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Johannes Gutenberg Der geheimnisvolle Erfinder des Buchdrucks

Mit beweglichen Lettern revolutionierte Johannes Gutenberg den Buchdruck. Plötzlich konnte man Bücher schnell, günstig und massenhaft produzieren. Um den Mann, der Bildung für alle ermöglichte, ranken sich viele Legenden.

Stand: 02.02.2018

Johannes Gutenberg, Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Radierung von C. G. Geyser nach Bernhard Rode neukoloriert. | Bild: picture alliance / akg-images

Ausgerechnet über den Mann, der den Druck revolutionierte, sind wenige schriftliche Quellen erhalten. Vieles über Johannes Gutenberg ist bis heute Spekulation. Das Rätsel beginnt mit Gutenbergs Geburt.

"Jeder kennt Johannes Gutenberg, obwohl man kaum etwas über ihn weiß."

Elke Schutt-Kehm, stellvertretende Direktorin des Gutenberg-Museums in Mainz

Johannes Gutenberg, das unbekannte Wesen

Ob Johannes Gutenberg diesem Porträt auch nur ein bisschen ähnlich sah, weiß niemand. Es entstand Jahrhunderte nach seinem Tod.

Geboren wurde Gutenberg um das Jahr 1400 - wahrscheinlich zwischen 1394 und 1404 - und mit ziemlicher Sicherheit in Mainz. Möglicherweise aber auch in Eltville auf der anderen Rheinseite, wo die mütterliche Seite der Familie ein Haus besaß.

Johannes war das dritte Kind des Kaufmanns Friedrich Gensfleisch und dessen zweiter Frau Else. Der Name Gutenberg leitet sich vom Hof zum Gutenberg ab, wo die Familie lebte. Als Kind einer Patrizierfamilie wurde Gutenberg sicherlich eine gute Schulbildung zuteil. Möglicherweise studierte Gutenberg in Erfurt. Für das Wintersemester 1419/1420 ist dort zumindest ein Johannes de Alta villa (Eltville) verzeichnet, bei dem es sich um Johannes Gutenberg handeln könnte.

7 Fakten, die Sie noch nicht über Johannes Gutenberg wussten

  • Johannes Gutenberg hieß eigentlich Johannes Gensfleisch.
  • In frühen Urkunden wurde Johannes "Henne" oder "Henchen" genannt.
  • Niemand weiß, wie er wirklich aussah. Das erste fiktive Porträt von ihm entstand rund 100 Jahre nach seinem Tod.
  • 1436/37 wurde Gutenberg von der Straßburgerin Ennelin von der Isern Türe wegen Nichteinhaltung eines Eheversprechens angeklagt.
  • Die Gutenberg-Bibel gab es in einer Auflage von etwa 180 Stück. Rund 50 Gutenberg-Bibeln sind auch heute noch erhalten.
  • Das damals bedruckte Papier war feucht und wurde wie Wäsche zum Trocknen aufgehängt.
  • Am Rosenmontag bekommt die Gutenberg-Statue im Zentrum von Mainz regelmäßig eine Verkleidung.

Gutenberg tüftelte in Straßburg am Buchdruck

Die rekonstruierte Werkstatt von Johannes Gutenberg im Gutenberg-Museum in Mainz.

Was sicher verbürgt ist: Von 1434 bis 1444 hielt sich Gutenberg in Straßburg auf, damals eine der größten und reichsten Handelsstädte im Deutschen Reich. Dort feilte Gutenberg bereits an seiner Idee, Drucke serienmäßig herzustellen, und baute eine erste Presse. "Die Vorstufen zu der Erfindung sind in Straßburg gut belegt", berichtet Stephan Füssel, Mainzer Buchwissenschaftler und Herausgeber des Gutenberg-Jahrbuchs. In Mainz brachte Gutenberg seine Ideen zur Marktreife:

  • Bleilettern: Groß- und Kleinbuchstaben sowie Satzzeichen, mit denen sich jeder beliebige Text setzen ließ
  • ein Handgießgerät: eine Hohlform, mit deren Hilfe die Lettern schnell, einheitlich und ordentlich hergestellt werden konnten
  • eine Druckerpresse: die mit den Lettern bestückten Drucktafeln wurden eingespannt, der Druck des Gewindes sorgte für einen gleichmäßigen Farbton auf dem Blatt
  • eine hierfür besonders gut geeignete, dickflüssige, leicht klebrige Druckerschwärze aus Ruß, Öl und Harzen

