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Geschichte der Telegrafie Wie Samuel Morse das Morsen erfand

Am 24. Mai 1844 telegrafierte Samuel Morse erstmals eine Nachricht von Washington nach Baltimore. Seine Erfindung verwandelte Sprache in elektrische Signale und revolutionierte bald die Kommunikation rund um die Welt.

Stand: 23.05.2019

Seine erste Konstruktion führte der Erfinder Samuel Morse am 4. September 1837 vor. Sie bestand aus einem Stift an einem Pendel, unter dem ein Uhrwerk einen aufgerollten Papierstreifen zog. Solange kein Strom durch den Elektromagneten floss, zeichnete der Stift einen geraden Strich. Sobald Strom floss, zog ein Magnet das Schreibpendel an, auf dem Papier entstanden Zacken. Seinen erstaunten Zuschauern an der Universität von New York erklärte Morse: Die Zacken stünden für Zahlen. Zusammen ergäben sie die kryptische Kombination "214-36-2-58-112-04-01837". Mit einem von Morse entwickelten Code-Lexikon ließen sich die Zahlen übersetzen in "Gelungener Versuch mit Telegraf September 4. 1837". Der Versuch war tatsächlich gelungen: Zum ersten Mal war ein Text mithilfe von Elektrizität übertragen worden. In der Folgezeit verfeinerte Morse das Gerät sowie vor allem den Code für die übermittelten Zeichen immer weiter.

Morse, ein erfolgreicher Künstler

"Marienkapelle bei Subiaco" von Samuel Morse

Samuel Morse kam 1791 im US-Bundesstaat Massachusetts zur Welt. Anfangs interessierte er sich gar nicht für Technik, sondern absolvierte eine Lehre als Buchhändler. Dann machte er sich als Maler einen Namen. Viele seiner Bilder hängen noch heute in renommierten Museen. Später wurde er Präsident der amerikanischen Design-Akademie und bewarb sich mehrmals erfolglos um das Amt des Bürgermeisters von New York.

Morse, ein besessener Erfinder

Als Morse auf einem Schiff von Europa zurück in die USA reiste, wurde er angeblich Zeuge eines Gesprächs zwischen Mitpassagieren über den Elektromagnetismus. Wenn Elektrizität in einem Kreislauf sichtbar gemacht werden könne, so seine Überlegung, dann müssten auch Botschaften übertragen werden können. Dies brachte ihn auf die Idee des Telegrafen. Morse begann zu tüfteln und konnte bald nicht mehr aufhören.

"Um Zeit zu sparen und meine Erfindung voranzubringen, habe ich über Monate in meinem Studio gelebt und gegessen. Die Lebensmittel habe ich im Laden gekauft und dann selbst zubereitet."

Samuel Morse in seinem Tagebuch

Die Zeit drängte, denn Morse wusste, dass er nicht der Einzige auf der Suche nach einem funktionierenden Telegrafen war. In Deutschland führten zu dieser Zeit beispielsweise die Wissenschaftler Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß ähnliche Versuche durch.

Erste Telegrafen-Konstruktion aus Sperrmüll

Im Deutschen Museum in München steht ein Nachbau von Morses Telegrafen.

Der Maler Morse hatte schließlich mit einer originelleren Herangehensweise die Nase vorn im Wettrennen um den ersten Telegrafen. Aus einer Staffelei, einem Stift, alten Teilen aus einer Uhr und einem Pendel bastelte er ein damals noch recht sperriges Gerät. Die Grundfunktion war simpel: Wenn kein Strom floss, zeichnete der Stift eine gerade Linie. Wenn Strom floss, schlug das Pendel aus und die Linie erhielt einen Zacken.

Morse-Code mit drei Signalen

Undatiertes Portrait von Samuel Morse

Nach und nach verbesserte Morse seinen Apparat. Gemeinsam mit Kollegen entwickelte er auch den nach ihm benannten Morse-Code. Nun wurden keine kryptischen Zahlenfolgen mehr übermittelt, sondern nur noch Daten verschickt, die aus drei verschiedenen Signalen zusammengesetzt waren: Kurz, lang und Pause.

Die ersten Worte in der Morse-Leitung

Lange suchte der Erfinder vergeblich nach Investoren und politischer Unterstützung für eine Telegrafenleitung. Doch schließlich bewilligte der US-Kongress den Bau einer rund 60 Kilometer langen Verbindung zwischen Baltimore und Washington. "What hath God wrought" (Was hat Gott bewirkt?) waren am 24. Mai 1844 die ersten Worte, die der Erfinder durch die Leitung morste. Später bauten Regierungen und Firmen weitere Leitungen und die Morse-Erfindung wurde weltweit zum Standard. Doch trotz seines Erfolges machte sich Morse bis zu seinem Tod 1872 in New York Sorgen um die Zukunft des Apparats - und seinen eigenen Ruhm.

"Ein Erfinder zu sein ist wirklich nichts Beneidenswertes. Sobald der Erfolg der Erfindung absehbar ist und es nur noch Ehre und Profit einzuheimsen gilt, wollen einem viele den Ruhm wegnehmen und behaupten, sie hätten Anteil an der Erfindung gehabt."

Samuel Morse in einem Brief an einen Freund

Morse als Verschwörungstheoretiker

Samuel Morse ist als Erfinder bekannt, doch er war auch Verfasser verschwörungstheoretischer Schriften. In seinem Buch "Conspiracy Against the Liberties of the United States" behauptete er etwa, der Staatskanzler von Österreich Metternich würde Missionare des Jesuitenordens als Agenten in die USA schicken. Diese sollten dort einen Habsburger als Kaiser der Vereinigten Staaten installieren.

  • Wer braucht eigentlich noch die Telegrafie? Ist Morsen noch zeitgemäß? 27.03.2019, 06:05 Uhr, radioWelt, Bayern 2
  • Samuel Morse und die Telegraphie: 21. August 2015, 18 Uhr, Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik, ARD-alpha.
  • Samuel Morse und die Telegraphie: 24. August 2015, 7.30 Uhr, Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik, ARD-alpha.
  • 4.9.1837 - Samuel Morse stellt den Schreibapparat vor: 4. September 2013, 9.05 Uhr, radioWissen.

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