Interview mit Shabazz Palaces Von Außerirdischen, Außenseitern und dem Schwarzsein in den USA

Noch weirder, noch schräger, noch spaciger: Das amerikanische Future-HipHop-Duo Shabazz Palaces ist aus dem Weltall endlich wieder auf die Erde zurückgekehrt. Wir haben sie beim Roskilde Festival zum Interview getroffen.

Von: Christoph Lindemann

Stand: 14.07.2017 | Archiv

Shabazz Palaces | Bild: Sub Pop

Raumfahrt war immer eine sehr weiße Angelegenheit, Ishmael Butler und Tendai Maraire versuchen das zu ändern. Das Sci-Fi-HipHop-Duo Shabazz Palaces aus Seattle veröffentlicht an diesem Freitag zwei neue Alben, die als große Afro-Space-Oddity, die Geschichte des Außerirdischen Quazarz erzählen. Die Kumpels von Flying Lotus oder Thundercat treten mit dem Doppelalbum um den Weltall-Weirdo Quazarz das Erbe von Space-Funk-Legende George Clinton an.

PULS: Quazarz ist ein Außerirdischer, der unseren Planeten besucht. Wie kamst du darauf, das Album aus dieser Perspektive zu schreiben? 

Ishmael Butler: Ich sehe ihn gar nicht als Außerirdischen, für mich ist Quazarz eher ein Vertreter aller Lebewesen, die sich ausgestoßen und fremd in ihrer Umgebung fühlen. Es geht mir da um eine Erfahrung von Fremdheit, Teil einer Welt zu sein, die sich nicht richtig anfühlt, die sich feindlich anfühlt. 

Fühlst du dich so in den USA momentan?

Ishmael Butler: Ja. Als Schwarzer in den Vereinigten Staaten kann es passieren, dass man von Vertretern des Staates ermordet wird - und das zu jeder Zeit, ohne juristische Konsequenzen. Das ist frustrierend und das macht mich wütend. Aber ich habe das Gefühl, dass man seine eigene Wut, die Angst und die Frustration auch nie richtig greifen kann. Man lebt ja sein Leben weiter, man hat Kinder, man reist, man arbeitet und das Leben geht weiter. Aber natürlich tut man das alles immer mit dieser Angst, selbst Opfer dieser Gewalt zu werden.

Tendai Maraire: Man muss sich selbst schützen.

Meinst du, dass zum Beispiel Smartphones es einfacher machen, solche Taten zu vermeiden? Jetzt kann jeder so eine Tat easy mit der eigenen Kamera festhalten und veröffentlichen...

Ishmael Butler: Nein, das ändert nichts. Das ändert die Situation nicht und hat sie bisher auch nicht verändert. Dieses Gerede von "Awareness", die die Bilder von einer solchen Tat schaffen könnte, ist auch Bullshit. Awareness als Selbstzweck bringt überhaupt nichts: "Oh nein, mein Telefon sagt mir, dass jemandem etwas Schlimmes passiert ist", ändert überhaupt nichts. Selbst im besten Fall, wenn mich mein Smartphone informiert, dass etwas dergleichen passiert ist und 100 andere Menschen diese Informationen ebenfalls erhalten haben und gemeinsam mit einer Demonstration ein Zeichen setzen gegen die Polizei -all das ändert nichts. Was soll auch passieren? 

Denkst du, Smartphones haben unsere Art, mit Menschen zu interagieren, dennoch verändert? Vielleicht auch wie wir lieben?

Ishmael Butler: Vor 15 oder 20 Jahren, in der High-School, hatte ich kein Smartphone. Ich musste nicht ständig auf Nachrichten antworten, weil von mir nicht ständig Antworten verlangt wurden. Ich glaube, es verändert einen selbst sehr, wenn man immer diesen Druck empfindet, auf etwas antworten zu müssen, erreichbar sein zu müssen: "Wo bist du? Warum schreibst du nicht zurück? Und es sind nicht nur die Menschen, sondern auch die Geräte selbst, die - wie eine eifersüchtige Freundin, wenn man sie nicht genug beachtet - sich meldet und mehr Zeit fordert: "Warum kann ich dich nicht erreichen?" Das verändert selbstverständlich auch wie man liebt, wie man sich vertraut.

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