Band der Woche // Gurr Zwei Gurrls zwischen Punk und Surf-Pop

Die beiden Wahl-Berlinerinnen von Gurr machen Garage-Rock mit Psychedelic-, Wave- und Punk-Elementen. Damit sind sie gerade zum the next big thing aus Deutschland geworden und spielen Konzerte auf der ganzen Welt.

Von: Florian Nöhbauer

Stand: 08.12.2017 | Archiv

Musik für…

Fans von Post-Punk. Oder Garagenrock. Oder 60's Surfpop. Oder Riot Grrrl. Ach, einfach für Menschen, die auf dreckigen Garagensound stehen, sich aber weder von Szeneseilen fesseln lassen, noch selber zu ernst nehmen wollen. Gurr sind der passende Soundtrack für Dancefloorpoger und Festivaltouristen mit Hang zu leicht infantilen Kopfbedeckungen: genauso trotzig-ironisch wie sympathisch. Die Beiden nennen ihre Musik übrigens selbst "first wave gurrrlcore".

Was man wissen muss…

Andreya Casablanca und Laura Lee haben sich in der Uni in Berlin kennengelernt und dort eine Band gegründet. Wertvollen Input bekamen sie, als beide für ein Auslandssemester in den USA waren. Trotz der räumlichen Distanz – eine war an der OstKüste, die andere an der Westküste – haben sie sich dort vom DIY-Gedanken so inspirieren lassen, dass sie 2015 ihre erste EP „Furry Dream“ herausgebracht haben. Spätestens seit ihrem Debütalbum „In my Head“ 2016 sind Gurr the next big thing aus Deutschland und spielen ausverkaufte Konzerte in ganz Europa und darüber hinaus – internationale Festivals, wie das SXSW in Texas und das Great Escape in Brighton inklusive.

Mögen wir weil…

man sich beim Hören nicht ganz sicher ist, ob man sich lieber seine Dudes schnappen und durch die verfilzten Underground-Clubs der Stadt ziehen will - oder mit dem  Vorschlaghammer einen koreanischen Spielzeugladen zertrümmern. Der Sound von Gurr kommt lässig, punkig und roh daher, ohne dabei zu tryhard-edgy zu wirken. Sich nicht mitreißen lassen? Unmöglich.

Sie sind gekommen um…

wieder mehr Punk-Attitude in die eingeschlafene deutsche Popwelt zu bringen. Denn Andreya und Laura machen immer noch wahnsinnig viel selbst, vom Management bis zur Suche nach dem passenden Couchsurfing-Schlafplatz bei Freunden von Freunden von Freunden. Mit dieser DIY-Einstellung zeigen die beiden, dass man im deutschen Musikbiz auch erfolgreich sein kann, ohne von Männerrunden bei Majorlabels abhängig zu sein, die einem eventuell ein merkwürdiges Image aufdrücken wollen.

Bester Moment…

Ganz offiziell vermutlich: Als BBC Radio 1 sie eingeladen hat, eine Live Session in den Maida Vale Studios aufzuzeichnen, wo schon Bands wie Nirvana und The Cure gespielt haben. Inoffiziell: Der Auftritt dieses Jahr beim PULS Festival in Erlangen, als Startrampe-Host Fridl den Mädels während des Konzerts Bier auf die Bühne gebracht hat – nur in einer Batman-Unterhose gekleidet… Der Grund: eine verlorene Wette bei einer Gokart-Competition in Hannover.

Sendung: Freundeskreis, 20.11.2017 - ab 10.00 Uhr