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Tempolimit Was bringt ein Tempolimit dem Klima?

Deutschland ist eines der wenigen Länder weltweit, das kein allgemeines Tempolimit hat. Auch der Umwelt zuliebe wollen viele auch hierzulande eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Doch wie groß wäre der Effekt aufs Klima wirklich?

Von: Robin Köhler, Sylvaine v. Liebe

Stand: 01.02.2021

 Was bringt ein Tempolimit dem Klima? In einer 2020 veröffentlichten Studie hat das Umweltbundesamt den Effekt einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Deutschlands Straßen fürs Klima berechnet. Im Bild: Ein Tempo-130-Schild steht auf einer Autobahn. | Bild: picture alliance /dpa-Zentralbild/dpa/Foto: Patrick Pleul

Deutschland ist das einzige Land in Europa und eines der wenigen auf der ganzen Welt, das kein generelles Tempolimit auf Autobahnen hat. Weil das Fahren mit hoher Geschwindigkeit weder besonders sicher noch gut für die Umwelt ist, fordern nicht nur Umweltschützer seit Jahren immer wieder, ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen einzuführen.

Mehrheit der Deutschen für ein Tempolimit

Auch die Mehrheit der Deutschen ist mittlerweile für die Einführung eines Tempolimits. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut "infratest dimap" im Oktober 2019 für das ARD-Morgenmagazin durchgeführt hat. 53 Prozent der 1.062 Befragten äußerten sich darin für eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen, 45 Prozent sprachen sich dagegen aus. Und selbst der ADAC, der sich immer vehement gegen ein Tempolimit ausgesprochen hat, ist inzwischen von seiner harten Haltung abgerückt.

Doch bringt ein Tempolimit wirklich was fürs Klima? Und wie groß wäre der Effekt überhaupt? PlanetB-Reporterin Ilka Knigge hat nachgerechnet.

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Tempolimit: Pro & Contra - Wie viel CO2 sparen wir wirklich? | PlanetB | BR | Bild: PlanetB (via YouTube)

Tempolimit: Pro & Contra - Wie viel CO2 sparen wir wirklich? | PlanetB | BR

Der Effekt von Geschwindigkeit aufs Klima - eine Beispielrechnung

Ein Auto, das die aktuelle Abgasnorm EURO-6 erfüllt und durchschnittlich 130 Stundenkilometer fährt, bläst auf einer Strecke von 565 Kilometern, also in etwa der Strecke von München nach Köln, etwa 104, 7 Kilogramm Kohlendioxid oder andere Treibhausgase, sogenannte CO2-Äquivalente, in die Luft. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern werden auf der gleichen Strecke etwa 146 Kilogramm Treibhausgase vom gleichen Auto ausgestoßen. Langsamer zu fahren, lohnt sich also.

Studie des Umweltbundesamtes zum Effekt eines Tempolimits

Aber ist auch ein Tempolimit sinnvoll fürs Klima? Das hat das Umweltbundesamt (UBA) in einer 2020 veröffentlichten Studie unter Berücksichtigung der in Deutschland vorhandenen Straßen ohne Tempolimit und des Verkehrsaufkommens errechnet. Demnach würden bei einem Tempolimit von 130 Stundenkilometern 1,9 Millionen Tonnen weniger CO2-Äquivalente im Jahr in die Luft geblasen werden als ohne. Bei einer Begrenzung auf 120 Stundenkilometer wären es schon 2,6 Millionen Tonnen weniger CO2-Äquivalente, die die Autos ausstoßen würden. Und bei 100 Stundenkilometer zulässiger Höchstgeschwindigkeit wären es gar 5,4 Millionen Tonnen weniger Emissionen der schädlichen Treibhausgase.

Bei einem Gesamtwert von 157,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, die der Verkehr in Deutschland durch hier tankende Autos im Jahr 2018 verursacht hat, ist die Einsparungsmöglichkeit bei den Treibhausgasemmissionen durch ein Tempolimit von 130 km/h eher gering, dafür aber sehr leicht und ohne große Mehrkosten umzusetzen.

Was gegen ein Tempolimit spricht

Ein Tempolimit sei eine Bevormundung mündiger Autofahrer, sei zu starr, flexiblere Lösungen für Gefahrsituationen wie digitale Geschwindigkeitsschilder seien möglich - das sind die Hauptargumente der Tempolimit-Gegner. Auch der Erhalt von Arbeitsplätzen in der für Deutschland so wichtigen Autoindustrie, die schließlich sehr von schnellen Fahrzeugen mit ihrer ausgefeilter Technik für technikaffine Autofahrer lebe, wird gegen die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung angeführt. Und nicht zuletzt: Geschwindigkeit bedeute auch Zeitgewinn und der sei für Unternehmen eben auch Geld und daher oft unerlässlich. Andersherum gesagt: Ein Zeitverlust, wie bei einem Tempolimit, bedeute zusätzliche Kosten für Unternehmen.

Die indirekten positiven Effekte eines Tempolimits

Aus ökologischer Sicht für die Einführung eines Tempolimits sprechen neben der Verminderung der Treibhausgasemissionen aber auch die indirekten Effekte eines Tempolimits, die sich positiv auf die Umwelt auswirken könnten. Wer nicht mehr so schnell mit dem Auto unterwegs sein kann, für den wird die Bahn attraktiver. Zudem rechnen einige Klimaforscher damit, dass Hersteller künftig mehr kleinere Autos bauen, wenn diese nicht mehr so schnell fahren können müssen. Das spart Ressourcen.

Fazit: Ein Tempolimit rettet nicht das Klima, aber es ist eine Maßnahme, mit der mit wenig Aufwand aus ökologischer Sicht viel bewirkt werden kann.


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