Ruhmeshalle Brandy - Full Moon

Egal ob Rihanna, Solange oder John Frusciante von den Red Hot Chilli Peppers - sie alle vergöttern die Stimme von Brandy. So sehr, dass viele Superstars ihr Album „Full Moon“ sogar als die "Bibel des Gesangs" bezeichnen.

Von: Malcolm Ohanwe

Stand: 08.11.2017 | Archiv

Promofoto von Brandy zum Album "Full Moon" | Bild: Warner Music

Dass Brandy – vor allem bekannt durch ihren Welthit „The Boy Is Mine“ –  ziemlich gut singen kann, würde wohl niemand bestreiten. Für Produzentinnen, Tontechniker, Songwriterinnen und Sänger innerhalb der R&B-Community ist Brandy aber viel mehr als nur eine „ziemlich gute Sängerin“. Dort wird sie und ihre Diskografie - vor allem ihr Album „Full Moon“ aus dem Jahr 2002 - nämlich als regelrechtes „Gottesgeschenk“ wahrgenommen.

Die Bibel des Gesangs

Als „The Vocal Bible“, also als DAS Nachschlagwerk schlechthin für Gesangstechniken, wird „Full Moon“ von R&B- und anderen Musik-Liebhabern und -Interpreten bis heute bezeichnet. Ausschlaggebend dafür ist die unglaubliche Bandbreite von Brandys Stimme. Die reicht von bis zu siebenteiligen Harmonien auf Tracks wie „Nothing“, über sanft dahin gehauchte Backgroundgesänge in Songs wie dem Titeltrack „Full Moon“, bis hin zu komplexen, jazz-artigen Improvisationen und Ad-Libs, wie etwa auf dem Song „I Thought“.

Seiner Zeit voraus

Für das Album wurde Musikproduzent Rodney Jerkins verpflichtet, der aus dem damals 23-Jährigen Pop-Star wirklich alles rausholt. Der fluffig leichte Soul-Pop-Singsang, den Brandy in den 1990ern auf konventionelleren Mainstream-Instrumentals gemacht hatte, weicht einem technisch anspruchsvolleren und experimentelleren Produktions-Sound. Dass Brandy als R&B-Künstlerin damals auf dem Album unter anderem mit Dance, 2-Step und Electronica experimentiert, ist seiner Zeit offenbar voraus, denn 2002 will die Musikpresse das Album partout nicht verstehen und zerreißt es ziemlich übel. Der Rolling Stone befindet sogar: „Gesichtsloser fake-sexy R&B“. Und auch die Verkaufszahlen bleiben ziemlich hinter den Erwartungen zurück (nur ein Fünftel des Vorgängers "Never Say Never" wurde verkauft). Da halfen auch Background-Vocals von Michael Jackson himself nichts.

Wirklichen Kultstatus erlangt das Album also erst viele Jahre später, als Stars wie Solange, Melanie Fiona, Jill Scott, oder Chris Brown „Full Moon“ und die Vocal Arrangements auf der Platte in Interviews als ihre große gesangliche Inspiration bezeichnen.

Versteckte christliche Referenzen

Wie vielfältig das Album “Full Moon” ist, zeigt sich auch darin, dass es sogar einen Gospel-Song auf der Platte gibt - von dem Brandy nicht mal wusste, dass es einer ist. Songwriter Warryn Campbell verriet in einem Interview, dass der vermeintliche Liebes-Song „He Is“ und die folgenden Zeiken nicht an einen Lover, sondern an Gott gerichtet sind.

"Prince charming, my angel
My king and my friend
My love, my one
He is, he is
The beat in my heart
The kiss on my lips
My lover, my one
He is, he is"

Brandy - 'He Is', Full Moon

Eventuell gilt Brandy auch deswegen in der R&B-Szene als wandelnde Gesangs-Bibel.

Sendung: Plattenbau, 09.11.2017 - ab 19 Uhr

Schlagworte:
Brandy
Pop
R'n'B
Soul