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Friedensnobelpreis 2018 für Denis Mukwege und Nadia Murad Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegsmittel

Der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad bekämpfen den Einsatz sexueller Gewalt als Kriegsmittel in bewaffneten Konflikten. Dafür werden sie mit dem Friedensnobelpreis 2018 ausgezeichnet.

Stand: 09.10.2018 | Archiv

Die beiden Menschenrechtler erhalten die Auszeichnung für ihre Bemühungen, die Anwendung von sexueller Gewalt als Kriegswaffe zu beenden, wie das norwegische Nobelkomitee in Oslo erklärte. Beide hätten herausragend gegen diese Kriegsverbrechen gekämpft.

Mukwege operiert Vergewaltigungsopfer

Denis Mukwege erhält den Preis für seinen Einsatz für Mädchen und Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Der 63-jährige Gynäkologe operiert im Ostkongo vergewaltigte Frauen. Er gilt seit Jahren als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen.

Murad schaffte Neuanfang in Deutschland

Die 25-jährige Jesidin Murad ist von der Extremisten-Miliz "Islamischer Staat" in ihrer Heimat Irak entführt und als Sexsklavin gefoltert worden. Auf Initiative des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, kam sie anschließend nach Deutschland. Sie lebt in Baden-Württemberg und kämpft als Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen heute dafür, die IS-Täter für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen.

Bundesregierung gratuliert Preisträgern

Bundeskanzlerin Merkel übermittelte den Preisträgern ihren "herzlichsten Glückwunsch". Sie war 2016 im Kanzleramt mit Nadia Murat persönlich zusammengetroffen. Regierungssprecher Seibert sagte, die Bundesregierung habe "große Hochachtung" für die Arbeit der Ausgezeichneten. "Das sind zwei großartige Preisträger, die beide für sich für den Schrei nach Menschlichkeit stehen - inmitten unvorstellbarer Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen antun."

Preisverleihung in Oslo

Im vergangenen Jahr hatte die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) den Friedensnobelpreis erhalten. Heute musste sich die Jury unter 331 Anwärtern entscheiden – nominiert waren 216 Personen und 115 Organisationen. Der mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 860.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis wird nicht wie die übrigen Nobelpreise in Stockholm, sondern in Oslo vergeben. Im dortigen Rathaus wird er am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, überreicht.

Kandidaten streng geheim

Welche Namen auch immer schon vorab durch die Medien geistern - reine Spekulation. Denn das Nobel-Komitee hält bis zur letzten Minute geheim, wer den Nobelpreis bekommt. Und wer ihn nicht bekommt, das bleibt sogar noch länger geheim: Wer nominiert war, darüber wird noch weitere fünfzig Jahre Stillschweigen gewahrt.

Friedensnobelpreis als wichtigste Auszeichnung weltweit

Die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers ist jedes Jahr der Höhepunkt in der Reihe der sechs Nobelpreis-Verkündungen. Er gilt als wichtigste Auszeichnung weltweit und hat einen hohen politischen Stellenwert. Theoretisch hat die Jury über den Preis die Möglichkeit, in einen aktuellen Konflikt einzugreifen, wie sie es beispielsweise mit dem Friedensnobelpreis 2017 getan hat, als sie die Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican auszeichnete.

Fünf deutsche Friedens-Nobelpreisträger

1901 wurde der Friedensnobelpreis zum ersten Mal vergeben - an Henri Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes, und an Frédéric Passy, den Gründer der französischen Friedensgesellschaft. Seither haben insgesamt fünf Deutsche den Friedensnobelpreis erhalten - zuletzt 1971 der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt für seine Ostpolitik. Wer noch in den vergangenen Jahren mit dem Preis geehrt wurde, finden Sie in unserer Galerie der Gekürten.

Tauben, Falken und der Spatz in der Hand - Friedensnobelpreise

Die Entscheidungsträger

Web-Tipp

Der Friedensnobelpreis ist der einzige der renommierten Preise im Gedenken Alfred Nobels, der nicht vom schwedischen, sondern einem norwegischen Komitee vergeben wird. Nobel selbst hat nie erklärt, wie es zu dieser Ortswahl kommt. Doch da zu Nobels Lebzeiten Schweden und Norwegen noch vereinigt waren und das norwegische Parlament nur für innenpolitische Fragen verantwortlich war, hielt Nobel die Norweger vermutlich für nicht so leicht manipulierbar. Vergeben wird der Preis von fünf Politikern, die vom norwegischen Parlament gewählt werden.

"dem, der am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat."

Alfred Nobel darüber, wem der Friedensnobelpreis gebührt

Preisträger der vergangenen Jahre

  • 2017: Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican für ihren Kampf um einen Vertrag gegen Atomwaffen
  • 2016: Juan Manuel Santos, Präsident von Kolumbien, für seine Anstrengungen, den mehr als fünfzig Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden
  • 2015: Tunesisches Quartett für nationalen Dialog für ihre Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in Tunesien
  • 2014: Malala Yousafzai (Pakistan) & Kailash Satyarthi (Indien) für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und für deren Recht auf Bildung
  • 2013: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OVCW) für ihren weltweiten Einsatz gegen Chemiewaffen
  • 2012: Die Europäische Union für ihre jahrzehntelange Verbreitung von Frieden und Versöhnung
  • 2011: Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee und Tawakkul Karman für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für das Recht der Frauen auf volle Beteiligung an friedensbildender Arbeit.
  • 2010: Liu Xiaobo, inhaftierter Dissident und Bürgerrechtler aus China
  • 2009: der damalige US-Präsident Barack Obama für seine Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Diplomatie
  • 2008: Martti Ahtisaari für seine Vermittlungen in zahlreichen internationalen Kriegen und Konflikten
  • 2007: Al Gore und der Weltklimarat für ihren Kampf gegen den Klimawandel
  • 2006: Professor Mohammed Junus für seine Grameen Bank in Bangladesch
  • 2005: Die Internationale Atomenergieorganisation IAEO und ihr Generalsekretär Mohammed el-Baradei
  • 2004: Wangari Muta Maathai
  • 2003: Schirin Ebadi
  • 2002: Jimmy Carter
  • 2001: Die UNO und ihr Generalsekretär Kofi Annan

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