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CO2-Pfotenabdruck Warum Hunde der Umwelt schaden

Ja, auch Hunde belasten die Umwelt - und zwar gar nicht mal so wenig. 630 Kilogramm CO2 verursacht ein Durchschnittshund im Jahr. Doch mit einfachen Mitteln können Hundebesitzer die schlechte Klimabilanz ihrer Vierbeiner verbessern.

Stand: 11.11.2020

Mehr als zehn Millionen Hunde gibt es in Deutschland. Tendenz steigend. Für viele Menschen ist ein Leben ohne Hund gar nicht vorstellbar. Aber diese zehn Millionen Hunde verursachen eben auch etwa sechs Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Das hat Matthias Finkbeiner von der TU Berlin errechnet.

Um die gesamte Ökobilanz eines deutschen Durchschnittshundes mit 15 Kilogramm Gewicht und einer Lebenserwartung von 13 Jahren zu erstellen, hat der Geoökologe die Umweltauswirkungen der Vierbeiner in verschiedene Kategorien eingeteilt. Erfasst wurde zum Beispiel, inwieweit das Leben der Hunde Auswirkungen auf den Klimawandel, die Versäuerung der Böden oder die Wasserverschmutzung hat. Heraus kam: Besonders umweltbelastend ist die Herstellung von Hundefutter. Sie fällt in fast allen untersuchten Kategorien negativ auf, schneidet aber bei den klimaschädlichen Gasen besonders schlecht ab. Auch die Ausscheidungen der Tiere tragen in vielerlei Hinsicht zu einer Belastung der Umwelt bei.

Warum insbesondere Hundefutter klimaschädlich ist

Hauptverursacher für die schlechte Ökobilanz von Hunden, dem hohen CO2-Pfotenabdruck sozusagen, ist nach Analyse des Wissenschaftlers Matthias Finksteiner das Fleisch im Futter der Tiere. So tragen Kühe als Rindfleischlieferant, das häufig in Hundefutter enthalten ist, zum einen mit ihren Methan-Emissionen zum Klimawawandel bei. Zudem erhalten Kühe oft Kraftfutter, dessen Zutaten meist in entfernten Regionen der Welt, wie zum Beispiel Soja in Brasilien, hergestellt werden. "Das heißt, an all diesen Stellen entsteht natürlich eine Umweltbelastung, die wir dann in das Hundefutter eingerechnet haben", sagt Finksteiner von der TU Berlin.

Hohe Umweltbelastung durch Ausscheidungen der Hunde

Der sogenannte Durchschnittshund produziert in seinen 13 Lebensjahren etwa 2.000 Liter Urin und 1.000 Kilogramm Kot. Die Ausscheidungen der Tiere spielen bei der Überdungung eine große Rolle. Der Hundekot verschmutzt zusätzlich die Gewässer.

"Man kann jetzt nicht sagen, dass durch einen Hund allein ein See oder Gewässer oder Böden Schaden nehmen. Der Schaden entsteht ja durch die Gesamtheit der Einwirkung durch alle möglichen anderen Produkte und Emissionen. Aber der Hund trägt bei diesen Kategorien einen gewissen Teil dazu bei."

Matthias Finksteiner, Professor und Leiter des Fachgebiets 'Sustainable Engineering' an der TU Berlin

Auswirkungen des Hundeurins auf Pflanzen

Weil im Hundeurin viel Stickstoff enthalten ist und viele Pflanzen mit dem Stoff nicht klar kommen, führt die Anwesenheit von Hunden auch zu einem anderen Phänomen: dem Verschwinden bestimmter Pflanzenarten. In Gegenden, in denen es viele Hunde gibt, macht sich das bemerkbar. Dort gibt es dann nur noch "Stickstoff-Spezialisten", wie Thassilo Franke, Biologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Biotopia Naturkundemuseum Bayern in München, Pflanzen nennt, die mit dem Hundeurin im Boden zurecht kommen. Das sind vor allem Brennnesseln."Wo Brennnesseln wachsen, da sind meistens viele Hunde unterwegs in der Stadt", sagt Franke und beklagt zugleich den fehlenden Artenreichtum in den Grünanlagen der Städte.

Wiesen mit Randstreifen für manche Pflanzen eine Rettung

Nur auf Wiesen mit einem schrägen Randstreifen haben manche Pflanzen eine Chance, trotz des Hundeurins zu überleben. Denn durch die Schräge fließt der giftige Stickstoff zügig aus dem Boden und stellt so keine Gefahr für die Pflanzen dar. "Deswegen haben wir hier eine signifikant höhere Artenvielfalt. Nicht nur, was die Pflanzen betrifft, sondern auch im Boden selbst. Also die Mikroorganismen im Boden, die Pilze, Bakterien und Milben. Die Kleinstorganismen sind hier viel intakter als in ebenen Flächen", erklärt Biologe Franke.

Wichtig: Hundekot immer entsorgen!

Vor den schädlichen Auswirkungen des Hundekots können die Hundebesitzer die Natur aktiv schützen. Sie müssen die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner einfach immer mitnehmen und selbst mit dem Restmüll entsorgen. Dazu rät auch Geoökologe Finksteiner - auch wenn die Säckchen für die Hinterlassenschaften aus Plastik sind.

"Das Plastiksäckchen hat natürlich auch eine Umweltbelastung. Aber die Einsparung der geregelten Entsorgung des Kotes holt die auf jeden Fall wieder rein."

Matthias Finksteiner, Professor und Leiter des Fachgebiets 'Sustainable Engineering' an der TU Berlin

Tipp: Hundefutter selber kochen

Ein weiterer Tipp, um die Ökobilanz zu verbessern und die Umwelt zu schonen ist: Hundefutter selber kochen. Dadurch lasse sich der Fleischanteil des Futters auf unter 50 Prozent reduzieren, sagt Stephanie Schmitt, Fachtierärztin für Tierernährung. Sie rät, auf Gemüse und Kohlenhydrate im Futter zu achten. Die seien wichtig für Darm und Energiezufuhr der Tiere. Mineral-Vitamin-Pulver und Öl über das Futter zu geben, machten das Ganze zu einer vollwertigen Hunde-Mahlzeit.

Und noch ein abschließender Tipp: Lieber eine kleinere Hunderasse zulegen. Denn kleinere Hunde machen der Umwelt weniger Probleme als große!


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