Einzelne, wiederverwendbare, platzsparende Zeichen

Von nun an ließen sich die Lettern in mehrfacher Ausführung gießen, immer wieder neu zusammensetzen und anschließend platzsparend in einem Setzkasten verstauen. In der Anfangszeit wurden zum Beispiel heißbegehrte Schulbücher für lateinische Grammatik gedruckt. Unterstützt wurde Gutenberg von Johannes Fust, einem Kaufmann, von dem ein Großteil der Finanzierung stammte, und dem Schreiber Peter Schöffer.

"Gutenberg hat das Wissen demokratisiert, den ersten Schritt zum Wissen für alle gemacht."

Elke Schutt-Kehm, die stellvertretende Direktorin des Gutenberg-Museums in Mainz

Das Buch der Bücher und das Geschäft mit den Sünden

Die einzelnen Seiten der gedruckten Gutenberg-Bibel wurden zusätzlich von Hand farbig illustriert.

Zwischen 1452 und 1454 entstand die fast 1.300 Seiten starke, zweibändige Gutenberg-Bibel. Weil sie in einem 42-zeiligen Layout gedruckt ist, wird sie auch kurz B-42 genannt. Etwa 180 Exemplare wurden gedruckt, davon rund 30 auf Pergament. Und wurden durchaus mit Erfolg unters Volk gebracht, wie Gutenberg-Experte Füssel weiß: Er verweist auf den Diplomaten und späteren Papst Enea Silvio de Piccolomoni, der von der Frankfurter Messe im Oktober 1454 berichtete, dass die gesamte Auflage vergriffen sei.

Ebenfalls ein Renner waren die Ablassbriefe, die im Auftrag der Kirche zwischen 1454 bis 1455 zu Tausenden gedruckt wurden. Gläubige kauften sie und erhofften sich davon die Vergebung ihrer Sünden.

Bibliothek in Eichstätt zeigt Anfänge des Buchdrucks

Die Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zeigt vom 31. Januar bis 16. März 2018 die Ausstellung "Typen, Texte, Themenkreise". Zu bestaunen gibt es eine Auswahl sogenannter Inkunabeln oder Wiegendrucke, die im 15. Jahrhundert, in der Entstehungszeit des Buchdrucks, produziert wurden. In Eichstätt war nach Würzburger Vorbild 1484 eine bischöfliche Hofdruckerei eingerichtet worden, die bis 1494 existierte.

Gutenberg wegen Veruntreuung vor Gericht

Aus dem Jahr 1455 ist das Dokument eines Notars erhalten: Geldgeber Fust bezichtigte Gutenberg, Geld, das er ausschließlich für den Druck der Bibel verwenden hätte dürfen, anderweitig ausgegeben zu haben. Vor Gericht bekam Fust Recht. Gutenberg wurde verurteilt und musste Fust die Bibel-Druckerei und einen Teil der gedruckten Bibeln überlassen. Fust führte die Druckerei anschließend mit Gutenbergs Mitarbeiter Peter Schöffer fort. Gutenberg gründete eine andere Druckerei.

Vorreiter im Buchdruck: China und Korea

Der Buchdruck mit austauschbaren Buchstaben wurde in China schon im 11. Jahrundert mit beweglichen Lettern aus gebranntem Ton entwickelt. Im 13. Jahrhundert wurden in Korea bereits Metalllettern hergestellt. Gutenberg entwickelte seine Technik jedoch eigenständig für sich, zusammen mit einem Handgießinstrument und einer Druckerpresse. "Gutenberg hat als erster eine serielle Herstellung genormter Einzelteile konzipiert, berichtet Elke Schutt-Kehm, die stellvertretende Direktorin des Gutenberg-Museums in Mainz. "Das ist technikgeschichtlich ein enormer Schritt gewesen." In Asien seien die Lettern für den Druck im Wachsgussverfahren, aus Ton gebrannt oder in Holz geschnitzt worden, was ein anderer Ansatz gewesen sei.

