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Ruhmeshalle The White Stripes - White Blood Cells

The White Stripes haben sich aufgelöst - das Duo will das Schöne an seiner Kunst bewahren. Wir sind uns sicher: Sie waren niemals schöner als im Jahre 2001.

Von: Matthias Leitner

Stand: 04.02.2011 | Archiv

The White Stripes | Bild: Xl/Beggars

Der 24. September 2001. 13 Tage nach 9/11 veröffentlichen die White Stripes in Deutschland ihr Album "White Blood Cells". Beim Titel denke ich an Blutspenden und höre den ersten Song des Albums: "Dead Leaves And The Dirty Ground". Es geht um die Einsamkeit eines Mannes, der seine große Liebe verloren hat. Als Jack White zu singen anfängt, habe ich diesen komischen Gänsehautmoment, der immer dann zuschlägt, wenn mich Musik unvermittelt packt.

Der typische White Stripes-Sound war auf "White Blood Cells" schon vollkommen ausgereift, wenn man das bei Meg Whites rumpelig-tollpatschigem Schlagzeug-Gehaue und bei Jack Whites Gitarrenriff-Gehacke überhaupt sagen kann. Aber der Garagen-Rock der White Stripes schleicht sich eben nicht über kultivierte Ohren, sondern ordinär über die Magengrube in Herz und Gehirn. Meg White haut einem mit ihren Schlagzeugklöppeln Kopf und Wampe weich. Danach gibt einem Jack mit seinem rauen Organ den Rest.

Die Eintrittskarte in die Charts

Albumcover "White Blood Cells" von The White Stripes | Bild: V2 Records

The White Stripes - White Blood Cells (Cover)

Mit ihrem dritten Album "White Blood Cells" landen die White Stripes erstmals in den Billboard-Charts. Und im Hype-Ranking übernehmen sie direkt von den Strokes den Rang der Indiekönige. Dass Jack White dann auch noch den Ruf eines Gitarrengottes erhält, ist natürlich ein Witz, der in der Dokumentation "It Might Get Loud" wieder geradegerückt wird. Dort sitzt Jack auf der Schulbank, neben ihm der Gitarrentechnokrat The Edge von U2. Beide schauen sie einem wahren Meister beim Gitarrespielen zu: Jimmy Page von Led Zepplin. Später sieht man aber auch, was den Reiz von Mr. Whites Gitarrenspiel ausmacht. White steht auf der Bühne und spielt, bis Blut über seine Finger, über seine Gitarre und seine Hose läuft. In ihren besten Momenten waren die White Stripes eine Sanatoriumsband auf Freigang oder eine manische Freakfamilie mit Hang zum Lagerfeueridyll.

Viel mehr als ein Marketingtrick

Ein Jahr nach "White Blood Cells" finde ich mich "Seven Nation Army" grölend auf Faschingspartys wieder. Die Intimität, das ganz eigene Gefühl, bei einer Band zu Hause zu sein, ist dann schon wieder vorbei. In der Zwischenzeit sind viele andere männlich-weibliche Duobands aus der Garagenrock-Retorte geschossen. Aber keine kommt an die White Stripes ran. Denn die waren abseits aller Energie vor allem eine gut getunte Marketingmaschine: Jack und Meg White aus einer Garage in Detroit. Die sich nur in den Farben Weiß, Schwarz und Rot designen. Von denen man nicht weiß: Sind sie Geschwister, ein Ex-Ehepaar oder einfach zwei Freaks mit großer Verkaufskompetenz? Wahrscheinlich sind sie alles zusammen und vom Jupiter noch dazu. Jetzt haben sich die White Stripes aufgelöst. Aber sie wissen genauso gut wie wir: Die Auflösung der Band ist der erste notwendige Schritt zum Revival.


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