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Nicht immer tödlich Was sind die Folgen eines Blitzschlags?

Von Juni bis August ist in unseren Breiten Blitzsaison. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 30 bis 50 Menschen vom Blitz getroffen, viele beim Joggen oder Radfahren. Diejenigen, die den Schlag überleben, leiden oftmals lebenslang unter Beschwerden. Erste Hilfe kann Leben retten - wenn man weiß, was zu tun ist.

Stand: 02.07.2019

Rettungssanitäter im Einsatz | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn ein Blitz direkt in den Körper einschlägt, hat man kaum eine Chance: Bei einem Blitzschlag können bis zu 100 Millionen Volt und mehrere 10.000 Ampere innerhalb von 0,02 Sekunden auf einen Menschen einwirken. Die Stromstärke führt zum sofortigen Tod durch Herzstillstand. Eine Chance aber hat das Blitzopfer: Wenn ein großer Teil des Blitzstroms nicht durch den Menschen hindurch, sondern über dessen Körperoberfläche fließt. Nichtsdestotrotz kommt es zu schweren körperlichen Schäden wie Lähmungen, Amnesien, Krämpfen, Verbrennungen oder Herzschäden.

Universität Regensburg untersucht Blitzopfer

An der Universtitätsklinik Regensburg führten Wissenschaftler über einen Zeitraum von mehreren Jahren eine Studie mit Blitzopfern durch. Die Neurologen untersuchten, an welchen Symptomen die Betroffenen leiden. Viele Blitzschlagpatienten berichteten von diffusen Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen und Tagesmüdigkeit. Die Regensburger Ärzte vermuten die Ursache dafür im Nervensystem. Blitze nehmen den Weg des geringsten Widerstandes. Treffen sie den menschlichen Körper, durchströmen sie die Gefäße und das periphere Nervensystem. Dort zerstören sie diejenigen Nervenfasern, die Bewegungen steuern und Empfindungen melden.

Die Untersuchungen der Regensburger Studie zeigten außerdem, dass Blitzschlagüberlebende häufig auch mit psychischen Problemen kämpfen. Viele von ihnen leiden unter Konzentrationsschwäche und Depressionen. Die Experten gehen davon aus, dass fast die Hälfte der Betroffenen nicht mehr arbeiten kann.

Erste Hilfe kann Leben retten

Wenn man Zeuge eines solchen Ereignisses wird, sollte man sofort Erste Hilfe leisten. Da ein Blitzschlag zu Herz- und Atemstillstand führen kann, sind Sofortmaßnahmen für das Opfer lebenswichtig.

Erste Hilfe: Maßnahmen

  • Rufen Sie sofort einen Rettungswagen.
  • Funktioniert Kreislauf und Atmung, sollte man den Verletzten vom Unwetter geschützt lagern und vor Hitze oder Kälte schützen.
  • Wenn möglich, den Verletzten viel trinken lassen, um Schockzustände vorzubeugen.
  • Bewusstlose Blitzopfer in die stabile Seitenlage bringen. Dabei immer beobachten, ob die Atmung funktioniert.
  • Weitere Verletzungen behandeln: Verbrennungen mit sterilem Verbandstoff abdecken, gebrochene Glieder ruhig stellen.
  • Bei Atemstillstand und fühlbarem Puls: Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen. Wenn kein Puls mehr zu fühlen ist, sollte zudem eine Herzdruckmassage durchgeführt werden.
  • Hat der Verletzte einen Herzstillstand, sollte er auf den Rücken gelegt und mit einer Herzdruckmassage begonnen werden.


Quelle: Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB) des VDE

Indirekter Blitzschlag

Info

Noch vor 50 Jahren starben in Deutschland etwa 50 bis 100 Menschen pro Jahr durch einen Blitzschlag. Heute sind es nur noch zwischen vier und zehn. Der Grund: Heutzutage halten sich die Menschen mehr in Gebäuden auf als in der freien Natur.

Auch wer sich nur in der Nähe eines Blitzeinschlags aufhält, kann noch vom Blitz getroffen werden - wenn auch indirekt. Der Blitzstrom breitet sich an der Einschlagstelle in alle Richtungen im Boden aus. Zwischen den Beinen kann sich eine "Schrittspannung" aufbauen, die zu lebensbedrohlichen Folgeerscheinungen führen kann - wie zum Beispiel Herzstillstand. Die Gefahrenzone beträgt rund zehn Meter vom Einschlagsort ausgehend, in den Bergen auch bedeutend weitreichender. Je weiter weg man sich vom Einschlagsort befindet, umso geringer wird die Spannung.

Spätfolgen nicht ausgeschlossen

Es kann auch zu Folgeschäden durch Blitzschlag kommen wie chronischen Schmerzen, mangelndem Erinnerungsvermögen, Gehirn- und Nervenschäden bis hin zu Persönlichkeitsänderungen. Da die Symptome oft erst Monate nach einem Blitzschlag auftreten, bringen viele Ärzte diese aber nicht mit dem Ereignis in Zusammenhang.

Immer ins Krankenhaus

Auch wer "nur" von einem Blitz gestreift wird, muss für die nächsten 24 Stunden zur Beobachtung ins Krankenhaus. In diesem Zeitraum können gefährliche Herzrythmusstörungen auftreten, selbst wenn sich der Betroffene zuerst wohl fühlt.


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