Afterhour-Streit Der "Waschsalon" in Nürnberg ist Geschichte

Im Februar hatte eine Drogenrazzia im Techno-Club "Waschsalon" für Aufregung im Nürnberger Nachtleben gesorgt. Jetzt muss Betreiber Martin Weinmann nach nicht mal einem Jahr schließen – und rechnet mit Polizei und Ordnungsamt ab.

Von: Miriam Harner

Stand: 07.08.2017 | Archiv

Martin Weinmann, Betreiber des Nürnberger Techno-Clubs "Waschsalon" | Bild: BR

"R.I.P Waschsalon... der Kampf geht weiter!" So beginnt der Facebook-Post, in dem Martin Weinmann das Ende seines Clubs verkündet. Einer der wenigen Läden mit Afterhour in Nürnberg wird nach seiner Sommerpause nicht wieder öffnen. Dabei hatte der kleine Techno-Club erst im Juli 2016 geöffnet. 400.000 Euro Aufhübschungskosten sind futsch.

Vorwürfe an Polizei und Ordnungsamt

Die Schuld dafür, dass Nürnberg um eine Techno-Location ärmer ist, gibt Weinmann dem städtischen Ordnungsamt und der Polizei. Er wirft ihnen Willkür und "geschäftschädigende Maßnahmen" vor. Damit meint er zum Beispiel Aktionen wie die Großrazzia zur Afterhour im "Waschsalon" im Februar. Damals hatten 70 Polizisten samt Drogenspürhunden über fünf Stunden den gesamten Club auseinandergenommen. Richtig viel Stoff hatten die Beamten dabei nicht gefunden, trotz des zum Teil äußerst rabiaten Vorgehens der Beamten: Niemand durfte den "Waschsalon" verlassen, Frauen mussten sich teilweise komplett ausziehen. Grund für die heftige Aktion: Bei vorangegangenen Kontrollen in und vor dem Club hatte die Polizei immer wieder Drogen bei Besuchern gefunden.

"Prinzip der Gästeabschreckung"

Auch sonst habe die Polizei sich nicht viel Mühe gegeben, die Gäste besonders unauffällig auf Drogen zu kontrollieren, sagt Martin Weinmann:

"Bei uns ist in dem ganzen Jahr kein einziges Mal aufgezeichnet worden, dass zivile Beamte da waren. Es kamen alle in Uniform. Die waren relativ unhöflich und das ist natürlich schon geschäftsschädigend. Zu meiner Diskothek führt ein 70 Meter langer gerader Weg hin und wenn da zwei Polizeiwägen vor der Tür stehen, dann hat das nichts mehr mit ‚Wir ermitteln mal, wer alles was dabei hat‘ zu tun, sondern 'Hier braucht ihr gar nicht reinkommen'. Das ist blanke Abschreckung."

- Martin Weinmann, Betreiber des Waschsalons

Wegen dieses "Prinzips der Gästeabschreckung", so Weinmann weiter, gingen die Leute jetzt woanders hin zum Feiern, zum Beispiel in die "Rakete".

Zwar würde die Polizei bei ihrer Jagd nach Drogensündern auch die "Rakete" nicht ausklammern. Weinmann glaubt aber, dass Kontrollen dort wesentlich diskreter und weniger geschäftsschädigend als im Waschsalon ablaufen. Beispielsweise mischten sich dort wesentlich mehr Polizisten in Zivil unters Partyvolk. Weinmann fühlt sich ungerecht behandelt.

Was sagt die Polizei dazu?

Die Polizei will sich in den nächsten Tagen detaillierter zu den Vorwürfen äußern. Nach Aussagen des Pressesprechers  sei die Entscheidung, welchen Club man in Nürnberg wie kontrolliert, von der Gefährdungslage vor Ort abhängig. Außerdem sei für den "Waschsalon" eine ganz andere Polizeiinspektion zuständig als für die "Rakete". Mit anderen Worten: Dass die Clubs unterschiedlich kontrolliert werden, liegt in der Natur der Sache.

Es stellt sich die Frage, wie viel dann noch übrig bleibt vom großen Vorwurf des Kreuzzugs gegen Clubs mit Afterhour in Nürnberg – schließlich läuft die "Rakete“ im Gegensatz zum "Waschsalon“ trotz Afterhour und damit verbundener Kontrollen.

Nürnberg vs. Afterhour

Tatsächlich ist die Stadt Nürnberg schon in der Vergangenheit hart gegen andere Afterhour-Clubs vorgegangen. So musste schon der "Nano Club" nach zwölf Jahren dicht machen wegen der krassen Auflagen und Kontrollen.

Auch die Betreiber der Rakete haben sich schon beschwert, dass die Stadt seit einiger Zeit massiv gegen die Afterhours bei ihnen vorgeht. Die Begründung von Robert Pollack, dem stellvertretenden Leiter des Ordnungsamts:

"Nach polizeilichen Erkenntnissen ist es so, dass bei den Afterhour-Veranstaltungen mehr Drogen konsumiert werden. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man sich schon Stoffe einführen will, um ein bisschen fitter zu sein, wenn man die ganze Nacht durchgefeiert hat und dann noch von 6 – 12 Uhr weiterfeiern will."

- Robert Pollack, stellv. Leiter des Ordnungsamts Nürnberg

Egal, ob hinter der Schließung des "Waschsalons" tatsächlich ein Kreuzzug gegen Afterhours an sich steckt oder nicht: Ein Verlust fürs Nürnberger Nachtleben ist das Ende des Clubs allemal. Betreiber Martin Weinmann will zwar noch nicht komplett aufgeben und will noch rechtliche Möglichkeiten prüfen lassen – aber vorerst bleiben die Türen geschlossen.

Sendung: Filter, 7. August 2017 - ab 15.00 Uhr.

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