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Palmöl Warum man den Konsum von Palmöl einschränken sollte

Der Verbrauch von Palmöl steigt stetig und belastet massiv die Umwelt. Alternative Ölsorten verschärfen das Problem, zeigt eine WWF-Studie. Ein Ausweg ist, den Konsum von Palmöl einzuschränken. Das ist auch gesundheitlich ratsam, denn verarbeitetes Palmöl steht in Verdacht, krebserregende Stoffe zu enthalten.

Stand: 29.07.2019

Palmöl ist ein billiger, effizienter und wertvoller Rohstoff für die Industrie, der auch Erdöl in manchen Prozessen und Produkten ersetzt. Der Verbrauch an Palmöl steigt rasant. Die Gründe dafür sind der zunehmende Einsatz von Palmöl in Kraftstoffen, die wachsende Bevölkerung in Asien und der steigende Konsumgüterbedarf weltweit in Form von Fertiggerichten, Bäckereiwaren, Schokolade und Kosmetik. Jährlich werden 60 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht, das ist ein Drittel aller Pflanzenöle. Mit dem steigenden Verbrauch wachsen auch die Umweltprobleme. Doch die Suche nach Ersatzölen ist nicht ganz einfach, wie eine Studie der Beratungsfirma Agripol im Auftrag der Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) Ende August 2016 ergab.

"Der simple Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern kann sie sogar verschlimmern."

Ilka Petersen, WWF-Studienleiterin

Ölpalmen-Plantagen in Malaysia

Für Kokos-, Soja-, Sonnenblumen- und Rapsöl benötigt man noch weitaus größere Anbauflächen als für Ölpalmen, so ein Ergebnis der Studie. Denn all diese alternativen Ölpflanzen liefern viel niedrigere Öl-Erträge je Hektar: Während die Ausbeute bei Ölpalmen bei durchschnittlich 3,3 Tonnen je Hektar liegt, sind es bei Raps, Kokos und Sonnenblumen nur etwa rund 0,7 Tonnen. Die Öl-Ausbeute bei Sojapflanzungen liegt sogar bei nur 0,4 Tonnen.

Verlierer: Tier- und Pflanzenvielfalt

Zudem müsste gerade für Soja- und Kokosöl im tropischen Gürtel weiterer Regenwald gerodet werden. Dadurch würden wiederum zusätzlich große Mengen an Kohlendioxid (CO2) freigesetzt und so der Treibhauseffekt verstärkt werden, heißt es in der Untersuchung. Gleichzeitig würde auch die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten noch zunehmen, für die die Abholzung schon jetzt das Hauptproblem ist. Denn die Monokulturen, egal ob bei Palmöl oder anderen Nutzpflanzen, verringern auch die biologische Vielfalt.

Menschenaffen durch Rodung in Gefahr

Lebensraum des Orang-Utans auf Borneo: die Wälder

Ein Beispiel sind die Borneo-Orang-Utans, die von der Weltnaturschutzunion, der International Union for Conservation of Nature (IUCN), auf ihrer Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" eingestuft wurden. Ein Grund für die Bedrohung der Menschenaffen: Die Wälder, in denen sie leben, werden für Palmöl-Plantagen abgeholzt. Ähnliche Gefahren sehen Wissenschaftler für Gorillas, Schimpansen und Bonobos in Teilen Afrikas. Doch nicht nur Affen leiden unter dem Verlust ihres Lebensraums. Auch viele Vogelarten in Südostasien sind wegen großer Plantagen ausgestorben, wie Forscher aus der Schweiz und aus Singapur nachweisen konnten.

"Es führt daher kein Weg daran vorbei, den Anbau von Ölpflanzen ausnahmslos umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten."

Ilka Petersen, WWF-Studienleiterin

Palmöl-Verbrauch drastisch senken

Die Verbraucher müssten dringend ihr Konsumverhalten ändern, forderte Ilka Petersen, die WWF-Studienleiterin: Werden weniger Fertiggerichte, Eiscreme, Schokolade, Süß- und Knabberwaren verzehrt, wird auch weniger Palmöl verbraucht. Außerdem dürfe Palmöl nicht mehr in Biokraftstoffen verwendet werden. Derzeit liegt der jährliche Palmöl-Verbrauch in Deutschland bei rund 1,8 Millionen Tonnen. Davon gehen 41 Prozent in Biodiesel und 40 Prozent in Nahrungs- und Futtermittel. Weitere 17 Prozent werden den Angaben zufolge von der Industrie für Reinigungsmittel, Kosmetika und Pharmaprodukte verwendet.

Gesundheitsgefahr durch Palmöl?

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Palmöl steckt im Lebensmittelbereich meist in raffinierten Speiseölen und Speisefetten und daraus hergestellten Lebensmitteln wie zum Beispiel Margarine, Back- und Konditoreiwaren, frittierten Produkten sowie Fertiggerichten und Säuglingsmilch. In Verruf geraten ist das Öl, weil seit 2007 bei Lebensmitteltests bedenkliche Schadstoffe entdeckt wurden: 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD), 2-Monochlorpropandiol (2-MCPD) und deren Fettsäureester sowie Glycidol und dessen Fettsäureester Glycidyl. Die Stoffe entstehen durch die Verarbeitung des Palmöls bei hohen Temperaturen über 200 Grad Celsius und stehen in Verdacht gesundheitsschädlich bis krebserregend zu sein. Bei 3-MCPD wurde von der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene eine "tolerierbare tägliche Aufnahmemenge" (TDI) von 2 µg/kg Körpergewicht pro Tag festgelegt. Vielverzehrer und Säuglinge, die ausschließlich industriell gefertigte Säuglingsmilch erhalten, können diesen Wert überschreiten. Für 2-MCPD liegen noch keine geeigneten toxikologischen Studien vor.

