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Rappen unter Restriktionen Warum es HipHop in China so schwer hat

In China wird es der HipHop-Szene schwer gemacht: Dirty Lyrics sind bei der Regierung nicht gerade beliebt, Konzerte werden beliebig abgesagt. Zwei Rapper erzählen, wie sie trotzdem ihre Musik leben.

Von: Caroline von Eichhorn

Stand: 17.06.2015 | Archiv

Chinese mit Pflaster über dem Mund | Bild: BR

Mittwochabend in einer Pekinger Dachterrassenbar, 360-Grad-Aussicht über die Boombauten der Hauptstadt. Um 22 Uhr macht sich eine Gang in Baggy Pants breit, die vom Style her aussieht, als wäre sie frisch aus Brooklyn angereist. Nasty Ray geht im gelben L.A.-Lakers Trikot hinters DJ-Pult. Er legt heute HipHop auf, was auf Chinesisch "xiha" heißt. Aber der 26-jährige stellt erstmal klar: "Hip Hop ist Hip Hop. Der übersetzte Begriff 'xiha' ist ganz schön out."

Auf seiner Playlist: Fugees, Wu-Tang Clan, Big L und noch mehr Classic HipHop vom alten politischen Erzfeind USA. Chinesischer HipHop ist nicht dabei. Denn auch wenn die urbane Jugend seit den Nuller Jahren gerne HipHop hört, gibt es kaum professionelle chinesische Produktionen, sagt Nasty Ray. Dabei funktioniert auf Chinesisch rappen seiner Meinung nach besonders gut:

"In der chinesischen Sprache gibt es vier Tonhöhen, in der englischen nur eine. Das macht Wortspiele einfacher, auch die Art und Weise etwas auszudrücken ist vielfältiger."

Nasty Ray

Politik und Dirty Lyrics sind tabu

Wenn da nicht die Regierung wäre. Sie zensiert HipHop-Texte, politische Themen sind tabu. Viele Rapper dürfen ihre Platten nicht verkaufen und nicht auftreten - nicht nur aufgrund von politischen Äußerungen. Auch gegen sogenannte "Dirty Lyrics" geht die Regierung vor. Da reicht schon das standardmäßige HipHop-Repertoire von "bitch" bis "motherfucker". Deshalb ist Nasty Ray sehr vorsichtig.

"Da ich nur eine Version meiner Songs veröffentlichen kann, entscheide ich mich grundsätzlich für eine 'clean version', um so ein größeres Publikum erreichen zu können. Wenn ich als DJ auflege, dann ist das etwas anderes, da spiele ich immer nur die 'dirty versions'."

Nasty Ray

Bei DJs greift die Zensurschere nicht - eine perfekte Marktlücke für Nasty Ray. Er kann von seinen DJ- und Promoter-Jobs leben.

Verbot für HipHop-Pioniere

Auch Jah Way ist Rapper. Er bekommt den Einfluss der Regierung seit vielen Jahren zu spüren. Es ist kurz vor Mitternacht, Jah Way zündet sich in seinem Auto eine Zigarette an, seine Kappe ist tief ins Gesicht gezogen. Der 28-jährige macht HipHop, seit er mit 16 von der Schule geflogen ist - der Rap hat ihm Aufwind und Sinn gegeben. Seine ehemalige Crew "In3" etabliert sich damals schnell zum großen HipHop-Pionier Pekings, doch sie wird recht bald danach verboten.

"Das erste Album von In3 schlug ein wie eine Bombe. Plötzlich waren wir bekannt. Junge Leute kannten unsere Lyrics und haben sie nachgesungen. Das war der Grund, wieso uns die Regierung stoppte. Sie finden, wir wären Anti-Gesellschaft und gegen die Leute und ich weiß nicht warum."

Jah Way

"Wir wollen nur real sein"

Nun versucht es Jah Way mit seiner neuen Crew Purple Soul. Ihr Debutalbum "W.T.F." dreht sich um die Botschaft, einfach "real" zu sein. Klingt einfach - ist in China allerdings keine Selbstverständlichkeit.

Doch gerade, als Purple Soul richtig durchstarten, verbietet die Regierung ihr Debütalbum und sagt ihre Konzerte ab. Bei einem Konzert im letzten Jahr schickt die Regierung Leute, die das Venue kontrollieren und den Auftritt absagen. Purple Soul haben kein Label und keinen Manager, niemand kann sie verteidigen. Für Jah Way und seine Crew Purple Soul ist das Alltag. Er lässt sich von seiner Philosophie dennoch nicht abbringen.

"Wir machen Musik, um unser Leben zu verbessern. Wenn es uns gelingt, können wir es an andere Leute weitergeben. Sogar die Typen aus der Regierung hören unsere Musik. Wir wollen nicht missverstanden werden. Wir wollen nur real sein. Das ist allerdings schon ziemlich hart."

Jah Way

Danke an Julia Weibel für die Übersetzung!

Schlagworte:
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