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Tsunamis auf der Zugspitze "hören" Frühwarnsystem in den Alpen

Auf dem Gipfel der Zugspitze gibt es ein Tsunami-Frühwarnsystem für Europa. Sollte im Mittelmeer oder in der Nordsee eine Riesenwelle entstehen, kann es deren Vorboten registrieren und Alarm schlagen, bevor sie die Küste erreicht.

Stand: 06.09.2018

Zugspitze | Bild: picture-alliance/dpa

Ursprünglich wollte Michael Bittner vom Schneefernerhaus auf der Zugspitze für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt das Klima in der oberen Atmosphäre beobachten. Als 2004 der verheerende Tsunami im Indischen Ozean zahlreiche Küstenregionen Südostasiens verwüstete, erzählten ihm Kollegen, dass Elefanten die herannahende Riesenwelle gehört hätten, bevor sie zu sehen war. Augenzeugen aus verschiedenen Regionen berichteten nach der Katastrophe, einige Tiere seien unruhig geworden und in höhere Gebiete geflohen. Deshalb vermuteten Bittners Kollegen, die Elefanten hätten den Schall des Tsunamis gehört und wären so gewarnt worden.

Japanisches Erdbeben sogar auf Zugspitze gemessen

Das tausende Kilometer entfernte Erdbeben in Japan war auch in Bayern noch zu spüren. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt hat sich am 11. März 2011 der Boden im Freistaat um mehrere Millimeter bewegt. Menschen konnten die Erschütterungen nicht spüren, die hochempfindlichen Messgeräte der zehn über Bayern verteilten Boden-Detektorstationen hingegen schon. Eine davon steht auf der Zugspitze.

Schallwellen in der oberen Atmosphäre

Das Messintrument GRIPS 3

Das brachte den Wissenschaftler auf die Idee, mit seinen Messgeräten auf der Zugspitze die Ohren der Elefanten zu kopieren. Das Klimamessgerät GRIPS, das sich seit 2005 auf der Zugspitze befindet, "hört" jetzt wie die Elefantenohren herannahende Gefahren. Denn Tsunamis, wie auch Erdbeben und Vulkanausbrüche, lassen Infraschallwellen entstehen - Schallwellen in einem tiefen Frequenzbereich, die das menschliche Ohr nicht hören kann.

Gemessen wird die Temperatur

So funktioniert GRIPS

Diese Infraschallwellen breiten sich mit großer Geschwindigkeit vom Ort ihrer Entstehung bis in die obere Atmosphäre aus. In 87 Kilometern Höhe, in der sogenannten Airglow-Schicht, sind die Infraschallwellen als Schwankungen der Temperatur messbar. GRIPS ist also nichts anderes als ein sehr empfindliches Thermometer.

Überwachung aus dem All geplant

Forschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze

Wie gut das mit GRIPS funktioniert, hat Michael Bittner an Meteorschauern ausprobiert. Denn auch Meteoriden produzieren Infraschall, wenn sie in die Erdatmosphäre eintreten. Das Problem des Frühwarnsystems: GRIPS kann zwar Tsunamis in den Meeren rund um Europa erkennen. Bis aber die Menschen vor Ort vom Schneefernerhaus aus gewarnt werden, dauert es noch zu lange. Deshalb wollen die Forscher modifizierte Messinstrumente auch per Satellit im All einsetzen, sodass sie von dort die Erde beobachten können. Eine andere Möglichkeit wäre es laut Bittner, die Geräte direkt an den betroffenen Küsten aufzustellen. Denn je näher GRIPS am Zentrum des Bebens dran ist, umso früher kann es davor warnen: bis zu zwanzig Minuten im Voraus.

Gefährliche Wasserberge

Die riesigen Flutwellen entstehen, wenn Erdstöße den Meeresboden erschüttern. Ihr Name "Tsunami" stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie "Große Welle im Hafen". Auf hoher See kann man diese Flutwellen kaum wahrnehmen, da sie manchmal nur wenige Zentimeter hoch sind. Wenn ein Tsunami allerdings ins flache Uferwasser läuft, kann er zunächst den Meeresboden auf großer Strecke trockenlegen - das erste Warnzeichen für die Menschen an Land. Schon kurz darauf kommt das Wasser aufgetürmt zu einer riesigen Flutwelle zurück, ein Wasserberg von manchmal mehr als dreißig Metern Höhe. Wer jetzt noch in Ufernähe ist, für den kommt jede Hilfe zu spät.

  • Geothermie: Lassen Erdbeben sich verhindern?: 13. September 2017 um 18.05 Uhr in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2.
  • Tsunamis - Ursachen, Auswirkungen, Früwarnung: 9. August 2017 um 19 Uhr, alpha-Campus AUDITORIUM.

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