es ja noch diese Hamsterkäufer*innen:

Die Maskenpflicht ruft? Dann kaufen wir lieber gleich einen Jahresvorrat! Das alles könnte dazu führen, dass Masken für Ärzt*innen, Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen und alle anderen Menschen, die sie dringend brauchen, knapp werden - was sie de facto bereits ohne Pflicht sind. Der Virologe Christian Drosten fasst es im Corona-Podcast des NDR so zusammen: 

"Bestellungen brauchen eine Zeit, Produktion braucht eine Zeit und jetzt im Moment haben wir in Deutschland wie in allen anderen Ländern auch einen Mangel von diesen Masken am Markt und es ist tatsächlich so, dass die Krankenhäuser schon noch beliefert werden, aber es ist nicht so, dass das unbegrenzte Bestände sind."

Virologe Christian Drosten

Heißt: Auch wenn es erlaubt wäre, bei einer möglichen Maskenpflicht selbstgenähte Masken oder Halstücher zu tragen, wird es die Menschen geben, die sich OP-Masken oder sogar medizinische Atemschutzmasken besorgen werden. Egal, ob sie diese Sorte wirklich brauchen oder nicht. 

2. Masken sind (vielleicht) super, noch eine Pflicht nicht!

Jede Maßnahme, die gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beschlossen wurde, hat eine ähnliche Geschichte: Wissenschaftler*innen und/oder Politiker*innen rufen dazu auf, sich vernünftig zu verhalten, aber weil es vielen Menschen so schwer fällt, sich daran zu halten, kommt irgendwann ein Gesetz oder eine Pflicht. Flugzeuge fliegen nicht mehr, Großveranstaltungen sind abgesagt, viele Läden haben geschlossen, es gibt Kontaktverbote. Auch die Maskenpflicht könnte sich in diese Reihe stellen. Aber vielleicht geht es diesmal ohne Zwang - gerade weil wir aus den letzten Wochen gelernt haben. Gerade weil die aktuellen Einschränkungen der Grundrechte mittlerweile kontrovers diskutiert werden. 

FAZIT: Was denn jetzt?

Es gibt gute Gründe für eine Maskenpflicht, aber genauso gute dagegen. Relativ sicher ist aber: Eine Maske freiwillig im Supermarkt oder in öffentlichen Gebäuden zu tragen, schadet nicht, solange man nicht denjenigen, die auf Schutzmasken angewiesen sind (medizinisches Personal und Risikopatient*innen), das knappe Gut streitig macht. Deswegen hier ein paar Tipps: 

  • Macht’s euch selbst! Eine einfache Anleitung zur DIY-Maske findet ihr zum Beispiel hier: https://maskeauf.de 
  • Tragt die Maske nur einmal.
  • Wascht sie danach bei mind. 60 Grad oder bügelt sie heiß.
  • Setzt sie einmal so auf, dass sie Mund und Nase vollständig bedeckt, nicht rutscht und fasst sie dann am besten nicht mehr an. So verbreitet ihr keine Tröpfchen aus dem Stoff.
  • Haltet euch trotzdem unbedingt an die Abstandsregelungen und andere Maßnahmen wie Finger aus dem Gesicht und gründliches Händewaschen!
  • No hate, wenn jemand keine Maske trägt. 

PULS am Nachmittag vom 06. April 2020 - ab 15 Uhr