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Davigi Amore Ist der Lederhosen-Hipster ein Fake?

Hipster meets Schlager: Davigi Amore kam mit seinem schrägen Song "Hashtag Liebe" aus dem Nichts. Wir verraten euch, was hinter dem umstrittenen Youtube-Phänomen steckt.

Von: Kevin Schramm

Stand: 13.09.2014 | Archiv

Der Hipster-Schlager "Hashtag Liebe" von Davigi Amore geht gerade im Netz steil und spaltet dabei die Geister. Von begeisterten Kommentaren wie "Davigi Amore hat unser Herz gehashtagged!" bis zu knallhartem Hate wie "Ein Stammbaum in Form eines Rosenkranzes trifft auf‘s Internet" ist alles dabei. Angeblich kommt Shootingstar Davigi aus "einem Dorf im schönen Alpenland" und macht Schlager für die "coole Generation", die er auf dem Label "Goldstreif Record’s" veröffentlicht. In seinen Texten verbindet er Hipster- mit Schlager-Klischees und singt dabei schiefer als Money Boy. Das Ergebnis: Total drüber - aber auch echt unterhaltsam. Aber: Wer ist dieser Typ eigentlich und ist das Ganze sein Ernst? Wir von PULS haben zugegebenermaßen ein bisschen was damit zu tun… aber lassen wir den großen Davigi Amore doch selbst zu Wort kommen.

PULS: Dein Song "Hashtag Liebe" geht im Internet gerade steil, ist aber auch recht umstritten. Es ist wohl an der Zeit zu klären: Fake oder echt?

Davigi Amore: Ich dachte eigentlich, dass man das sofort sieht. Aber anscheinend gab es dann doch ein paar Diskussionen darüber. Natürlich ist das Fake! Ich bin Journalist beim Bayerischen Rundfunk, mein echter Name ist David Würtemberger und bin für PULS der Frage nachgegangen, warum Schlager wieder hip ist. In dem Zusammenhang wollte ich wissen, ob es wirklich so einfach ist, einen Schlager zu schreiben, wie immer alle schimpfen. Und ich bin jetzt zur Erkenntnis gekommen: Es ist tatsächlich gar nicht so schwer!

Wie lange hast du denn für die komplette Produktion gebraucht?

Für den Text habe ich knapp vier Stunden gebraucht. Einsingen musste ich zweimal. Man hört ja auch, dass es nicht sooo professionell gesungen ist... Der Videodreh- und Schnitt haben zwei Tage gedauert. Für die komplette Produktion haben wir also insgesamt nur drei Tage gebraucht.

Wie kamst du überhaupt auf die Idee?

Wir haben uns für den Schlager-Schwerpunkt „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer bewusst angehört und analysiert, wie sie sich inszeniert. Sie singt von Clubs, Liebes-Tattoos und dem ausschweifenden Nachtleben, „junge“ und „hippe“ Themen. Also haben wir uns überlegt, wie es wäre, das Ganze auf die Spitze zu treiben. Wir wollten wissen: Was passiert, wenn man die zwei meistverhasstesten Dinge im Internet – Hipster und Schlager - miteinander verbindet. Dann haben wir alle einschlägigen Buzzwords rund um das Thema gesammelt und mit dem Text schreiben losgelegt. Wir haben dabei Tränen gelacht und schon geahnt, das könnte anderen auch so gehen. Aber dass es unseren Song so viele wirklich für bare Münze nehmen würden, das hätten wir nicht gedacht.

Was hast du bei deiner Recherche rausgefunden?

Auf der einen Seite habe ich herausgefunden, dass Schlager inzwischen nicht mehr nur ironisch gehört wird, so wie es in den 90er-Jahren der Fall war. Manche Helene-Fischer-Fans sind wirklich knallhart und bierernst. Wie zum Beispiel die Helene Fischer Hooligans, die sogar vorhaben bei Andrea Berg Konzerten ein wenig Stress zu machen. In meinen Interviews mit Annemarie Eilfeld und Jürgen Drews hab ich dann herausgefunden, dass Schlager und Pop sich vom musikalischen Aspekt her eigentlich sehr ähnlich sind.

Jürgen Drews hat im Interview gesagt: Schlager braucht kein Gehirn. Stimmt das?

Das kann man so nicht sagen. Man muss differenzieren, welche verschiedenen Formen von Schlager es gibt. Aber tendenziell ist es schon so, dass man alles ausblenden darf und beim Wums-Wums-Beat fast schon mithüpfen und mitschunkeln muss. Wenn man das ganz banal betrachtet, braucht man wirklich nicht viel Hirn – das heißt aber nicht, dass Schlagerfans kein Hirn haben.

Bist du jetzt auch zum Schlagerfan geworden?

Nein. Als ich mit den Hooligans die DVD von Helene Fischer  angeschaut habe, dachte ich mir echt die ganze Zeit: „Was ist das?“ Aber am Ende hatte ich ein Problem: Irgendwie kann ich die jetzt nicht nichtmögen. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Aber für mein persönliches Fanherz ist Schlager einfach zu künstlich, obwohl er die ganze Zeit versucht das Gegenteil zu sein. Was mir nicht gefällt, ist dass in vielen Schlagern ein zu perfektes Bild von Heimat und Menschen verkauft wird.

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