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Chinesische Raumstation Tiangong: Chinas Himmelspalast im Weltraum

Die Volksrepublik China baut derzeit eine Raumstation in der Erdumlaufbahn. Tiangong soll sie heißen - ein "Himmelspalast" im Weltraum. Die ersten Astronauten sind bereits gen Erdumlaufbahn gestartet.

Von: Franziska Konitzer

Stand: 17.06.2021 09:44 Uhr

Am 29. Mai 2021 startet eine Rakete gen Himmel: An Bord befindet sich das Transportschiff Tianzhou-2, das am Kernmodul Tianhe der künftigen chinesischen Raumstation Tiangong andocken soll. | Bild: picture alliance / Xinhua News Agency | Guo Wenbin

Knapp drei Jahrzehnte nach den ersten Plänen für den Bau einer Raumstation beginnt die noch junge Raumfahrtnation China damit, sich mit dem "Himmelspalast" - chinesisch 天宫,sprich "Tiangong" - den Traum eines eigenen Außenpostens im All zu erfüllen. Wenn die veraltete internationale Raumstation ISS wie geplant in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellt, wäre China danach die einzige Nation, die einen ständigen Außenposten im Weltraum betreibt. Wegen der Bedenken der USA war China seinerzeit nicht eingeladen worden, an der ISS mitzuwirken.

Auf zu Tiangong: Die ersten Astronauten sind bereits im All

Am 17. Juni war es soweit: Die ersten drei chinesischen Astronauten hoben vom Kosmodrom Jiuquan ab - gen chinesischer Raumstation. Dessen Kernmodul namens Tianhe hatte China bereits im April gen Erdumlaufbahn befördert, ein unbemannter Versorgungsflug folgte. Die drei Astronauten Nie Haisheng, Liu Boming und Tang Hongbo sind nun die ersten Bewohner der neuen chinesischen Raumstation. Drei Monate lang sollen sie dort alles für den weiteren Bau vorbereiten und die Systeme austesten. Der Rückflug ist für September 2021 geplant.

Das Tiangong-Programm: Chinesische Raumstationen in der Erdumlaufbahn

Tiangong im Vergleich zur ISS und zur Mir

Im Vergleich zur ISS, die es auf eine Masse von rund 450 Tonnen bringt und Platz für bis zu sechs Astronauten bietet, wird die chinesische Raumstation deutlich kleiner ausfallen: Geplant wird mit einer Besatzung von drei Personen, Tiangong soll es im fertigen Zustand auf rund 60 Tonnen bringen. Damit ist Tiangong von der Größe her eher mit der früheren russischen Raumstation "Mir" vergleichbar. Neben wissenschaftlichen Versuchen in Schwerelosigkeit, im Vakuum und unter Strahlung bietet Tiangong dem chinesischen Raumfahrtprogramm aber neue Möglichkeiten, um die nötigen Voraussetzungen für weitere Missionen in die Tiefen des Weltalls zu erfüllen.

Das Kernmodul der chinesischen Raumstation ist bereits im Weltraum

ESA-Astronaut Matthias Maurer  | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Chinesische Raumstation Deutscher Astronaut trainiert für eine Reise zum "Himmelspalast"

Erstmals nehmen europäische Astronauten an einem chinesischen Raumfahrttraining teil. Sie wollen zu Chinas geplanter Raumstation Tiangong, zu Deutsch "Himmelspalast", reisen. Mit dabei: der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer. [mehr]

Im April 2021 war es soweit: Das Kernmodul der chinesischen Raumstation Tiangong startete gen Himmel. Das 22 Tonnen schwere Modul namens Tianhe, dessen Name übersetzt "Himmlische Harmonie" bedeutet, soll den Hauptteil der Raumstation bilden. Zehn Minuten nach dem Start trennte sich das Modul erfolgreich von der Rakete, was lauten Applaus im Kontrollzentrum auslöste. Wenig später erreichte "Tianhe" seine vorbestimmte Umlaufbahn, wie chinesische Staatsmedien berichteten.

Tianhe ist 16,6 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,2 Metern. Drei Raumschiffe können gleichzeitig andocken - zwei auch für längere Zeit. Das Kernmodul sorgt für Strom und Antrieb. Es bietet Unterkünfte für drei Astronauten, die bis zu sechs Monate an Bord bleiben können. Auch europäische Astronauten haben bereits für einen möglichen Besuch von Tiangong geübt.

Zwei Module für Experimente auf der Raumstation - plus ein Weltraumteleskop

Zwei ähnlich große Module für wissenschaftliche Experimente sollen T-förmig angebaut werden: Die Forschungsmodule Wentian und Mengtian sollen im Jahr 2022 zur chinesischen Raumstation geschickt und dort montiert werden. Außerdem gibt es noch ein geplantes Weltraumteleskop namens Xuntian. Dieses würde zwar nicht permanent mit der Raumstation verbunden sein, sich aber in derselben Umlaufbahn befinden. Damit wären Andockmanöver zwischen Teleskop und Raumstation prinzipiell möglich.

Der dritte "Himmelspalast" für China: das Tiangong-Programm

Eine grafische, undatierte Darstellung der chinesischen Raumstation Tiangong 1. Teile des 2016 außer Kontrolle geratenen chinesischen Raumlabors Tiangong 1 werden nach Einschätzung von Raumfahrtexperten voraussichtlich im März 2018 auf der Erde einschlagen. | Bild: CMSE/Europa Press/dpa zum Artikel Chinas Weltraumlabor Tiangong 1 ist in den Südpazifik gestürzt

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Für China ist es bereits die dritte Raumstation im Rahmen seines Tiangong-Programms: Das Weltraumlabor Tiangong 1 startete am 30. September 2011 von der Wüste Gobi aus ins All. Die Gesamtmasse des Raumfahrzeugs betrug beim Start 8,5 Tonnen einschließlich Treibstoff. 2018 stürzte Tiangong-1 aus dem Weltraum durch die Erdatmosphäre über dem Südpazifik ab - zu diesem Zeitpunkt war dieser Prototyp für eine Raumstation schon monatelang unkontrolliert in einer immer weiter an Höhe verlierenden Erdumlaufbahn unterwegs gewesen.

Das Raumlabor Tiangong-2 startete 2016 gen Erdumlaufbahn und wurde 2019 außer Betrieb genommen. Beide Raumlabore waren nicht als permanente Raumstationen gedacht gewesen. Sie dienten vielmehr als Vorbereitung für die sehr viel größere chinesische Raumstation, die sich derzeit im Bau befindet.


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