Bei Glycidyl gibt es keine unbedenklichen Aufnahmemengen. Glycidyl wird als erbgutschädigend und krebserregend eingestuft. Reduzieren kann man die Aufnahme der Schadstoffe dadurch, dass man möglichst wenig industriell verarbeitete Produkte mit Palmöl verzehrt. Für Säuglinge, die nicht gestillt werden können, gibt es derzeit keine Alternative zu industriell gefertigter Säuglingsmilch.

Fakten zu Palmöl

Was ist Palmöl?

Das rot-bräunliche Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Außerdem gibt es Palmkernöl aus dem Samen der Frucht. Das Fruchtfleisch besteht bis zu 50 Prozent aus Öl. Das pflanzliche Öl ist eines der wichtigsten Rohstoffe der Welt. Mit 30 Prozent Marktanteil ist Palmöl das meist verwendete Pflanzenöl der Welt.

Ölpalmen

Ölpalmen werden in den Tropen, vor allem in Südostasien, aber auch in Südamerika angebaut. Die globale Jahresproduktion von Palm- und Palmkernöl lag 2013 bei rund 60 Millionen Tonnen. Davon wurden nach Angaben des US-Forschungsinstituts FAPRI (Food and Agricultural Policy Research Institute) 51 Prozent in Indonesien und 36 Prozent in Malaysia in großen Palmöl-Plantagen erzeugt. Die weltweite Anbaufläche für Palmen hat sich von 1990 bis 2013 nahezu verdreifacht auf 17 Millionen Hektar.

Vorteile

Palmöl ist vielseitig. Es ist sehr hitzebeständig – deswegen braucht es die Lebensmittelindustrie. Es ist geruchsneutral – deswegen mögen es die Kosmetikhersteller. Es ist sehr lange haltbar, vor allem aber ist es unglaublich billig. Entscheidend ist der hohe Ertrag bei geringem Flächenbedarf: Pro Hektar und Jahr werden aus der Palme im Durchschnitt 3,7 Tonnen Öl gewonnen. Bei Raps sind es lediglich 1,3 Tonnen, bei der Sonnenblume 0,9 Tonnen und bei der Kokosnuss 0,8 Tonnen. Kein anderes Pflanzenöl ist günstiger als Palmöl: Zuletzt kostete eine Tonne rund 600 Euro, Kokosöl mehr als das Doppelte.

Verwendung

In Asien wird Palmöl vor allem zum Frittieren und Braten verwendet. Wir kaufen Palmöl und Palmkernöl mit fast jedem zweiten Produkt: Sie sind in Margarine, Schokolade, Schoko-Brotaufstrichen, in Keksen, Kuchen, Pizza, Chips und Tütensuppen sowie in Kraftfutter für die industrielle Tiermast und Tierfutter enthalten. Sie stecken aber auch in Shampoos, Seifen, Sonnencreme, Waschmittel, Kerzen oder Farbe und werden zur Herstellung von Biosprit verwendet. Aufgrund seines hohen Anteils an Laurinsäure ist Palmkernöl ein wichtiger Grundstoff zur Produktion von Tensiden in Wasch-, Reinigungs- und Spülmitteln.

Alternativen?

Palmöl kann teilweise ersetzt werden, etwa durch Öle aus Kokosnüssen, Raps, Sonnenblumen und Soja. Kokosnüsse und Soja wachsen aber in denselben oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen wie die Ölpalme: in tropischen Regionen. Wird das eine Öl durch ein anderes ausgetauscht, wird das entstehende Umweltproblem nicht kleiner, so die WWF-Studie. Im Gegenteil, es verlagere oder verschlimmere sich sogar, weil größere Anbauflächen benötigt würden.

Bio-Palmöl

Bei Bio-Palmölplantagen wird zum Beispiel darauf geachtet, dass Brachflächen genutzt werden. Für die Plantage wird also kein Regenwald abgeholzt. Es dürfen auch keine Pestizide eingesetzt werden. Außerdem sind die sozialen Kriterien für die Arbeiter strenger. Bio ist also besser, aber schwarze Schafe gibt es auch hier.

Warum Konsum einschränken?

Will ein Verbraucher etwas gegen den steigenden Palmöl-Anbau unternehmen, bleibt ihm nur, weniger Palmöl zu verbrauchen. Laut WWF könnten die deutschen Konsumenten rund die Hälfte ihres Palmölbedarfs von rund 1,8 Millionen Tonnen pro Jahr einsparen. Dafür dürften sie aber nur noch die Hälfte an Schokolade, Eiscreme, Fertiggerichten, Süß- und Knabberwaren sowie Fleisch verzehren. Das wäre auch aus gesundheitlichen Gründen ratsam, da gesundheitsschädliche bis krebserregende Stoffe in Lebensmitteln, die raffiniertes Palmöl enthalten, entdeckt wurden. Welche Produkte Palmöl enthalten, können Sie auch per App herausfinden.


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Kommentare

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Hübner, Mittwoch, 27.Juni 2018, 17:31 Uhr

1. Palmöl und WWF-Studie

Da hat der nachweislich auch von der Wirtschaft geförderte Traditionsverein WWF eine schöne wohlstandserhaltende Studie veröffentlicht. Wieder einmal nicht konsequent und nachhaltig. Guten Appetit bei fetter Schokolade und süßen fetten Palmöl-Backwerk, das schön billig ist. Der Wohlstandsbauch läßt grüßen. Hoffentlich ist dann Palmöl tatsächlich etwas krebsfördernd durch die Hocherhitzung bei der Herstellung. Dann haben auch wir die Quittung und nicht nur die Natur.

Hübner