Vorgestellt // Flut Austropop mit Grind und Glamour

Vokuhila, VHS-Optik und Bomberjacken: Flut aus Wien ziehen ihren Stil konsequent durch. Das Quintett knallt ein klangliches und visuelles Gesamtkunstwerk raus, das die 80er feiert und soundmäßig trotzdem modern klingt.

Stand: 04.09.2017 | Archiv

Was man wissen muss...

Flut haben eine Mission: Die Ehre der Achtziger retten. Und Austropop am besten gleich mit. Sie sind eine junge Band, die mit ihrer eigenen klanglichen und visuellen Welt neuen Input zum Österreich-Hype um Bilderbuch und Wanda liefern.

Musik für...

... Leute, die Falco nicht vergessen wollen. Flut verstehen sich als Gesamtkunstwerk, das einen an die Goldenen Zeiten der Neuen Deutschen Welle erinnert. Angefangen hat alles im oberösterreichischen Kaff Andorf mit einem VHS-Rekorder, mit dem sie analoge Filme gedreht haben. Ihre Faszination beschränkt sich allerdings nicht auf die nostalgische Videooptik und NDW-Hits wie "Carbonara" von Spliff oder "Auf der Flucht" von Falco. Den Wahl-Wienern geht es vielmehr um ein Lebensgefühl und eine Einstellung zu den Achtzigern. Sie kreieren eine kleine Welt, in die man eintauchen und sich wohlfühlen kann.

Mögen wir, weil...

... Flut experimentierfreudig ohne Ende sind. Nachdem sie ihren ersten Song "Tiefschlaf“ auf YouTube gestellt hatten, dauerte es nicht lang bis Indie- und Major-Labels an ihre Tür klopften. Die Wahl fiel am Ende dann aber auf das Indie-Label Problembär Records, bei dem sie ihre künstlerische Freiheit genießen können. Diese Freiheit leben sie auch in ihren Videos aus. Die Musikclips zu "Linz bei Nacht“ oder "Sterne“ sind die Bewegtbild-Granaten, die sie in Eigenregie gedreht haben. Das Ganze mit aufwändiger Requisite wie Raumanzüge und Kontrollräume für Raketenstarts.

Sie werden entdeckt, weil...

... es ihnen darum geht, in einer zu glatten Pop-Gegenwart etwas zu schaffen, das nicht durchproduziert ist. Ihre Werkzeuge dafür haben sie im Aufnahmestudio von Produzent Patrick Pulsinger gefunden: Viel Hardware-Kram aus den 80ern und 90ern, viele alte Synthesizer und Effektmodule. Das Ergebnis hört sich auf ihrer Debüt-EP "Nachtschicht“ aufregend unaufgeregt an. Flut sind eben einfach gnadenlos retro: Von ihrer Musik über ihre Video-Ästhetik bis hin zum Bühnenbild mit vielen alten Röhrenfernsehern. Und dann kommen sie auch noch mit Vokuhilas und neonfarbenen Trainingsanzügen daher. Sieht nach Bad Taste Party aus, ist aber einfach nur grandios.

Sendung: Freundeskreis, 04.09.2017 - ab 10.00 Uhr

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band der woche
Flut