Sonderausstellung im Gutenberg-Museum in Mainz

Im Gutenberg-Museum in Mainz gibt es eine Sonderausstellung über Johannes Gutenberg und die Geschichte des Buchdrucks in Europa und Asien: "Ohne Zweifel Gutenberg?" Gezeigt wird auch die Rekonstruktion einer frühen koreanischen Druckwerkstatt. Der Nachbau wird zurzeit in Südkorea hergestellt. Vom 21. September 2018 bis 24. Februar 2019 soll die Ausstellung zu sehen sein und einen direkten und detaillierten Vergleich zwischen Materialien und Druckverfahren bieten.

So schön drucken wie handgeschrieben

Johannes Gutenberg tüftelte daran, Schriftstücke schnell und günstig herzustellen. Sie sollten aber mindestens so schön wie handgeschrieben sein.

Gutenbergs Ziel war es, die gedruckten Werke den handschriftlichen nachzuempfinden. "Er wollte so schön drucken wie handgeschrieben", sagt Elke Schutt-Kehm. Für sie ist Gutenberg der erste Typograf: Der Guss seiner Metallbuchstaben stehe am Anfang der modernen Schriftgestaltung - bis hin zur Entwicklung von Fonts für digitale Schriftbilder.

Gutenbergs Erfindung markiert den Beginn der Neuzeit, dank ihm konnten immer mehr Menschen überhaupt erst lesen und schreiben lernen und sich ganz neue Welten erschließen. Ohne den Buchdruck, darin sind sich Historiker einig, wäre die Entwicklung der Wissenschaften und der modernen europäischen Kultur so nicht vorstellbar gewesen.

"Gutenberg hat mit seiner wegweisenden Erfindung die Vermittlung von Wissen und Bildung für jedermann ermöglicht. Ehemals in Handschriften verstecktes Wissen konnte nun in hohen Auflagen an die zunehmend größer werdende Zahl von Lesefähigen verbreitet werden."

Stephan Füssel, Mainzer Buchwissenschaftler und Herausgeber des Gutenberg-Jahrbuchs

Gutenbergs Ehre und Erbe

Verarmt und vergessen soll Gutenberg gestorben sein. "Hochgeehrt", hält Gutenberg-Experte Füssel dagegen. Gutenbergs Leistung wurde bereits zu seinen Lebzeiten gewürdigt: 1465 wurde er von Erzbischof Adolf von Nassau zum "Hofmann" ernannt und damit von Steuern und Lasten befreit. Zusätzlich erhielt er von ihm bis an sein Lebensende jährlich eimerweise Wein und Getreide sowie Kleidung. Gutenbergs modernes Druckverfahren verbreitete sich noch im 15. Jahrhundert in Europa und später in der ganzen Welt.

Das Rätsel um Gutenbergs Tod

Um Johannes Gutenberg ranken sich viele Legenden. Ein Geheimnis bleibt auch sein genauer Todestag.

Am 3. Februar wird des Todestages Gutenbergs gedacht. 2018 soll er sich zum 550. Mal jähren. Ob das wirklich stimmt, ist fraglich. Gutenberg ist in einer Totenliste der Begräbnisbruderschaft St. Viktor in Mainz-Weisenau aufgeführt: "Hengin Gudenberg Civis Mag" (der Mainzer Bürger Johann Gutenberg) - allerdings ohne Datumsangabe. Das vermeintliche Todesdatum 3. Februar geht laut dem Buchwissenschaftler Stephan Füssel auf einen Heimatforscher aus dem Jahr 1910 zurück und sei wissenschaftlich nicht haltbar. Bestattet wurde Gutenberg in der Mainzer Franziskanerkirche. Die ursprüngliche Kirche und das Grab existieren jedoch nicht mehr.

2016 tauchte in Würzburg ein Dokument vom 26. Februar 1468 auf, in dem der Mainzer Humanist Konrad Humery dem Erzbischof Adolf von Nassau bestätigt, dass er aus dem Nachlass von Gutenberg eine Druckerpresse erhalten habe. Daraus lasse sich schließen, dass Gutenberg etwa vier Wochen zuvor verstorben sei, erklärt Füssel. Interessant ist jedoch nicht nur für Füssel der Nachweis, dass Gutenberg bis zu seinem Lebensende eine Druckerpresse besessen und wohl auch noch damit gearbeitet hat.

"Die Welt erkennt ohne Zögern und Zweifeln an, dass Gutenbergs Erfindung das größte Ereignis ist, das jemals in der Geschichte stattgefunden hat."

Mark Twain im Jahr 1900, als Gutenbergs 500. Geburtstag gefeiert wurde


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